US-Spot-Bitcoin-ETFs haben ihre Abfluss-Serie auf zehn aufeinanderfolgende Handelstage ausgeweitet – die längste ununterbrochene Abflussphase seit dem Launch der Produkte im Januar 2024. Das zeigen aktuelle Daten von Farside Investors. Kumuliert flossen zwischen dem 15. und 29. Mai rund 2,96 Milliarden Dollar aus den elf zugelassenen US-Produkten ab.
Zwischen dem 26. und 29. Mai verließen netto rund 1,42 Milliarden US-Dollar die elf zugelassenen US-Spot-Bitcoin-ETFs. Den Höhepunkt markierte der 27. Mai mit einem Tages-Abfluss von 733,4 Millionen Dollar – dem höchsten Einzeltageswert seit Ende Januar 2025. BlackRocks IBIT verzeichnete dabei allein 527,84 Millionen Dollar Netto-Abflüsse – der zweitgrößte Tageswert in der Fondsgeschichte, haarscharf unterhalb des Allzeitrekords von 528,3 Millionen Dollar vom 30. Januar 2025. Fidelitys FBTC verlor am selben Tag 60,30 Millionen Dollar, Grayscales GBTC 104,76 Millionen Dollar.
Am Folgetag (28. Mai) flossen weitere 223,3 Millionen Dollar ab, am 29. Mai nochmals 125,3 Millionen – davon 9,7 Millionen aus dem Grayscale Bitcoin Mini Trust (BTC) sowie kleinere Beträge aus ARKB und dem Morgan-Stanley-Produkt MSBT.
Dark-Pool-Transaktion in IBIT und der Iran-Schock als Auslöser
Am 26. Mai verkaufte ein unbekannter Investor IBIT-Anteile im Wert von 1,29 Milliarden Dollar in einer einzigen Dark-Pool-Transaktion – nach Einschätzung von Marktbeobachtern die größte derartige Transaktion, die je in einem Bitcoin-ETF beobachtet wurde. Zur Einordnung: Dark-Pool-Trades sind privat verhandelte Geschäfte und entsprechen nicht direkt einem Netto-Abfluss. Der tatsächliche Netto-Abfluss aus IBIT betrug an diesem Tag 192,44 Millionen Dollar.
Als unmittelbarer Auslöser für den Kurseinbruch und die beschleunigten Abflüsse am 27. Mai gelten US-Luftangriffe auf ein iranisches Militärziel nahe der Straße von Hormus, die einen eskalierenden Konflikt neu entfachten, den die Märkte bereits weitgehend eingepreist hatten. Bitcoin fiel in der Folge zwischenzeitlich unter 73.000 Dollar.
Über die gesamte Zehntage-Serie trug BlackRocks IBIT den Löwenanteil: Allein zwischen dem 15. und 29. Mai summierten sich die Netto-Abflüsse aus dem weltgrößten Bitcoin-ETF auf rund 2,09 Milliarden Dollar, errechnet aus den Farside-Rohdaten. Grayscales GBTC hat inzwischen seit seiner Umwandlung in einen Spot-ETF kumulierte Abflüsse von über 26 Milliarden Dollar verbucht. Auch der günstigere Grayscale Bitcoin Mini Trust (BTC, Gebühr: 0,15 Prozent) zeigte in der Vorwoche keine Gegenwehr: Am 26. Mai flossen 13,4 Millionen, am 27. Mai 9,9 Millionen und am 29. Mai weitere 9,7 Millionen Dollar ab.
Institutionelle Nachfrage auf Jahrestief
US-Spot-Bitcoin-ETFs haben im bisherigen Jahresverlauf 2026 netto nur rund 4.500 BTC akkumuliert – ein auffällig niedriger Wert angesichts der Tatsache, dass institutionelle Käufe über diese Produkte die Basis des Kursanstiegs 2025 bildeten. Laut Swissblock haben die ETF-Flows im Mai von Akkumulation auf Verteilung umgeschaltet, was den Risikoindex des Analysehauses in den Hochrisiko-Bereich gedrückt hat.
Historische Daten zeigen allerdings, dass anhaltende ETF-Abflüsse häufig mit lokalen Preisböden zusammengefallen sind. Der gleitende 14-Tage-Durchschnitt der ETF-Flows tendiert laut Glassnode dazu, in der Nähe signifikanter Wendepunkte seine tiefsten Werte zu erreichen – ähnliche Muster zeigten sich Anfang Februar 2025 und im November 2025, als der Bitcoin-Kurs seinen lokalen Tiefpunkt nahe 85.000 Dollar bildete.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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