CFTC soll Trump-nahe Krypto-Firmen begünstigt und Kritiker entfernt haben

Alex Merten

26.05.2026, 09:14 Uhr

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Eine Recherche der New York Times bringt die US-Derivateaufsicht CFTC schwer in Bedrängnis. Laut dem am Sonntag veröffentlichten Bericht der Reporter Sharon LaFraniere und David Yaffe-Bellany haben leitende Beamte der Behörde über rund ein Jahr hinweg regulatorische Hürden für drei Krypto- und Prognosemarkt-Firmen mit Verbindungen zur Trump-Familie aus dem Weg geräumt. Karrieremitarbeiter, die intern Bedenken äußerten, wurden demnach beurlaubt, untersucht und schließlich aus der Behörde gedrängt. Die Recherche stützt sich auf interne Dokumente sowie Gespräche mit mehr als 30 aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern und mehreren Unternehmensvertretern.

Im Zentrum stehen drei Unternehmen, die für ihre Prognosemarkt-Pläne eine Freigabe der CFTC benötigten: Polymarket, Crypto.com und die Gemini-Tochter Gemini Titan. Alle drei haben direkte geschäftliche Verbindungen zur Familie des US-Präsidenten. Polymarket erhielt eine Investition von 1789 Capital, einer Venture-Firma mit Beteiligung von Donald Trump Jr., der dem Unternehmen zudem als unbezahlter Berater dient. Crypto.com ging im vergangenen Oktober eine Partnerschaft mit der Trump Media and Technology Group ein, um das Produkt „Truth Predict“ auf Truth Social einzuführen. Die Gemini-Gründer Cameron und Tyler Winklevoss wiederum unterstützen American Bitcoin, ein von Eric Trump mitgegründetes Mining-Unternehmen.

Beamte warnten vor Risiken und wurden entfernt

Nach Darstellung der Recherche meldeten erfahrene Mitarbeiter konkrete Bedenken zu allen drei Firmen an. Bei Crypto.com bestanden Zweifel, ob Kleinanleger fair behandelt würden. Bei Polymarket standen unzureichender Betrugsschutz und fehlende Kontrollen im Raum. Gemini Titan soll seinen Betrieb aufgenommen haben, bevor die vorgeschriebene regulatorische Prüfung abgeschlossen war. Trotz dieser Einwände sollen die damalige Interims-Chefin Caroline Pham und Chefjustiziarin Brigitte Weyls eingegriffen haben, um den Unternehmen zu ihren Freigaben zu verhelfen.

Besonders brisant: Beide Verantwortlichen verließen die Behörde anschließend und wechselten in die Branche, die sie zuvor beaufsichtigt hatten. Pham heuerte beim Krypto-Anbieter MoonPay an, Weyls ging als General Counsel ausgerechnet zu Gemini Titan – jener Firma, deren Zulassung sie zuvor mitverantwortet hatte. Ende 2025 wurden laut Bericht mehrere Mitarbeiter, die Bedenken geäußert hatten, bei vollem Gehalt beurlaubt; drei weitere im Bereich der Krypto-Strafverfolgung tätige Beschäftigte traf dasselbe Schicksal.

Drastischer Rückgang der Krypto-Strafverfolgung

Der wohl deutlichste Beleg für den Kurswechsel liegt in den Zahlen. Unter der aktuellen Regierung hat die CFTC mindestens fünf laufende Krypto-Untersuchungen eingestellt und nur zwei neue Verfahren angekündigt – beide gegen Einzelpersonen. Unter der Biden-Regierung waren es noch mehr als 80 Krypto-Verfahren. Konkrete Beweise für eine direkte politische Einflussnahme nennt die Untersuchung allerdings nicht; das Weiße Haus und die betroffenen Unternehmen weisen die Vorwürfe zurück.

Die Vorwürfe fallen in eine ohnehin angespannte Phase der US-Krypto-Regulierung. Während um den Clarity Act und eine mögliche Ethik-Klausel gerungen wird, die Amtsträgern und Familienmitgliedern das aktive Bewerben digitaler Assets untersagen soll, dürfte die Recherche die Debatte über Transparenz und Interessenkonflikte weiter befeuern. Senator Richard Blumenthal forderte den Kongress und den Generalinspekteur bereits auf, das Verhalten der CFTC zu prüfen.

Für europäische Anleger wirft der Fall ein Schlaglicht auf einen strukturellen Unterschied. Während die US-Aufsicht unter dem Vorwurf politischer Einflussnahme steht, ist der europäische Krypto-Markt seit 2024 durch die MiCA-Verordnung reguliert, die einheitliche Zulassungs- und Verbraucherschutzstandards setzt. Ob die Vorwürfe gegen die CFTC die laufende US-Gesetzgebung verlangsamen, bleibt vorerst offen.

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