Strategy kauft Wandelanleihen über 1,5 Milliarden US-Dollar zurück – mit Rabatt und möglicher Bitcoin-Verkaufsoption

Alex Merten

16.05.2026, 06:00 Uhr

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Der größte börsennotierte Bitcoin-Treasury-Konzern der Welt baut einen Teil seines Schuldenbergs ab – und macht dabei nebenbei einen Buchgewinn. Strategy Inc., bis Anfang 2025 noch unter dem Namen MicroStrategy firmierend, hat am 14. Mai 2026 privat ausgehandelte Vereinbarungen mit Gläubigern getroffen, um 0-Prozent-Wandelanleihen mit Fälligkeit 2029 im Nennwert von rund 1,5 Milliarden US-Dollar vorzeitig zurückzukaufen. Das geht aus einer Form-8-K-Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC hervor, die das Unternehmen am 15. Mai 2026 veröffentlicht hat.

Der geschätzte Kaufpreis liegt bei rund 1,38 Milliarden US-Dollar – also etwa 92 Prozent des Nennwerts. Strategy kauft die eigenen Anleihen damit unter pari zurück und realisiert auf dem Papier einen Buchgewinn von rund 120 Millionen US-Dollar, bevor steuerliche und transaktionale Effekte verrechnet sind. Der endgültige Preis hängt allerdings noch vom volumengewichteten Durchschnittskurs der Strategy-Class-A-Aktie (MSTR) während einer vereinbarten Messperiode ab und kann sich entsprechend verändern. Die Abwicklung soll laut SEC-Meldung am oder um den 19. Mai 2026 erfolgen.

Finanzierung: ATM-Programm, Cash – und ausdrücklich auch Bitcoin

In der SEC-Mitteilung nennt Strategy drei mögliche Finanzierungsquellen für den Rückkauf: bestehende Barreserven, Erlöse aus dem laufenden At-the-Market-Programm zum Verkauf von Wertpapieren – und ausdrücklich auch den Verkauf von Bitcoin. Dass diese dritte Option überhaupt aufgeführt wird, ist bemerkenswert. Über Jahre hinweg hatte Firmenchef Michael Saylor öffentlich kommuniziert, Strategy werde seine Bitcoin-Bestände niemals verkaufen. Auf dem jüngsten Earnings Call hatte Saylor diese Position erstmals relativiert.

Realistisch dürfte der Bitcoin-Verkauf trotzdem das unwahrscheinlichste Szenario sein. Strategy hat in den vergangenen Monaten über die Vorzugsaktien-Programme STRF, STRC, STRK und STRD erhebliche Mittel eingesammelt, allen voran über die variabel verzinste Stretch-Vorzugsaktie (STRC) mit einer aktuellen Dividende von 11,5 Prozent. Diese Erlöse stehen für Bilanzoptimierungen wie den aktuellen Rückkauf zur Verfügung, ohne dass das Unternehmen seinen BTC-Bestand antasten müsste. Branchenmedien wie BTC-Echo gehen entsprechend davon aus, dass die Stretch-Erlöse die naheliegende Finanzierungsquelle sind.

Was der Rückkauf für Strategys Bilanz bedeutet

Strategy reduziert mit dem Schritt rund die Hälfte des 2029er-Wandelanleihen-Volumens. Nach Abwicklung und Annullierung der zurückgekauften Tranche bleiben etwa 1,5 Milliarden US-Dollar Nennwert der 2029-Notes ausstehend. Bilanziell ist das ein präemptiver Schuldenabbau bei einer Anleihe, die ohnehin nicht verzinst war – der eigentliche Hebel liegt also nicht im Zinsaufwand, sondern in der Verwässerungsoption: 0-Prozent-Wandelanleihen sind für den Emittenten nur dann günstig, solange der Aktienkurs unter dem Wandlungspreis bleibt. Steigt MSTR im Zeitverlauf deutlich, würde eine Wandlung neue Aktien schaffen und die bestehenden Anteilseigner verwässern. Ein vorzeitiger Rückkauf zum Discount schließt dieses Risiko für rund die Hälfte des Volumens.

Für den Bitcoin-Markt selbst ist die Meldung damit primär ein Signalspiel: Solange Strategy auf ATM- und Vorzugsaktien-Erlöse zurückgreift, bleiben die BTC-Bestände unverändert. Sollte das Unternehmen entgegen der ursprünglichen Saylor-Doktrin tatsächlich Bitcoin verkaufen, wäre das hingegen ein präzedenzbildendes Ereignis – mit potenzieller Signalwirkung weit über Strategy hinaus auf andere Treasury-Adoptionen weltweit.

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