BitMEX News: Krypto-Börse schließt am 23. September 2026

Alex Merten

23.07.2026, 15:42 Uhr

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Die Krypto-Börse BitMEX stellt ihren Betrieb ein. Die Muttergesellschaft HDR Global Trading Limited teilte am Donnerstag mit, dass die Plattform am 23. September 2026 um 04:00 UTC endgültig geschlossen wird. Neue Kontoregistrierungen wurden mit sofortiger Wirkung gestoppt. Als Begründung nennt das Unternehmen eine strategische Überprüfung des Geschäfts und des Krypto-Marktes insgesamt. Konkrete operative oder finanzielle Gründe wurden nicht genannt, ebenso wenig Zahlen oder ein namentliches Zitat aus der Führungsebene.

Für Nutzer ist vor allem der Zeitplan relevant, denn die Abwicklung erfolgt in drei Stufen. Seit dem Ankündigungstag sind keine Neuanmeldungen mehr möglich. Ab dem 26. August greifen verschärfte Risikolimits: Positionen können dann nur noch reduziert oder geschlossen, aber nicht mehr neu eröffnet werden. Am 23. September endet der Handel vollständig, verbliebene offene Positionen werden zwangsweise geschlossen. Danach bleibt der Zugang zum Konto erhalten, allerdings nur noch zur Einsicht der Historie und zur Auszahlung von Guthaben.

Besonders beachten sollten Anleger die Kostenseite. Wer nach dem Stichtag Guthaben auf der Plattform belässt, zahlt laut BitMEX eine monatliche Verwahrgebühr von 50 US-Dollar oder einem Prozent des Bestands. Bei kleineren Guthaben bedeutet das eine überproportional hohe Belastung, die einen Restbetrag innerhalb weniger Monate aufzehren kann. Gestaktes BMEX-Token wurde bereits entstakt und den Konten gutgeschrieben. Gleichzeitig warnt die Börse vor Betrugsversuchen, die im Umfeld solcher Ankündigungen typischerweise auftreten, etwa gefälschte Support-Kontakte oder angebliche Auszahlungsportale.

Warum schließt BitMEX?

Die offizielle Begründung bleibt vage, das Marktumfeld liefert jedoch die naheliegende Erklärung. BitMEX war 2016 der Erfinder des Perpetual Swap mit bis zu 100-fachem Hebel, jenes Produkts, das den Krypto-Derivatehandel bis heute prägt und mittlerweile den größten Teil des Handelsvolumens im Sektor ausmacht. Genau dieser Vorsprung ist über die Jahre verloren gegangen. Liquidität, Market Maker und größere Adressen sind zu Wettbewerbern mit tieferen Orderbüchern, breiterem Listing-Angebot und weniger juristischer Vorgeschichte abgewandert, zuletzt zusätzlich zu dezentralen Derivateplattformen.

Hinzu kommt die regulatorische Historie. Das US-Justizministerium und die CFTC hatten das Unternehmen und seine Gründer Arthur Hayes, Benjamin Delo und Samuel Reed im Oktober 2020 wegen unzureichender Geldwäscheprävention angeklagt. Die Kunden-Identifizierung war den Behörden zufolge nicht ausreichend gewesen. Das Unternehmen bekannte sich schuldig und zahlte im Januar 2025 eine Strafe von 100 Millionen US-Dollar. Die drei Gründer wurden später von US-Präsident Donald Trump begnadigt.

Bemerkenswert ist, dass die Schließung nicht in der Phase des größten regulatorischen Drucks erfolgt, sondern danach. Der juristische Altlastenfall ist abgeschlossen, die Begnadigung ausgesprochen, das US-Verfahren beendet. Geschlossen wird trotzdem. Das deutet darauf hin, dass nicht die Regulierung das Geschäftsmodell beendet hat, sondern die Marktposition. Der Markt für unregulierte Offshore-Derivate verschiebt sich zunehmend in Richtung lizenzierter Anbieter, während gleichzeitig das Handelsvolumen insgesamt sinkt. BitMEX war zuletzt auf den Seychellen ansässig und verfügte über keine CASP-Lizenz nach der europäischen MiCA-Verordnung.

Was bedeutet die Schließung für Anleger?

Für deutsche Nutzer ergibt sich eine klare Handlungsreihenfolge. Offene Positionen sollten vor dem 26. August geschlossen werden, da danach nur noch Reduzierungen möglich sind und die Zwangsschließung am Stichtag zu ungünstigen Kursen erfolgen kann. Guthaben sollte vor dem 23. September abgezogen werden, um die Verwahrgebühr zu vermeiden. Wer die Plattform für den Derivatehandel genutzt hat, benötigt zudem einen Ersatz.

Steuerlich ist zu beachten, dass Schließungen von Positionen realisierte Gewinne oder Verluste erzeugen. Diese sind in Deutschland relevant, wobei Derivategeschäfte anders behandelt werden als der Spothandel mit Kryptowährungen. Wer über Jahre auf BitMEX gehandelt hat, sollte die Transaktionshistorie exportieren, solange der Zugang besteht.

BitMEX Alternative: Wohin wechseln?

Für den Derivatehandel bleiben Anbieter wie OKX und Bybit die naheliegenden Anlaufstellen, beide mit deutlich größerem Volumen und breiterem Produktangebot. Wer stattdessen den Wechsel nutzen möchte, um in ein regulatorisch klarer aufgestelltes Umfeld zu gehen, findet unter den MiCA-lizenzierten CASP-Anbietern in der EU eine wachsende Auswahl, wobei das Angebot an Hebelprodukten dort in der Regel eingeschränkter ist. Das ist genau der Zielkonflikt, vor dem die betroffenen Trader in den kommenden acht Wochen stehen.

Marktumfeld

Die Schließung fällt in eine Phase deutlich rückläufiger Kurse. Bitcoin notiert bei knapp 66.000 US-Dollar und damit rund die Hälfte unter dem Rekordhoch vom vergangenen Oktober. Das tägliche Handelsvolumen im Gesamtmarkt ist laut CoinMarketCap um fast drei Viertel auf etwa 22 Milliarden US-Dollar geschrumpft. BitMEX selbst betonte in der Mitteilung, in elf Betriebsjahren nie Kundengelder durch einen Hack verloren zu haben, und versicherte, dass die Bestände während der Übergangsphase vollständig unter Kontrolle der Nutzer bleiben.

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