Galaxy Research hält den Bitcoin-Bärenmarkt für beendet und eine Rückkehr zu 125.000 Dollar für möglich. Aktuelle Onchain- und ETF-Daten zeigen jedoch: Die Erholung hat eine Grundlage, der nächste Aufwärtsschub ist noch nicht bestätigt.
Bitcoin könnte seinen Tiefpunkt bereits hinter sich haben. Diese These vertritt Alex Thorn, Research-Chef von Galaxy, in einer Analyse zur Bitcoin-Prognose. Ein festes Datum für die Rückkehr zu 125.000 Dollar nennt er nicht.
Wie tragfähig ist die Einschätzung? Der Abgleich mit Glassnode, CryptoQuant und den ETF-Flüssen ergibt ein differenzierteres Bild: Kapital kommt weiter im Netzwerk an, doch kurzfristige Marktteilnehmer gewinnen an Gewicht. Gleichzeitig fehlt eine durchgehend starke Nachfrage am Spotmarkt.
Warum Galaxy den Bitcoin-Bärenmarkt für beendet hält
Galaxy verweist auf die Rückeroberung des 50-Wochen-Durchschnitts nach 44 Wochen darunter. Bis zur Woche zum 18. Oktober habe Bitcoin fünf Wochenschlüsse darüber verzeichnet.
Die historische Begründung: In vier früheren Fällen, in denen Bitcoin nach mindestens 20 Wochen unter dieser Linie zurückkehrte, wurde das vorherige Allzeithoch innerhalb von 33 bis 83 Wochen wieder erreicht.
Vier Beobachtungen sind allerdings eine kleine Stichprobe. Daraus lässt sich weder eine belastbare Trefferquote für die nächste Rally noch ein Zeitplan für neue Rekorde ableiten. Die Auswahl historisch ähnlicher Kursverläufe kann eine These stützen; sie ersetzt keine Prüfung der aktuellen Käufer.
Bitcoin-Onchain-Daten: Neues Kapital, aber mehr kurzfristige Positionierung
Der Glassnode-Marktbericht vom 26. Oktober zeigt weiterhin eine positive monatliche Veränderung der realisierten Kapitalisierung von 1,2 Prozent. Gegenüber der Vorwoche verlangsamte sich diese Wachstumsrate jedoch.
Bei der realisierten Kapitalisierung werden Coins zum Kurs ihrer letzten Onchain-Bewegung bewertet. Die Kennzahl hilft damit, Veränderungen der Kostenbasis im Netzwerk zu beobachten. Sie ist keine direkte Messung von Banküberweisungen an Kryptobörsen.
Gleichzeitig stieg Glassnodes „Hot Capital Share“ auf 21,1 Prozent. Auch das Verhältnis der von kurzfristigen gegenüber langfristigen Haltern gehaltenen Bestände legte zu, auf 14,8 Prozent.
Für die Bitcoin-Prognose ist diese Kombination entscheidend: Steigende realisierte Kapitalisierung kann einen Erholungsprozess begleiten. Wenn gleichzeitig kurzfristig positioniertes Kapital an Bedeutung gewinnt, ist der Markt aber nicht automatisch von besonders geduldigen Käufern getragen.
Dazu passt ein weiteres Signal: Glassnode meldet gestiegene offene Futures-Positionen auf 37,5 Milliarden Dollar und erhöhte Finanzierungskosten für Long-Positionen. Ein Rücksetzer kann deshalb auch gehebelte Käufer treffen, die ihre Positionen nicht unbegrenzt halten können.
CryptoQuant: Neue Großanleger haben einen kleineren Puffer
Eine ergänzende Onchain-Auswertung von Amr Taha auf CryptoQuant beziffert die realisierte Kostenbasis neuer Bitcoin-Großanleger auf 77.120 Dollar. Beim dort verwendeten Referenzkurs von 82.000 Dollar lag ihr rechnerischer Puffer damit lediglich bei rund 6,3 Prozent.
Die Auswertung nennt außerdem einen Anstieg der realisierten Kapitalisierung um 12,93 Milliarden Dollar innerhalb von 30 Tagen zum 22. Oktober. Das war weiterhin positiv, aber deutlich weniger als die Vergleichswerte von 40 Milliarden Dollar im Oktober 2025 und 64 Milliarden Dollar im Juli 2025.
Das spricht für eine Erholung mit geringerem Kapitalumschlag als in den genannten Hochphasen. Daraus folgt jedoch nicht zwangsläufig, dass der Kurs unmittelbar steigen muss. Gerade bei neuen Großanlegern liegt der Abstand zwischen Buchgewinn und Buchverlust vergleichsweise eng.
Solche Kostenbasen sind Modellwerte aus Onchain-Daten. Sie zeigen keine exakten Kaufabrechnungen jedes einzelnen Investors und sind keine garantierten Unterstützungen.
Bitcoin-ETFs: Positive Wochenbilanz verdeckt abrupte Abflüsse
Auch die institutionelle Nachfrage verdient einen genaueren Blick. Nach den ETF-Daten von Farside Investors summierten sich die Nettozuflüsse vom 19. bis 23. Oktober auf rund 301,2 Millionen Dollar. Die eigene Addition der fünf Tageswerte ergibt jedoch einen auffälligen Verlauf:
| Handelstag | Nettofluss |
|---|---|
| 19. Oktober 2026 | +526,7 Mio. US-Dollar |
| 20. Oktober 2026 | +23,2 Mio. US-Dollar |
| 21. Oktober 2026 | +524,8 Mio. US-Dollar |
| 22. Oktober 2026 | −635,6 Mio. US-Dollar |
| 23. Oktober 2026 | −137,9 Mio. US-Dollar |
| Wochensumme | +301,2 Mio. US-Dollar |
Quelle: Farside Investors. Wochensumme: eigene Berechnung aus den ausgewiesenen Tageswerten. Positive Werte zeigen Nettozuflüsse, negative Werte Nettoabflüsse.
Die letzten beiden Handelstage brachten zusammen 773,5 Millionen Dollar Abflüsse. Die positive Wochenbilanz allein würde diese Abschwächung verdecken.
Für einen nachhaltigen Ausbruch wäre deshalb eine über mehrere Handelstage anhaltende Nachfrage aussagekräftiger als ein einzelner großer Zuflusstag. Für den 26. Oktober waren beim Abruf noch keine vollständigen Tageswerte verfügbar.
Vor 125.000 Dollar wartet eine konkrete Angebotszone
Eine Glassnode-Analyse vom 21. Oktober verortet mehrere Hürden zwischen etwa 85.000 und 87.500 Dollar. Dort trafen die Kostenbasis von sechs bis zwölf Monate alten Coins, Verkaufsorders und modellierte Liquidationscluster aufeinander.
Die Kostenbasis dieser Haltergruppe lag bei ungefähr 86.700 Dollar. Eine Rückkehr dorthin könnte Anlegern, die bisher im Minus lagen, einen Ausstieg nahe ihrem Einstand ermöglichen. Das erklärt, weshalb eine solche Zone Verkaufsdruck auslösen kann.
Glassnode nannte einen Tagesschluss über 87.500 Dollar zusammen mit wiederkehrenden ETF-Zuflüssen und steigendem Volumen als Bestätigung dafür, dass Käufer dieses Angebot aufnehmen. Diese Bedingungen sind eine wesentlich nähere Bewährungsprobe als das ferne Kursniveau von 125.000 Dollar.
Wann Galaxys positive BTC-Prognose wackelt
Galaxy selbst nennt eine Gegenbedingung: Ein Wochenschluss unter dem zum Analysezeitpunkt bei rund 76.540 Dollar liegenden 50-Wochen-Durchschnitt, gefolgt von einer erfolglosen Rückeroberung innerhalb eines Monats, würde die positive These schwächen.
Damit stehen zwei Fragen im Mittelpunkt: Können Käufer das Angebot oberhalb des Marktes aufnehmen? Und bleibt die Erholung stabil, wenn kurzfristige oder gehebelte Positionen unter Druck geraten? Die Onchain-Daten liefern Anhaltspunkte für einen laufenden Erholungsprozess. Ob daraus eine neue Bitcoin-Rally wird, muss sich an Nachfrage und Kursbestätigung zeigen.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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