Bitcoin-Rekord: 84 % des Angebots in Händen von Langzeitanlegern – weshalb die Kryptoszene wieder bullisher wird (Infografik)

Raphael Lulay

23.07.2026, 14:03 Uhr

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Der Bitcoin-Markt sendet derzeit ein bemerkenswertes Signal. Wie ein neuer Infografik-Marktreport von boersen-parkett.de zeigt, befinden sich aktuell rund 84 % des gesamten Bitcoin-Angebots in den Händen von Langzeitinvestoren. Gemeint sind Coins, die seit mindestens 155 Tagen nicht mehr bewegt wurden – ein neuer historischer Höchstwert.

Dieser Wert gilt als einer der wichtigsten On-Chain-Indikatoren überhaupt. Je mehr Bitcoin langfristig gehalten werden, desto geringer fällt das kurzfristig verfügbare Angebot an den Börsen aus. Gleichzeitig zeigt die Kennzahl, dass ein Großteil der Anleger trotz zwischenzeitlicher Kursrückgänge nicht verkauft hat.

Infografik von boersen-parkett.de zeigt, dass 84 Prozent des Bitcoin-Angebots seit mindestens 155 Tagen nicht bewegt wurden und nur 16 Prozent innerhalb dieses Zeitraums transferiert wurden.
Derzeit befinden sich rund 84 Prozent des Bitcoin-Angebots in der Long-Term-Holder-Kategorie. Als langfristig gelten Coins, die seit mindestens 155 Tagen nicht bewegt wurden. Quelle: Checkonchain. Grafik: boersen-parkett.de.

Angst nimmt ab – Optimismus kehrt langsam zurück

Auch die Stimmung unter Anlegern hellt sich wieder auf. Ein wichtiger Gradmesser ist der Crypto Fear & Greed Index, der Marktstimmung anhand verschiedener Faktoren wie Volatilität, Handelsvolumen, Social-Media-Aktivität, Dominanz von Bitcoin und Suchtrends misst.

Nachdem der Index im vergangenen Monat noch bei 23 Punkten lag und damit deutliche Angst signalisierte, notiert er inzwischen bei 31 Punkten. Zwar befindet sich der Markt damit weiterhin im Bereich „Fear“, doch die Richtung hat sich klar verbessert. Erfahrungsgemäß dreht die Stimmung häufig bereits, bevor sich dies vollständig im Kurs widerspiegelt.

Infografik zum Krypto Fear & Greed Index mit einem aktuellen Wert von 31 sowie den Vergleichswerten 25 in der Vorwoche und 23 im Vormonat.
Die Marktstimmung verbessert sich leicht. Der Krypto Fear & Greed Index steigt von 23 vor einem Monat und 25 in der Vorwoche auf aktuell 31 Punkte. Quelle: alternative.me. Grafik: boersen-parkett.de.

Auch auf Plattformen wie X ist ein Stimmungswechsel zu beobachten. Zahlreiche reichweitenstarke Trader berichten inzwischen davon, Short-Positionen geschlossen, Gewinne mitgenommen und ihre Positionierung wieder auf die Long-Seite verlagert zu haben. Das Sentiment verbessert sich damit nicht nur anhand quantitativer Daten, sondern zunehmend auch qualitativ.

Hinzu kommt ein psychologischer Faktor: Viele Marktteilnehmer orientieren sich weiterhin am klassischen Vierjahreszyklus von Bitcoin. Historisch folgten auf die Halving-Jahre häufig die stärksten Phasen eines Bullenmarktes. Ob sich dieses Muster erneut wiederholt, bleibt offen – dennoch beeinflusst diese Erwartung das Verhalten vieler Investoren spürbar.

Spot-ETFs ziehen wieder Kapital an

Auch institutionelle Investoren senden wieder positive Signale. Die US-Bitcoin-Spot-ETFs verzeichneten zwischen dem 6. und 22. Juli Nettozuflüsse von insgesamt 772 Millionen US-Dollar. Lediglich an drei Handelstagen kam es in diesem Zeitraum zu Nettoabflüssen.

Infografik zeigt die täglichen Netto-Zu- und Abflüsse der US-Bitcoin-Spot-ETFs zwischen dem 6. und 22. Juli 2026 mit einer deutlichen Rückkehr positiver Kapitalzuflüsse.
Nach zwischenzeitlichen Abflüssen dominieren zuletzt wieder positive Nettozuflüsse in die US-Bitcoin-Spot-ETFs. Im dargestellten Zeitraum ergibt sich ein Gesamtsaldo von rund 772 Millionen US-Dollar. Quelle: Farside Investors. Grafik: boersen-parkett.de.

Anhaltende ETF-Zuflüsse gelten als wichtiger Nachfragefaktor, da die Fonds für ihre Käufe reale Bitcoin erwerben müssen. Steigt gleichzeitig der Anteil langfristig gehaltener Coins auf Rekordniveau, reduziert sich das frei verfügbare Angebot zusätzlich – ein Zusammenspiel, das viele Analysten als konstruktiv für die weitere Kursentwicklung bewerten.

Binance-Daten zeigen bullische Positionierung

Auch die Positionierung auf der weltweit größten Kryptobörse spricht derzeit eher für steigende Kurse.

Das Bitcoin Long-/Short-Verhältnis auf Binance liegt bei 1,24 unter Privatanlegern. Bei den größten Konten – häufig als Indikator für professionellere Marktteilnehmer oder Wale betrachtet – steigt der Wert sogar auf 1,38. Werte oberhalb von 1 bedeuten, dass Long-Positionen aktuell die Short-Positionen überwiegen.

Infografik zeigt die Binance Long-/Short-Ratio für Privatanleger, Whale-Konten und Whale-Positionen. Alle drei Gruppen weisen einen Wert über 1 und damit eine bullische Positionierung auf.
Sowohl Privatanleger als auch große Marktteilnehmer setzen auf steigende Bitcoin-Kurse. Alle Long-/Short-Ratios liegen über der neutralen Marke von 1. Quelle: CoinGlass. Grafik: boersen-parkett.de.

Zwar sind solche Daten allein kein zuverlässiger Prognoseindikator, sie unterstreichen jedoch den Eindruck einer deutlich optimistischeren Marktstimmung als noch vor wenigen Wochen.

Krypto-Treasury-Aktien erleben eine schmerzhafte Bereinigung

Während sich Bitcoin stabilisiert, zeigt sich bei zahlreichen Krypto-Treasury-Unternehmen ein völlig anderes Bild. Viele der in den vergangenen Monaten stark gehypten Aktien notieren inzwischen mehr als 80 % unter ihren jeweiligen 52-Wochen-Hochs, einzelne Titel haben sogar rund 99 % ihres Börsenwertes eingebüßt.

Der Grund liegt vor allem im Geschäftsmodell. Viele Gesellschaften finanzierten ihre Bitcoin-Käufe über Kapitalerhöhungen oder Fremdkapital und setzten damit auf dauerhaft steigende Kurse. Mit der Korrektur gerieten zahlreiche Bewertungen jedoch massiv unter Druck.

Infografik zeigt die Kursverluste ausgewählter Krypto-Treasury-Unternehmen seit ihren jeweiligen 52-Wochen-Hochs mit Rückgängen von bis zu 99 Prozent.
Viele Krypto-Treasury-Aktien notieren deutlich unter ihren 52-Wochen-Hochs. Die Spannweite reicht von minus 48 bis minus 99 Prozent. Quelle: Furkan Yildirim; CoinCheck TV. Grafik: boersen-parkett.de.

Paradoxerweise sehen viele Marktbeobachter diese Entwicklung inzwischen nicht ausschließlich negativ. Die starke Bereinigung könnte vielmehr zu einer gesünderen Marktstruktur beitragen. Unternehmen mit fragilen Finanzierungsmodellen verschwinden zunehmend aus dem Fokus, während sich langfristig jene Akteure durchsetzen dürften, die über belastbare Bilanzen, nachhaltige Geschäftsmodelle und ausreichend Liquidität verfügen.

Gerade nach spekulativen Übertreibungen gelten solche Bereinigungsphasen häufig als notwendiger Bestandteil eines reifenden Marktes. Für Bitcoin selbst muss eine Schwäche einzelner Treasury-Unternehmen daher keineswegs automatisch ein negatives Signal sein.

Fazit

Der Bitcoin-Markt liefert derzeit mehrere Signale, die zusammengenommen für eine spürbare Stimmungsverbesserung sprechen. Ein Rekordanteil langfristig gehaltener Coins, wieder steigende ETF-Zuflüsse, eine zunehmend bullische Positionierung auf Binance und ein sich aufhellendes Sentiment deuten darauf hin, dass das Vertrauen vieler Anleger zurückkehrt.

Gleichzeitig sorgt die harte Bereinigung im Bereich der Krypto-Treasury-Unternehmen dafür, dass übermäßige Spekulation aus dem Markt genommen wird. Ob daraus tatsächlich die nächste große Aufwärtsphase entsteht, bleibt abzuwarten. Die aktuellen Daten sprechen jedoch dafür, dass sich das Fundament des Marktes zuletzt deutlich verbessert hat.

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