Strategy hat in der Woche vom 13. bis 19. Juli 2026 keinen einzigen Bitcoin gekauft. Stattdessen floss das Geld aus frisch ausgegebenen Aktien in die Dollar-Reserve des Unternehmens. Das geht aus dem 8-K-Filing hervor, das der weltgrößte Unternehmenshalter von Bitcoin am 20. Juli bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat. Wenige Tage zuvor war in den USA eine Beteiligungsgesellschaft angetreten, die das Treasury-Modell auf eine andere finanzielle Grundlage stellen will.
Strategy News: Was im 8-K-Filing steht
Die Zahlen aus dem Filing sind eindeutig. Strategy verkaufte im Berichtszeitraum 2.732.318 Aktien der Klasse A über das ATM-Programm und erzielte daraus einen Netto-Erlös von 263,5 Millionen US-Dollar. Bitcoin wurde in dieser Woche keiner erworben. Der Bestand liegt unverändert bei 843.775 BTC zu einem Gesamtkaufpreis von 63,69 Milliarden US-Dollar, was einem Durchschnittspreis von 75.476 US-Dollar je Coin inklusive Gebühren entspricht. Vorzugsaktien wurden ebenfalls keine platziert, Aktienrückkäufe fanden nicht statt.
Der Erlös ging in die sogenannte USD Reserve. Diese Rücklage dient laut Filing der Deckung von Dividenden auf die Vorzugsaktien und von Zinsen auf ausstehende Verbindlichkeiten. Zum 19. Juli 2026 belief sie sich auf 3,225 Milliarden US-Dollar, wobei darin auch noch nicht abgewickelte ATM-Erlöse enthalten sind. In der Vorwoche hatte Strategy bereits 4.818.781 Aktien für 466,7 Millionen US-Dollar verkauft und die Reserve damit auf 3,0 Milliarden Dollar gebracht. Der jüngste Aufbau beträgt somit 225 Millionen Dollar. Das Unternehmen selbst bestätigte den Vorgang am 20. Juli über seinen offiziellen X-Account.
Auffällig ist der Kontrast zur eigenen Kommunikation. Vorstandschef Phong Le hatte bei der Quartalspräsentation Anfang Mai erklärt, unterhalb eines mNAV von 1,22 sei es für das Unternehmen sinnvoller, Bitcoin zu verkaufen, um Dividenden zu bezahlen, als neue Stammaktien zu emittieren. Ende Juni verkaufte Strategy tatsächlich 3.588 Bitcoin für rund 216 Millionen Dollar zur Deckung der Ausschüttungen. In der vergangenen Woche geschah bei einem noch niedrigeren mNAV das Gegenteil: Die Mittel kamen aus der Aktienemission.
Warum Strategy lieber Aktien als Bitcoin verkauft
Für die Vorzugsaktionäre ergibt das Vorgehen Sinn. Ein Bitcoin-Verkauf verkleinert die Kapitalbasis und damit die Deckung künftiger Dividendenzahlungen. Eine Aktienemission lässt die Bilanzsumme dagegen unangetastet und erhöht sogar die Liquidität. Dass Strategy derzeit die Vorzugspapiere priorisiert, deutet auf ein konkretes Problem hin: STRC notiert trotz der größten Cash-Reserve der Unternehmensgeschichte deutlich unter der Marke von 100 US-Dollar, ab der neue STRC-Aktien begeben werden könnten. Solange dieser Kanal verschlossen bleibt, ist die Stammaktie das einzige verbliebene Finanzierungsinstrument.
Die Rechnung geht zulasten der MSTR-Halter. Die Kennzahl BTC Yield, also die Veränderung des Bitcoin-Bestands je Aktie, sinkt bei jeder Emission ohne gleichzeitigen Zukauf. Jede Aktie repräsentiert nach der vergangenen Woche weniger Bitcoin als zuvor.
Der Grund für das Dilemma liegt im mNAV, dem Verhältnis aus Marktkapitalisierung zuzüglich Schulden zum Bilanzwert der Bitcoin-Reserve. Notiert die Aktie mit deutlichem Aufschlag, kauft das Unternehmen über eine Emission mehr Bitcoin je Aktie hinzu, als es verwässert. Nähert sich der Wert der Marke von 1, verschwindet dieser Vorteil. Das ATM-Programm finanziert dann keine Bitcoin-Käufe mehr, sondern nur noch Dividenden und Rücklagen. Genau diese Situation beschreibt das aktuelle Filing.
Was ist Orange Juice?
Fünf Tage vor dem Strategy-Filing, am 15. Juli 2026, kündigte Lyn Alden auf ihrer Website und über eine Pressemitteilung die Gründung von Orange Juice HODLINGS Inc. an. Die Holding mit Sitz in Westport, Connecticut, hat nach eigenen Angaben 40 Millionen US-Dollar eingesammelt. Gegründet wurde sie von Partnern der Bitcoin-Wagniskapitalgesellschaft Ego Death Capital, darunter Jeff Booth, Lyn Alden, Nico Lechuga und Andi Pitt, gemeinsam mit Adrian Steckel und dem operativen Partner Ruben Zweiban. Ankerinvestor ist der mexikanische Unternehmer Ricardo Salinas, Gründer und Vorsitzender der Grupo Salinas, der seine Bitcoin-Allokation zuletzt von 10 auf 70 Prozent erhöht hatte.
Das Geschäftsmodell: Orange Juice will profitable kleine und mittelgroße US-Unternehmen zu niedrigen Bewertungen übernehmen, ihre Abläufe verschlanken und einen Teil der einbehaltenen Gewinne in eine Bitcoin-Reserve überführen. Zielgröße sind Betriebe mit einem jährlichen freien Cashflow zwischen einer und zehn Millionen US-Dollar. Als Zielsektoren nennt das Unternehmen alltägliche Dienstleistungen wie Schädlingsbekämpfung oder Managed IT, Markenkonsumgüter sowie Softwaregeschäfte mit wiederkehrenden Umsätzen. Marken, Kundenbeziehungen und Identität der übernommenen Firmen sollen erhalten bleiben, Verkäufer erhalten einen Teil des Kaufpreises in Anteilen an Orange Juice.
Anders als klassische Private-Equity-Fonds ist die Gesellschaft als permanente Kapitalgesellschaft konzipiert und damit nicht an Fondslaufzeiten oder Weiterverkaufsdruck gebunden. Fremdkapital soll konservativ eingesetzt werden. Ein Börsengang ist geplant, laut Unternehmen aber ausdrücklich nicht als Ausstieg, sondern um eine handelbare Beteiligungswährung und Zugang zum Kapitalmarkt zu schaffen.
Bitcoin Treasury Unternehmen im Vergleich
Alden formuliert die Abgrenzung zum bestehenden Modell in ihrem Blogbeitrag direkt: Reine Bitcoin-Holdinggesellschaften existierten zwar, ihr operatives Geschäft sei jedoch klein oder gar nicht vorhanden. Orange Juice wolle stattdessen eine breite und diversifizierte Cashflow-Basis aufbauen, aus deren einbehaltenen Gewinnen die Bitcoin-Reserve wächst. Zur Kritik am Private-Equity-Modell merkt sie an, dass aus solchen Fonds hervorgehende Unternehmen überdurchschnittlich häufig scheitern, weil sie stark verschuldet würden.
Die Trennlinie verläuft damit an der Finanzierungsquelle. Strategy und die meisten Nachahmer beziehen ihr Kapital vom Markt, über Wandelanleihen, Vorzugsaktien und laufende Aktienemissionen. Dieser Mechanismus funktioniert wirtschaftlich nur oberhalb eines bestimmten Bewertungsniveaus. Orange Juice will die Mittel aus dem operativen Geschäft der Beteiligungen ziehen und den Reserveaufbau so von der Börsenbewertung der Holding entkoppeln.
Der Zeitpunkt der Gründung ist bemerkenswert. Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der das Treasury-Geschäftsmodell nach dem Kurseinbruch des Vorjahres unter Druck steht und die Bewertungsaufschläge der börsennotierten Halter weitgehend verschwunden sind. Strategys eigenes Verhalten liefert dazu die Illustration: Statt Bitcoin nachzukaufen, sichert das Unternehmen seit Wochen Zahlungsverpflichtungen ab.
Ist das besser als MicroStrategy?
Beantworten lässt sich das derzeit nicht. Orange Juice hat noch kein Portfoliounternehmen vorgestellt, keinen Bitcoin-Bestand ausgewiesen und keinen Börsengang terminiert. 40 Millionen US-Dollar Startkapital stehen 843.775 Bitcoin auf Strategys Bilanz gegenüber. Die Pressemitteilung selbst enthält den üblichen Hinweis auf zukunftsgerichtete Aussagen zu Geschäftsstrategie, Übernahmeplänen, Kapitalaufnahme und möglichem Börsengang.
Auch strukturell gibt es Grenzen. Ein Cashflow von einer bis zehn Millionen Dollar je Beteiligung baut eine Reserve langsam auf. Der Hebel, mit dem Strategy in besseren Marktphasen Milliardenbeträge in Tagen bewegte, fehlt diesem Modell konstruktionsbedingt. Zudem muss die Holding erst beweisen, dass sich mehrere unterschiedliche Betriebe dauerhaft effizient führen lassen. Fallende Bitcoin-Kurse würden auch hier auf die Bilanz durchschlagen.
Für Anleger sind in den kommenden Monaten drei Punkte relevant: ob Orange Juice erste Übernahmen und tatsächliche Bitcoin-Käufe meldet, ob Strategy den STRC-Kurs zurück in Richtung 100 Dollar bringt, und ob das mNAV wieder über die kommunizierte Schwelle steigt. Bis dahin bleibt der Befund aus dem Filing: Der einfache Weg, über den Kapitalmarkt Bitcoin anzuhäufen, ist derzeit versperrt.
Dieser Beitrag könnte Dich auch interessieren: Wie viel Euro in Bitcoin investieren?

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
Boersen-Parkett bei Google als bevorzugte Nachrichtenquelle markieren und keine Finanz- und Krypto-News mehr verpassen. Wie funktioniert das?