Nach Zcash-Crash: Sicherheitsforscher prüft jetzt Monero mit KI

Raphael Lulay

06.06.2026, 18:16 Uhr

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Der Sicherheitsforscher Taylor Hornby sorgt in der Krypto-Szene erneut für Aufsehen. Nachdem er mit Hilfe des KI-Modells Opus 4.8 von Anthropic eine schwerwiegende Schwachstelle im Zcash-Protokoll aufgedeckt hatte, kündigt er nun an, sich als Nächstes Monero und weitere datenschutzorientierte Kryptowährungen vorzunehmen. Auf eine entsprechende Nachfrage auf X reagierte Hornby unmissverständlich: Monero komme auf seine Prüfliste.

Damit rückt ausgerechnet die größte Privacy-Coin nach Marktkapitalisierung ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Monero (XMR) verschleiert Transaktionsdetails standardmäßig und unterscheidet sich damit grundlegend von Zcash, bei dem Nutzer zwischen transparenten und geschützten Adressen wählen können. Anleger fragen sich nun, ob auch im scheinbar robusten Monero-Code ein bislang unentdeckter Fehler schlummert.

Der Zcash-Crash als Auslöser

Der Kurs von Zcash brach binnen 24 Stunden um rund 38 Prozent ein, nachdem der gemeinnützige Entwickler Shielded Labs die Lücke öffentlich gemacht hatte. Dahinter steckte die Sorge, dass in der Vergangenheit bereits unbemerkt Mittel aus dem geschützten Pool abgeflossen sein könnten – ohne jede nachweisbare Spur. Technischer Kern des Problems: ein Fehler im sogenannten Orchard-Privacy-Pool, der seit 2022 unentdeckt geblieben war und theoretisch die Erzeugung unbegrenzter, gefälschter ZEC ermöglicht hätte. Bis Anfang Juni spielte das Team einen Notfall-Patch ein; Zcash selbst spricht inzwischen davon, die Schwachstelle sei behoben.

Bemerkenswert ist Hornbys Umgang mit dem Fund. Er wurde im April von Shielded Labs angeheuert, um genau solche Protokollfehler vor potenziellen Angreifern aufzuspüren – und entschied sich für eine verantwortungsvolle Offenlegung statt für eine Ausnutzung. Die Zcash-Entwickler seien für ihn „wie Familie“, ein Verrat sei nicht infrage gekommen. Für weitere Untersuchungen will er einen Zuschuss aus der Zcash-Coinholder-Kasse beantragen.

Experten warnen vor einer ganzen Bug-Welle

Über Zcash hinaus zeigt der Fall, wie stark leistungsfähige KI-Modelle die Sicherheitslandschaft verschieben. Mehrere Branchenstimmen halten den Vorfall für einen Vorboten. Ben Goertzel, CEO von SingularityNET, geht davon aus, dass andere Kryptowährungen zwar nicht von diesem konkreten Logikfehler betroffen sind, aber sehr wohl ähnliche Schwachstellen besitzen dürften – auffindbar durch KI-Werkzeuge in den kommenden Wochen und Monaten. Brisant: Er rechnet ausdrücklich auch im Banken- und IT-System klassischer Finanzinstitute mit vergleichbaren, bislang verborgenen Fehlern.

Nicht alle sehen darin nur eine Gefahr. Haseeb Qureshi von der Krypto-VC-Firma Dragonfly, einem frühen Zcash-Investor, wertet das KI-gestützte Aufspüren von Bugs als Fortschritt – die Lösung für die gesamte Kategorie heiße „formale Verifizierung“, also der mathematische Beweis, dass Code keine Implementierungsfehler enthalten kann. Für XMR-Anleger bedeutet die Ankündigung zunächst keine konkrete Gefahr: Hornby hat noch nichts gefunden, sondern lediglich angekündigt, hinzuschauen. Klar ist aber, dass Privacy-Coins in eine neue Ära der KI-gestützten Code-Prüfung eintreten – mit ungewissem Ausgang für die jeweiligen Kurse.