Die US-Bitcoin-ETFs haben am Donnerstag erneut deutliche Mittelabflüsse verbucht. Gleichzeitig fällt der Stimmungsindikator „Fear and Greed“ auf den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung 2018 – ein Warnsignal für den gesamten Kryptomarkt.
Am Donnerstag, 19. Februar 2026, summierten sich die Nettoabflüsse aus US-Spot-Bitcoin-ETFs auf 165,8 Millionen US-Dollar. Es war der dritte Handelstag in Folge mit Kapitalabzügen. Auch die Ethereum-ETFs standen unter Druck: Hier zogen Investoren am selben Tag 130,1 Millionen US-Dollar ab. Der Bitcoin-Kurs notiert aktuell bei 67.166 US-Dollar, zahlreiche Altcoins geben ebenfalls deutlich nach.
Warum ist das relevant? Die ETF-Zuflüsse galten in den vergangenen Monaten als zentraler Treiber für die Marktdynamik. Dreht dieser Kapitalstrom ins Negative, verändert sich das kurzfristige Kräfteverhältnis. Parallel dazu signalisiert der Stimmungsindex von Alternative.me mit einem Wert von 7 eine Phase „extremer Furcht“ – tiefer als jemals zuvor seit Start der Messung 2018. Marktteilnehmer reagieren damit offenbar auf wachsende geopolitische Risiken, darunter neue Spannungen rund um den Iran.
On-Chain-Daten liefern düstere Krypto News
On-Chain-Daten von Glassnode zeigen, dass beim derzeitigen Kursniveau rund 19 Prozent der gesamten Bitcoin-Marktkapitalisierung auf sogenannten unrealisierten Verlusten sitzen. Vereinfacht gesagt: Fast ein Fünftel des im Markt gebundenen Kapitals steckt in Coins, die aktuell unter ihrem jeweiligen Kaufpreis liegen. Diese Verluste sind zwar noch nicht realisiert, erhöhen aber den psychologischen Druck. Wer deutlich im Minus ist, reagiert sensibler auf weitere Kursrückgänge.
Ein solches Umfeld kann eine Kettenreaktion auslösen. Fallen Kurse weiter, geraten zusätzliche Marktteilnehmer unter Wasser. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Positionen aufgegeben werden – freiwillig oder durch Liquidationen.
Parallelen zum Frühjahr 2022
Bemerkenswert ist die strukturelle Ähnlichkeit zur Marktphase im Mai 2022. Damals kippte die Stimmung nach einer längeren Konsolidierung abrupt. Die Kurse rutschten unter zentrale Unterstützungszonen, bevor sich der Bärenmarkt in den Folgemonaten beschleunigte.
Auch aktuell deutet die Chartstruktur auf eine sensible Phase hin. Der Markt hat ein Niveau erreicht, das historisch mit erhöhter Volatilität und Richtungsentscheidungen verbunden war. Ob sich das Muster wiederholt, ist offen. Doch die Kombination aus Kapitalabflüssen, rekordtiefer Stimmung und wachsendem Buchverlust-Anteil im Netzwerk schafft ein Umfeld mit erhöhtem Risiko.
Abwärtstrend bei Altcoins
Besonders deutlich wird die Schwäche im Altcoin-Segment. Daten zeigen, dass 83 Prozent aller auf Binance gelisteten Altcoins unter ihre jeweilige 50-Wochen-Linie gefallen sind. Diese Durchschnittslinie gilt unter Charttechnikern als langfristiger Trendindikator. Notieren Vermögenswerte darunter, wird dies häufig als Signal für einen intakten Bärenmarkt interpretiert.
Dass ein so großer Anteil des Marktes diese Schwelle unterschritten hat, spricht für eine breite Abwärtsbewegung und nicht nur für selektive Schwäche einzelner Projekte. In früheren Marktzyklen ging eine vergleichbare Konstellation häufig mit einer längeren Phase niedrigerer Kurse einher.
Geopolitik als Unsicherheitsfaktor
Neben technischen und kapitalmarktbezogenen Aspekten belastet die geopolitische Lage. Neue Spannungen im Nahen Osten, insbesondere im Zusammenhang mit dem Iran, sorgen für zusätzliche Nervosität. In solchen Phasen sinkt typischerweise die Risikobereitschaft, was spekulative Anlageklassen wie Kryptowährungen überproportional trifft.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Seit 2018 berichtet er über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
