XRP News: Warum steigt XRP trotz ETF-Milliarden und EU-Lizenz nicht?

Alex Merten

20.07.2026, 10:30 Uhr

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XRP notiert am Montagmorgen bei rund 1,08 US-Dollar und liegt damit etwa 1,5 Prozent über dem Niveau der Vorwoche. Es ist eine Bewegung, die kaum den Namen verdient – und genau darin liegt die eigentliche Nachricht. Denn die Nachrichtenlage rund um Ripple war in den vergangenen Wochen so günstig wie selten, ohne dass sich das im Kurs niedergeschlagen hätte.

Am 6. Juli erhielt Ripple die volle MiCA-CASP-Lizenz vom luxemburgischen Regulator und darf regulierte Kryptodienstleistungen seither im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum anbieten. Am 15. Juli trat das Unternehmen der x402 Foundation als Premier-Mitglied bei, einer Initiative, die gemeinsam mit Visa und Mastercard an einem offenen Zahlungsprotokoll für KI-Anwendungen arbeitet. Beides sind Meldungen, die in einem anderen Marktumfeld für deutliche Aufschläge gesorgt hätten. Der Kurs blieb, wo er war.

Zum Vergleich: Das Zyklushoch lag im Juli 2025 bei 3,65 US-Dollar. Davon ist XRP rund 70 Prozent entfernt. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von etwa 40 Prozent zu Buche, das 52-Wochen-Tief von 1,01 US-Dollar stammt vom 26. Juni.

Warum fällt XRP trotz institutioneller Zuflüsse?

Die institutionelle Nachfrage ist messbar vorhanden. Spot-XRP-ETFs haben seit November 2025 kumuliert rund 1,47 Milliarden US-Dollar an Nettozuflüssen eingesammelt. Goldman Sachs meldete eine Position von 153,8 Millionen US-Dollar, verteilt über vier Fonds. Zum Vergleich lohnt der Blick auf Bitcoin: Dort standen im Juni Abflüsse von rund 4,5 Milliarden US-Dollar zu Buche, während die XRP-Fonds im Plus blieben.

Der Widerspruch löst sich auf, wenn man die Größenordnungen nebeneinanderlegt. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 68 Milliarden US-Dollar entsprechen 1,47 Milliarden Dollar an kumulierten Zuflüssen über acht Monate gut zwei Prozent. Das ist eine Nachfragestütze, aber kein Kurstreiber. ETF-Zuflüsse wirken langsam und stetig; sie verhindern eher einen Absturz, als dass sie eine Rally auslösen.

Hinzu kommt die Angebotsseite. Ripple gab im Juli turnusgemäß eine Milliarde XRP aus dem Escrow frei und schickte davon 700 Millionen Token wieder zurück. Netto verbleiben 300 Millionen XRP – ein berechenbarer, aber eben doch realer monatlicher Angebotszufluss, der einen Teil der ETF-Nachfrage neutralisiert.

Was die On-Chain-Daten wirklich zeigen

Beim Blick auf die Netzwerkdaten ist Vorsicht angebracht, weil derzeit gegenläufige Auswertungen kursieren. Nach Santiment-Daten kauften große Adressen zwischen dem 11. und 15. Juli rund 70 Millionen XRP zu. Die XRP-Bestände auf Binance fielen parallel auf 2,61 Milliarden Token und damit auf den niedrigsten Stand seit Februar. Beides spricht für Akkumulation und dafür, dass Token von Handelsplätzen in längerfristige Verwahrung wandern.

Dieselbe Datenquelle zeigt aber auch die andere Seite: Die Zahl der Wal-Transaktionen oberhalb von einer Million US-Dollar brach innerhalb einer Woche von 70 auf 2 ein, ein Rückgang um 97 Prozent. Die aktiven Adressen auf dem XRP Ledger sanken auf 25.350 und markierten damit den zweitniedrigsten Tageswert des laufenden Jahres.

Beide Beobachtungen sind vereinbar, wenn wenige große Adressen still zukaufen, während die allgemeine Netzwerkaktivität austrocknet. Für Anleger heißt das: Die Akkumulationsthese ist plausibel, aber sie steht auf einer schmalen Datenbasis und beschreibt keinen breiten Nachfrageschub.

XRP Prognose: Der CLARITY Act bleibt der eigentliche Hebel

Der wichtigste offene Punkt liegt weiterhin in Washington. Der Digital Asset Market Clarity Act würde XRP dauerhaft als digitalen Rohstoff im Bundesrecht verankern. Bislang stützt sich dieser Status nur auf eine Einstufung von SEC und CFTC aus dem März 2026 – eine behördliche Entscheidung, die eine künftige Regierung revidieren könnte. Ein Gesetz ließe sich nicht so einfach kippen. Genau darin liegt der Unterschied, den der Markt einpreisen würde.

Der Weg dorthin ist rechnerisch schwierig. Das Repräsentantenhaus verabschiedete die Vorlage bereits im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen, der Bankenausschuss des Senats folgte am 14. Mai 2026 mit 15 zu 9. Im Plenum sind jedoch 60 Stimmen nötig. Die Republikaner halten 53 Sitze, wobei Josh Hawley und Rand Paul als wahrscheinliche Nein-Stimmen gelten. Damit müssten sieben bis zehn Demokraten die Seiten wechseln. Blockiert werden die Verhandlungen an drei Punkten: den Kryptoeinkünften von Donald Trump, den Regeln für DeFi-Plattformen und der Behandlung von Stablecoin-Erträgen. Galaxy Digital beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung auf rund 60 Prozent.

Als Termin für das Senatsvotum wird der 7. August genannt, also unmittelbar vor der Sommerpause. Verstreicht dieses Fenster, bleibt der regulatorische Unsicherheitsabschlag im Kurs voraussichtlich für den Rest des Jahres bestehen. Standard Chartered hat darauf bereits reagiert und das Jahresendziel von 8,00 auf 2,80 US-Dollar gesenkt, ein Minus von 65 Prozent. Das langfristige Ziel von 12,60 US-Dollar für 2028 behielt die Bank hingegen bei.

Diese Marken sind jetzt entscheidend

Charttechnisch bewegt sich XRP in einer eng gefassten Spanne. Nach oben liegt der erste ernsthafte Widerstand im Bereich von 1,15 US-Dollar, wo auch der 50-Tage-Durchschnitt verläuft. Darüber folgt die Zone zwischen 1,18 und 1,20 US-Dollar; ein Tagesschluss oberhalb davon würde von Analysten als Bestätigung einer Trendwende gewertet.

Nach unten ist die Marke von 1,00 US-Dollar der entscheidende Halt. Ein nachhaltiger Bruch würde nach gängiger Lesart den Weg in Richtung 0,80 US-Dollar öffnen. Die technischen Indikatoren geben derweil kein klares Signal: RSI und MACD halten ihre bullischen Crossover auf Tagesbasis zwar noch, stehen aber beide kurz vor möglichen Verkaufssignalen.

Eigene Meinung

Die Lage bei XRP lässt sich nüchtern zusammenfassen: Auf der Angebots- und Regulierungsseite hat sich in Europa objektiv einiges verbessert, während der eigentliche Kurstreiber in den USA liegt und dort von einer politischen Mehrheit abhängt, die derzeit nicht gesichert ist. Wer auf einen schnellen Ausbruch setzt, wettet damit weniger auf Technologie oder Nutzung als auf einen Abstimmungskalender im US-Senat.

Für langfristig orientierte Anleger ist der aktuelle Kursbereich vor allem eines: eine Phase, in der sich Geduld und Risikotoleranz messen lassen. Die sinkenden Börsenbestände und die anhaltenden ETF-Zuflüsse deuten darauf hin, dass institutionelles Kapital die Schwäche nutzt. Gleichzeitig zeigt die eingebrochene Netzwerkaktivität, dass von einer breiten Aufbruchstimmung keine Rede sein kann.

Für kurzfristig orientierte Anleger ist das Chance-Risiko-Verhältnis entsprechend unattraktiv, solange der Kurs zwischen 1,00 und 1,20 US-Dollar gefangen bleibt. Wer investiert ist, sollte sich darüber im Klaren sein, dass ein Scheitern des CLARITY Act im August den Unsicherheitsabschlag zementieren würde. Wer noch nicht investiert ist, hat keinen Anlass zur Eile – die entscheidende Information steht erst im August an.

Sollte man gerade jetzt Ripple kaufen? Wenn Du Dir diese Frage stellst, könnte unsere XRP Kurs Prognose etwas für Dich sein.