Die US-amerikanischen Spot-Bitcoin-ETFs durchleben die schwerste Abflussphase des Jahres 2026. Allein zwischen dem 18. Mai und dem 3. Juni summieren sich die Netto-Abflüsse aus den zwölf gelisteten Fonds auf rund 4,3 Milliarden US-Dollar – verteilt auf nahezu durchgängige Verkaufstage. Am Donnerstagnachmittag, 4. Juni 2026, notiert Bitcoin bei 64.134 US-Dollar. Das ist ein Minus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vortag und ein Wochenverlust von rund 12 Prozent. Damit rutscht die größte Kryptowährung auf den tiefsten Stand seit dem Frühjahr.
Der mit Abstand stärkste Verkaufsdruck konzentriert sich auf BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) und Fidelitys Wise Origin Bitcoin Fund (FBTC). Allein der 27. Mai brachte mit 733,4 Millionen Dollar den höchsten Tagesabfluss der Serie, gefolgt vom 18. Mai mit 648,6 Millionen Dollar. IBIT verzeichnete an diesem Tag mit minus 527,8 Millionen Dollar den größten Einzelfonds-Abfluss. Auch Grayscales hochpreisiges GBTC (1,50 Prozent Gebühr) und der günstigere BTC-Fonds steuerten an mehreren Tagen Abflüsse bei. Vereinzelte Zuflüsse, etwa bei Morgan Stanleys MSBT (plus 14,8 Millionen Dollar am 2. Juni), konnten den Trend nicht drehen.
Citi: ETF-Flüsse wichtiger als der Strategy-Verkauf
Auslöser der Verunsicherung war auch eine symbolträchtige Transaktion: Strategy verkaufte zwischen dem 26. und 31. Mai 32 Bitcoin für rund 2,5 Millionen Dollar zu einem Durchschnittspreis von 77.135 Dollar – die erste offengelegte Netto-Veräußerung des Unternehmens, um die Dividende auf die STRC-Vorzugsaktie zu bedienen. Das Unternehmen hielt zum 31. Mai weiterhin 843.706 Bitcoin zu einem durchschnittlichen Kaufpreis von 75.699 Dollar. Die 32 Coins entsprechen lediglich 0,004 Prozent des gesamten Treasury-Bestands – der psychologische Effekt war dennoch erheblich, da Michael Saylor jahrelang eine kompromisslose „Buy-and-Hold“-Haltung vertreten hatte.
Die Wall-Street-Bank Citi relativiert die Bedeutung dieses Verkaufs. Laut Citi war der jüngste Bitcoin-Verkauf von Strategy Teil eines zuvor offengelegten Steueroptimierungsplans und ändert nichts an der grundsätzlichen Strategie des Unternehmens. Die Bank schätzt, dass die Spot-Bitcoin-ETF-Flüsse rund 45 Prozent der wöchentlichen BTC-Kursbewegungen erklären und der beste Gradmesser für die Akzeptanz unter Investoren bleiben. Citi erwartet eine gedämpfte Stimmung, solange die ETF-Flüsse negativ bleiben und die Aussichten auf ein US-Krypto-Marktstrukturgesetz schwinden.
Längste Abflussserie seit ETF-Start 2024
Die aktuelle Phase markiert einen historischen Wendepunkt für die Produkte. Die kumulierten Netto-Abflüsse aus US-Spot-Bitcoin-ETFs erreichen über zehn bis elf aufeinanderfolgende Tage rund 2,8 bis 3,5 Milliarden Dollar – die längste Abflussserie seit dem Start der Produkte im Januar 2024. Damit rutschen die kumulierten Netto-Zuflüsse seit Auflegung von 57 Milliarden Dollar zu Jahresbeginn 2026 auf 55,66 Milliarden Dollar – die Jahresbilanz 2026 ist erstmals negativ.
Der Mai schloss bereits als schwächster Monat. Die Spot-Bitcoin-ETFs beendeten den Monat mit 2,30 Milliarden Dollar Netto-Abflüssen – der größte Monatsabfluss des Jahres 2026 und der steilste seit November 2025. Das kehrt zwei aufeinanderfolgende grüne Monate um: Der April brachte 1,97 Milliarden, der März 1,32 Milliarden Dollar an Netto-Zuflüssen.
Die Kursverluste schlugen auch auf krypto-nahe Aktien durch. Die MSTR-Aktie fiel am Dienstag um 9,15 Prozent auf 136,08 Dollar bei einem Sessiontief von 134,11 Dollar – gefährlich nahe am 52-Wochen-Tief von 104,16 Dollar. Der jüngste Abverkauf löste an einem Tag 1,8 Milliarden Dollar an Zwangsliquidationen aus, davon 1,35 Milliarden Dollar bei Long-Positionen – die höchste Summe seit Februar 2026. Zusätzlichen Druck erzeugte eine Mt.-Gox-Bewegung: Am 2. Juni wurden um 04:47 UTC rund 10.422 BTC im Wert von etwa 739 Millionen Dollar in einer einzigen Transaktion verschoben.
Ausblick: 65.000 Dollar als kritische Marke
Aus technischer Sicht gilt die Marke von 65.000 Dollar als entscheidende Unterstützung, bevor ein möglicher Test der 60.000-Dollar-Zone ansteht. Das wahrscheinlichste Szenario bleibt vorerst eine Seitwärtsbewegung zwischen 65.000 und 68.000 Dollar, während der Markt auf Klarheit bei den ETF-Flüssen und neue Treasury-Angaben von Strategy wartet. Bemerkenswert ist die saisonale Diskrepanz: Die mediane Juni-Rendite für Bitcoin liegt historisch bei plus 2,58 Prozent, mit nur fünf roten Junis in den vergangenen zwölf Jahren.
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Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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