Der Bitcoin-Kurs pendelt am Samstagabend um die hart umkämpfte Marke von 60.000 US-Dollar. Aktuell notiert die größte Kryptowährung bei rund 60.682 US-Dollar, nachdem sie am Freitag erstmals seit Oktober 2024 unter die psychologisch wichtige 60.000er-Schwelle gerutscht war. Zwischenzeitlich hatte sich BTC im asiatischen Handel auf rund 61.000 US-Dollar erholt, gibt diese Gewinne nun aber teilweise wieder ab. Der kurzzeitige Absturz hatte Liquidationen im Volumen von etwa 1,6 Milliarden US-Dollar ausgelöst.
Trotz der zwischenzeitlichen Stabilisierung bleibt die Wochenbilanz düster. Bitcoin steuert auf die schlechteste Woche seit dem Kollaps der Krypto-Börse FTX im November 2022 zu, als der Kurs im Wochenverlauf um mehr als 22 Prozent eingebrochen war. Das am Freitag markierte Tief unterschritt sogar das Februartief dieses Jahres, als BTC an der Börse Coinbase auf 60.001 US-Dollar gefallen war. Bemerkenswert: Ein Bitcoin kostet damit weniger als zum Höchststand des Jahres 2021, als der Kurs bis auf rund 69.000 US-Dollar geklettert war.
Auch der breitere Markt steht deutlich unter Druck. Ethereum verlor im Zuge des Abverkaufs über 6 Prozent, Solana gab um rund 6 Prozent nach, BNB und XRP jeweils rund 3 Prozent. Die Stablecoins USDT und USDC hielten erwartungsgemäß ihre Bindung an den US-Dollar. Die Gesamtmarktkapitalisierung aller Kryptowährungen lag zuletzt bei rund 2,18 Billionen US-Dollar.
Warum der Abverkauf sich verschärfte
Mehrere Faktoren trafen in dieser Woche zusammen. Nachdem das Unternehmen Strategy zu Wochenbeginn den Verkauf von Bitcoin-Beständen bekanntgegeben hatte – erstmals ein rückläufiger Bestand beim größten Unternehmens-Halter –, beschleunigte sich der bereits Anfang Mai eingesetzte Abwärtstrend. Seit Wochenauftakt lag Bitcoin zeitweise mehr als 18 Prozent im Minus.
Den entscheidenden Auslöser für den Rutsch unter 60.000 US-Dollar lieferten am Freitag überraschend robuste US-Arbeitsmarktdaten: Im Mai entstanden rund 172.000 neue Stellen, etwa doppelt so viele wie erwartet. Ein starker Arbeitsmarkt bei gleichzeitig erhöhter Inflation verringert den Spielraum der US-Notenbank für Zinssenkungen. Die Märkte preisten daraufhin längere Phasen erhöhter Zinsen ein, was die Anleiherenditen und den Dollar steigen ließ. Da Bitcoin sensibel auf geldpolitische Erwartungen reagiert, verstärkte das den Druck. Parallel gerieten die Aktienmärkte – insbesondere KI-nahe Titel – unter Druck. Auch der anhaltende KI-Boom und große anstehende Börsengänge binden Kapital, das anderen Sektoren entzogen wird.
Boden in greifbarer Nähe?
Trotz des schwachen Gesamtbilds gibt es technische Anhaltspunkte für eine mögliche Stabilisierung. Bitcoin notiert nahe dem 200-Wochen-Durchschnitt, der in der Vergangenheit häufig recht zuverlässig mit dem Boden von Bärenmärkten zusammenfiel. Auch das sogenannte Power-Law-Modell verortet eine Unterstützungslinie im Bereich von rund 58.500 US-Dollar. Dass sich der Kurs am Samstag oberhalb von 60.000 US-Dollar halten konnte, deutet darauf hin, dass Käufer in dieser Zone zunächst Interesse zeigen – ob die Marke hält, lässt sich allerdings nicht mit Sicherheit vorhersagen.
Historisch ist Bitcoin in jedem Bärenmarkt vom Hoch bis zum Tief um mehr als 75 Prozent gefallen, wobei der jeweilige Rückgang von Zyklus zu Zyklus geringer ausfiel. Gemessen am Allzeithoch von rund 126.300 US-Dollar aus dem Oktober 2025 beträgt der aktuelle Rückgang erst gut 50 Prozent. Für langfristig orientierte Anleger relativiert das die jüngste Schwäche – kurzfristig bleibt die Lage angesichts von ETF-Abflüssen und geldpolitischer Unsicherheit jedoch fragil.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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