Während der ADA-Kurs in den vergangenen neun Monaten rund 71 Prozent seiner Marktkapitalisierung eingebüßt hat, kaufen die größten Cardano-Halter offenbar unbeirrt weiter. Daten der On-Chain-Analyseplattform Santiment, am 13. Mai veröffentlicht, zeigen: Wallets mit mindestens einer Million ADA halten inzwischen zusammen 25,09 Milliarden Token – das entspricht 67,47 Prozent der zirkulierenden Versorgung. Der Trend reicht laut Santiment bis Dezember 2023 zurück und hat sich durch den gesamten Bärenmarkt hindurch fortgesetzt.
Auf den ersten Blick ist das ein klassisches Smart-Money-Signal. Große Adressen kaufen Cardano bei niedrigen Preisen, während Kleinanleger verkaufen – ein Muster, das in vergangenen Zyklen häufig Trendwenden vorausging. Genau so wird die Nachricht aktuell in einem Großteil der englischsprachigen Krypto-Presse gerahmt: als Vorbote einer Erholung, gestützt durch zusätzliche bullische Signale wie einen jüngst gedrehten SuperTrend-Indikator und die Verteidigung der historisch wichtigen 0,25-Dollar-Marke.
So sauber, wie diese Erzählung wirkt, ist sie allerdings nicht.
Über Cardano Prognose wird kontrovers diskutiert
Eine Supply-Konzentration von über 67 Prozent in Wallets jenseits der Millionen-ADA-Schwelle ist kein eindeutig positives Signal, sondern zunächst eine Tatsache mit zwei Seiten. Auf der einen Seite stehen Long-Term-Holder, die Schwächephasen für strategische Käufe nutzen – das ist die Lesart, die Santiment selbst nahelegt. Auf der anderen Seite bedeutet diese Konzentration aber auch, dass ein zunehmend kleinerer Kreis von Adressen die Preisrichtung kontrollieren kann. Wenn ein Bruchteil dieser Wallets entscheidet, Gewinne zu realisieren, trifft der Verkaufsdruck auf einen vergleichsweise dünnen Markt mit zurückhaltender Retail-Nachfrage. Genau dieses Retail-Vakuum beobachten Analysten derzeit: Kleinanleger verkaufen, statt nachzukaufen.
Hinzu kommt die fundamentale Lage rund um Cardano. Founder Charles Hoskinson musste zuletzt öffentlich gegen den Vorwurf verteidigen, das Netzwerk habe Skalierungsfortschritte zugunsten von Governance-Themen aus den Augen verloren. Hoskinson verwies dabei auf laufende Arbeiten an Layer-2-Lösungen, dem erweiterten UTXO-Modell, Zero-Knowledge-Technologien und dem Leios-Protokoll. Konkrete, datierte Deliverables stehen tatsächlich an: Der Protocol-11-Hardfork mit Plutus V3 ist für Juni geplant, der Leios-Testnet-Launch mit dem Ziel von über 1.000 Transaktionen pro Sekunde ebenfalls. Eine SEC-Entscheidung zu einem möglichen Spot-ADA-ETF wird frühestens im August erwartet.
Das ist der eigentliche Kontext, in dem die Akkumulationsdaten zu lesen sind. Wer große ADA-Positionen aufbaut, wettet nicht nur auf einen Mean-Reversion-Trade nach 71 Prozent Drawdown, sondern auf das Eintreten dieser Katalysatoren in einem überschaubaren Zeitfenster. Bleiben Protocol 11 und Leios-Testnet hinter den Erwartungen zurück oder verschiebt die SEC eine ETF-Entscheidung, fehlt der Hebel, der die aktuelle Akkumulation in Kursperformance übersetzen müsste.
Einschätzung
Die Akkumulationsdaten sind real und sie sind bemerkenswert – wer 67 Prozent einer Krypto-Supply in der Großwallet-Kategorie aufbaut, tut das nicht aus dem Bauch heraus. Was an der aktuellen Berichterstattung allerdings stört, ist die Reflex-Gleichung „Wale kaufen = Trendwende voraus“. Das ist eine Faustregel, kein Naturgesetz. In Cardanos Fall hängt die Auflösung dieses Setups maßgeblich an der Lieferung konkreter technischer Meilensteine im zweiten und dritten Quartal. Bis dahin ist die hohe Supply-Konzentration ein Datenpunkt, kein Investment-Case.
Für die Zielgruppe heißt das: Langfristig orientierte Anleger, die ohnehin im Cardano-Ökosystem positioniert sind oder es als Layer-1-Beimischung in einem diversifizierten Krypto-Portfolio sehen, finden in den Santiment-Daten ein Argument gegen Panikverkäufe. Wer ADA dagegen als kurzfristigen Trade auf Basis der Wal-Nachricht in Erwägung zieht, sollte sich klarmachen, dass das gleiche Setup seit Dezember 2023 läuft – ohne dass es bislang eine nachhaltige Wende ausgelöst hat.
Hier geht es zu unserer aktuellen Cardano Prognose.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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