Citi: Nicht Strategys Bitcoin-Verkauf ist das Problem – sondern die fehlenden Neukäufer

Raphael Lulay

04.06.2026, 08:00 Uhr

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Strategys jüngster Bitcoin-Verkauf hat die Marktstimmung spürbar gedrückt – doch laut der US-Großbank Citi setzen Anleger den falschen Fokus. Entscheidend für den Bitcoin-Kurs seien nicht die Bewegungen einzelner Unternehmen, sondern die Zuflüsse in die börsengehandelten Spot-Bitcoin-ETFs. Und genau dort fehlt derzeit die Nachfrage.

Bitcoin notierte am Mittwochmittag bei rund 66.500 US-Dollar und damit etwa neun Prozent tiefer als am vergangenen Sonntag. Im Wochenverlauf rutschte die größte Kryptowährung zeitweise auf den niedrigsten Stand seit Ende März.

Saylors Verkauf war angekündigt – die Reaktion überzogen

Auslöser der jüngsten Nervosität war eine Pflichtmitteilung, in der Strategy den Verkauf eines kleinen Teils seiner Bitcoin-Bestände offenlegte. Für ein Unternehmen, dessen Vorsitzender Michael Saylor seit Jahren eine kompromisslose Halte-Strategie verkörpert, war das ein ungewöhnlicher Schritt.

Überraschend war er aus Sicht von Citi dennoch nicht. Saylor hatte bereits im Earnings-Call zum ersten Quartal angekündigt, steuerlich nachteilige Bitcoin-Positionen im Rahmen einer Portfolio-Optimierung abbauen zu wollen. Der Verkauf war damit Teil eines offengelegten Plans – kein Strategiewechsel und kein Vertrauensbruch.

Dass der Markt dennoch so deutlich reagierte, zeigt nach Lesart der Bank vor allem eines: Die eigentliche Schwäche liegt woanders.

ETF-Flows erklären 45 Prozent der Kursbewegung

Citi-Analyst Alex Saunders bezeichnet die Zuflüsse in die Spot-Bitcoin-ETFs als den dominierenden Preistreiber. Nach Berechnungen der Bank erklären diese Flows rund 45 Prozent der wöchentlichen Renditeschwankungen bei Bitcoin – ein höherer Erklärungswert als jede Einzelmeldung aus dem Unternehmensumfeld.

Genau hier sieht Citi das Problem. Die ETFs verzeichneten zuletzt einen Rekord von elf aufeinanderfolgenden Handelstagen mit Nettoabflüssen. Im Gesamtmonat Mai zogen Anleger laut SoSoValue-Daten rund 2,43 Milliarden US-Dollar aus den Produkten ab – der höchste monatliche Mittelabfluss des Jahres 2026. BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) trug dabei einen Großteil der Bewegung, sowohl bei den frühen Zuflüssen als auch bei den späteren Abflüssen.

Für Saunders ist dieser Trend ein klares Signal: Es fehlt nicht an Halteüberzeugung der bestehenden Investoren, sondern an frischer Nachfrage neuer Käufer.

Fehlender Katalysator statt struktureller Bruch

Bemerkenswert ist, was die Zahlen trotz des Abverkaufs nicht zeigen. Die kumulierten Zuflüsse in die US-Spot-Bitcoin-ETFs liegen weiterhin bei über 55 Milliarden US-Dollar seit Auflage. Der Rekordabfluss im Mai hat die strukturelle Verschiebung hin zu regulierten Anlagevehikeln also nicht umgekehrt – er hat sie lediglich pausiert.

Das passt zu einer Marktstruktur, in der Bitcoin zunehmend über regulierte Produkte allokiert wird. Wenn aber der Großteil der Nachfrage über ETFs läuft, hängt der Kurs stärker als je zuvor an einem äußeren Auslöser, der neues Kapital mobilisiert. Fehlt dieser Katalysator, fehlt die Nachfrage – unabhängig davon, ob ein einzelnes Unternehmen seine Bestände leicht reduziert.

Citi nennt den naheliegendsten Auslöser zugleich als Risiko: Die Chancen auf ein US-Marktstrukturgesetz in diesem Jahr schwänden, womit ein wichtiger Treiber für neue Zuflüsse unwahrscheinlicher werde. In Kombination mit der Underperformance gegenüber Aktien dürfte die Stimmung daher gedämpft bleiben, solange weder regulatorische Fortschritte noch neue Sorgen um die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen Kapital in den Markt treiben.

Die Lesart von Citi unterstreicht eine Verschiebung, die sich seit der ETF-Zulassung beobachten lässt: Bitcoin ist vom spekulativen Einstiegspunkt zum institutionellen Endpunkt der Krypto-Allokation geworden. Genau diese Reife bringt aber traditionelle Marktdynamiken mit sich – Gewinnmitnahmen, Risikomanagement und eine stärkere Abhängigkeit von makroökonomischen Auslösern.

Für Anleger bedeutet das vor allem eine Verschiebung der relevanten Beobachtungsgröße. Wer die nächste Richtungsentscheidung einschätzen will, schaut weniger auf einzelne Unternehmensbilanzen als auf die täglichen ETF-Flows und den Fortgang der US-Krypto-Regulierung. Solange beide Signale schwach bleiben, dürfte die Konsolidierung anhalten – ohne dass dies den übergeordneten Trend institutioneller Adaption infrage stellt.

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