Clarity Act News: Warum die Polymarket-Wahrscheinlichkeit auf 47 Prozent gestiegen ist

Raphael Lulay

22.07.2026, 08:24 Uhr

,

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Clarity Act in diesem Jahr in Kraft tritt, ist auf dem Prognosemarkt Polymarket weiter gestiegen. Am 22. Juli 2026 preisen die Händler die Verabschiedung des US-Gesetzes zur Krypto-Marktstruktur mit rund 47 Prozent ein. Am Montag lag der Wert noch bei etwa 43 Prozent, am Freitag zuvor bei 32 Prozent – dem tiefsten Stand seit dem Handelsstart im Januar. Innerhalb weniger Tage hat sich die Markterwartung damit um rund 15 Prozentpunkte verschoben.

Auslöser war eine Reihe von Berichten, wonach US-Präsident Donald Trump einer Version der umstrittenen Ethikklausel zugestimmt haben soll. Diese Klausel war der letzte große Streitpunkt in monatelangen Verhandlungen. Nach Informationen einer mit der Sache vertrauten Person wurde eine vorläufige Einigung erzielt. Der Gesetzestext liegt allerdings weder öffentlich noch den Demokraten vor. Das Weiße Haus und die Büros der beteiligten Senatoren äußerten sich nicht zu Details.

Clarity Act: Was der Streit um die Ethikklausel bedeutet

Im Kern geht es um die Frage, in welchem Umfang Amtsträger während ihrer Amtszeit von Kryptowährungen profitieren dürfen. Die Debatte wird durch Trumps Memecoins und die Beteiligung seiner Familie an World Liberty Financial verschärft. Aus im vergangenen Monat vorgelegten Finanzberichten geht hervor, dass daraus Millionenbeträge geflossen sind.

Die konkrete Regelung wurde bei einem Treffen am 16. Juli zwischen Trump, den republikanischen Senatoren Bernie Moreno und Cynthia Lummis sowie dem Krypto-Berater des Weißen Hauses, Patrick Witt, besprochen. Der Senat hat bis Anfang August Zeit für eine Abstimmung. Aus Reihen der Demokraten kam bereits Widerstand gegen den ausgehandelten Kompromiss – das erklärt, warum der Markt trotz der Fortschritte weiterhin unter der 50-Prozent-Marke bleibt.

Inhaltlich würde der Clarity Act den ersten umfassenden bundesweiten Rahmen für digitale Vermögenswerte in den USA schaffen. Vor allem würde er die Zuständigkeiten zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Terminmarktaufsicht CFTC klar aufteilen – eine Abgrenzung, um die die Branche seit Jahren ringt.

Warum steigt Bitcoin trotz offener Gesetzeslage?

Bitcoin notiert am Mittwoch nahe 66.300 US-Dollar und damit auf dem höchsten Stand seit rund zwei Wochen. Ether und XRP legten im Zuge der Berichte ebenfalls zu.

Die Zuordnung ist allerdings nicht eindeutig. Händler führen die Erholung überwiegend auf die Stärke bei KI- und Halbleiterwerten zurück, darunter die Speicherhersteller Samsung und SK Hynix. Die legislativen Nachrichten aus Washington verstärkten die risikofreudige Stimmung, waren aber nicht der primäre Treiber. Hinzu kommt ein schwacher Yen, der auf ein 40-Jahres-Tief gefallen ist und die globale Risikobereitschaft zusätzlich stützt.

Clarity Act Prognose: Was Anleger jetzt beobachten sollten

Der entscheidende Punkt bleibt der Gesetzestext. Solange kein Entwurf veröffentlicht ist, handelt der Prognosemarkt auf Basis von Berichten, nicht auf Basis überprüfbarer Fakten. Eine Quelle erklärte, ein Entwurf könne jederzeit erscheinen – bis dahin bleibt die Einpreisung volatil.

Drei Faktoren sind kurzfristig relevant: die tatsächliche Veröffentlichung des Textes, die Haltung der Demokraten im Senat und das Zeitfenster bis Anfang August. Sollte die Abstimmung in die Sommerpause rutschen, dürfte die implizite Wahrscheinlichkeit auf Polymarket schnell wieder unter die aktuellen 47 Prozent fallen. Umgekehrt würde ein veröffentlichter Text mit belastbarer Ethikregelung die Bewertung deutlich nach oben treiben.

Für Anleger gilt: Prognosemärkte spiegeln Erwartungen, keine Gewissheiten. Eine Bewegung von 15 Prozentpunkten innerhalb weniger Tage auf Grundlage unbestätigter Berichte zeigt vor allem, wie dünn die Informationslage derzeit ist.