Der französische Halbleiterhersteller Sequans Communications beendet seine Bitcoin-Treasury-Strategie und kündigt den schrittweisen Verkauf seiner gesamten Bestände an. Das geht aus einer Pressemitteilung vom 28. Mai 2026 hervor. Das an der NYSE notierte Unternehmen hält noch rund 658 Bitcoin – nach aktuellem Kurs etwa 48 Millionen US-Dollar – und will diese „über die Zeit“ liquidieren. Der Schritt kommt weniger als ein Jahr nach dem Einstieg.
Auslöser ist die vollständige Rückzahlung von Wandelanleihen, die Sequans im Juli 2025 begeben hatte. Genau diese Anleihen hatten die Bitcoin-Käufe finanziert. Mit der Tilgung sind die verbliebenen 658 BTC nun unbelastet – und stehen für den Verkauf bereit. CEO Georges Karam bezeichnet die Entschuldung als „wichtigen Wendepunkt“ und kündigt eine vollständige Rückkehr zum Kerngeschäft an: Chips für das Internet der Dinge, der Ausbau der 5G-eRedCap-Roadmap und neue RF-Transceiver für Anwendungen bis hin zu Drohnen und Verteidigung.
Vom „attraktiven Vermögenswert“ zum Ausstieg in zwölf Monaten
Die Kehrtwende ist bemerkenswert schnell. Im Juni 2025 hatte Sequans Bitcoin noch als langfristig attraktiven Vermögenswert eingestuft und eine eigene Digital-Asset-Strategie aufgesetzt. Seitdem hat der Bitcoin-Kurs jedoch deutlich nachgegeben – aus dem Hoch des späten Jahres 2025 ist eine Phase im Bereich um 60.000 US-Dollar geworden. Ein Unternehmen, das seine Coins erst kürzlich und überwiegend kreditfinanziert aufgebaut hat, gerät damit doppelt unter Druck: fallender Kurs und auslaufende Anleihen zugleich. Die Liquidierung der Bestände löst beide Probleme auf einen Schlag.
In den eigenen Risikohinweisen benennt Sequans diese Logik offen. Das Unternehmen verweist ausdrücklich auf den „geplanten Ausstieg aus der Bitcoin-Treasury-Strategie“ und auf die Folgen eines Wertverfalls von Bitcoin für die hinterlegten Sicherheiten. Das ist die nüchterne Variante dessen, was viele Treasury-Modelle 2026 ausbremst: Die Hebelwirkung, die in der Aufwärtsphase Renditen verspricht, wirkt in der Korrektur in die Gegenrichtung.
Europas Treasury-Welle verliert an Schwung – die USA ziehen davon
Mit dem Rückzug von Sequans schrumpft die ohnehin kleine Gruppe börsennotierter Bitcoin-Halter in Europa weiter. Während in den USA mehr als hundert gelistete Unternehmen eine Bitcoin-Strategie verfolgen, ist die Zahl auf dem europäischen Kontinent nur ein Bruchteil davon – und sie sinkt nun um einen weiteren Namen. Der Kontrast ist das eigentlich Aufschlussreiche an diesem Fall: Während in den USA Schwergewichte wie Strategy ihre Bestände im Mai 2026 mit Milliardenbeträgen weiter ausbauten, dünnt sich die europäische Liga aus.
Sequans steht damit weniger für ein Einzelschicksal als für ein Auseinanderlaufen der Märkte. In den USA wird das Treasury-Modell durch große, kapitalmarkterfahrene Akteure getragen, die Verluste durch frische Emissionen überbrücken können. In Europa fehlt diese Tiefe – und ein mittelgroßer Chiphersteller, dessen Kerngeschäft Halbleiter und nicht Bilanzspekulation ist, zieht in der Korrektur den naheliegenden Schluss. Für Anlegerinnen und Anleger, die börsennotierte Bitcoin-Stellvertreter im Blick haben, ist die Botschaft klar: Treasury-Strategien sind kein Selbstläufer, sondern stehen und fallen mit Finanzierung, Einstiegszeitpunkt und Kursverlauf.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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