Wie hoch steht der Bitcoin-Kurs am Ende des Jahrzehnts? Auf diese Frage liefert die neue Marktstudie „Digital Assets in Deutschland 2026“ eine belastbare Antwort – und sie fällt bemerkenswert optimistisch aus, obwohl die Erhebung mitten in einer Korrekturphase stattfand. Zum bereits vierten Mal in Folge haben das Fachmedium BTC-ECHO und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gemeinsam mehr als 1.400 deutsche Krypto-Investoren befragt, im Zeitraum vom 15. November 2025 bis zum 13. Januar 2026. Das Ergebnis: Trotz eines Marktumfelds, das im Befragungszeitraum von ETF-Abflüssen und einer deutlichen Korrektur nach dem Allzeithoch geprägt war, bleibt die große Mehrheit langfristig zuversichtlich – nur eben ohne die grelle Euphorie vergangener Jahre.
Mehrheit sieht Bitcoin über 250.000 Euro – Spitzenprognosen brechen ein
Das zentrale Resultat: Rund 93 Prozent der befragten Anleger erwarten, dass Bitcoin bis 2030 die Marke von 250.000 Euro überschreitet. Mit Abstand am häufigsten genannt wird exakt dieses Kursziel von 250.000 Euro, das mit 55,8 Prozent die absolute Mehrheit aller Prognosen auf sich vereint – ein Anstieg um 11,7 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Weitere 26,2 Prozent taxieren den Bitcoin-Kurs im Jahr 2030 auf 500.000 Euro.
Deutlich verschoben hat sich das Bild am oberen Rand des Spektrums. Nur noch 11,2 Prozent rechnen mit einem Kurs von über 500.000 Euro – nach 23,1 Prozent im Vorjahr, ein Rückgang um 11,9 Prozentpunkte. Die absoluten Spitzenprognosen verlieren also spürbar an Zuspruch, während sich das Feld in einem hohen, aber realistischeren Korridor verdichtet. Genau diese Verschiebung ist die eigentliche Botschaft der Zahlen: Die Erwartungen bleiben bullish, aber sie werden nüchterner.
Kaum noch Angst vor dem Totalabsturz
Auf der pessimistischen Seite spielen Crash-Szenarien praktisch keine Rolle mehr. Lediglich 5 Prozent der Befragten verorten den Bitcoin-Kurs 2030 bei 100.000 Euro, und nur 1,8 Prozent erwarten eine langfristige Notierung von 50.000 Euro oder darunter. Die Sorge vor einem dauerhaften Preisverfall ist unter aktiven deutschen Anlegern damit statistisch nahezu verschwunden.

Bemerkenswert ist, dass dieser Optimismus in einem denkbar ungünstigen Stimmungsfenster erhoben wurde. Die drei Monate vor Studienstart brachten laut Erhebung einen Kursrückgang von rund 12 Prozent, im Jahresvergleich verlor Bitcoin sogar etwa ein Drittel seines Wertes. Dass die Zuversicht trotzdem so stabil bleibt, werten die Studienautoren als Zeichen für einen reiferen Markt.
Vom schnellen Trade zum langfristigen Vermögensbaustein
Die Prognosezahlen fügen sich in einen größeren Trend, den die Studie über mehrere Kapitel hinweg belegt: Krypto wird in Deutschland zunehmend als langfristiges Anlageinstrument verstanden. So verfolgen inzwischen 87 Prozent der Teilnehmenden aktiv den Vermögensaufbau als Investmentziel, während die kurzfristige Renditeerzielung mit 55 Prozent an relativer Bedeutung verliert. Passend dazu ist der durchschnittliche, gewichtete Anteil digitaler Assets am Gesamtvermögen der Befragten von 29 auf 34 Prozent gestiegen.
Auch das Handelsverhalten spiegelt diese Reifung. Das monatliche Neueinzahlungsvolumen liegt im Median bei 375 Euro, wobei 23 Prozent der Befragten monatlich mehr als 1.000 Euro auf Kryptobörsen einzahlen. Erfahrene Anleger mit einer Investmenthistorie von über fünf Jahren handeln dabei seltener, aber mit höheren Volumina – ein klassisches Muster für einen Markt, der sich vom spekulativen Trading wegbewegt. Im Portfolio bleibt Bitcoin die unangefochtene Nummer eins: 91 Prozent der Investierenden halten BTC, womit die Dominanz gegenüber dem Vorjahr weiter zunimmt.
Eigene Meinung
Für Privatanleger ist weniger die konkrete Zielmarke interessant als die Haltung dahinter. Dass die Mehrheit von 250.000 statt einer halben Million Euro ausgeht, ist kein Pessimismus, sondern Nüchternheit – und die ist in einem Markt, der lange von Übertreibungen lebte, eher ein gutes Zeichen. Bemerkenswert bleibt vor allem, dass diese Zuversicht in einem Bärenmarkt erhoben wurde: Wenn selbst bei Minus 12 Prozent im Quartal noch 93 Prozent mit einer Verfünf- bis Verzehnfachung rechnen, deutet das auf ein gefestigtes Grundvertrauen hin.
Gleichzeitig gehört zur Einordnung dazu, dass eine Umfrage unter aktiven Krypto-Investoren eine selbstselektierte, tendenziell optimistische Gruppe abbildet – und keine belastbare Kursprognose liefert. Auch die Studienautoren betonen den explorativen Charakter der Erhebung, die nicht zwingend repräsentativ für alle Anleger in Deutschland ist. Wer solche Zahlen liest, sollte sie als Stimmungsbild verstehen, nicht als Fahrplan. Die Kernbotschaft für langfristig orientierte Anleger bleibt unabhängig von jeder Zielmarke dieselbe: langfristig denken, Schwankungen aushalten, nur investieren, was über Jahre nicht benötigt wird. Ob am Ende 250.000 oder 500.000 Euro herauskommen, entscheidet der Markt – und die Möglichkeit deutlicher Verluste bleibt für jeden Einzelnen real.
Hier geht es zum Beitrag: Wie viel in Bitcoin investieren?

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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