Delaware und New Jersey haben in dieser Woche jeweils Gesetzentwürfe für ein praktisch vollständiges Verbot von Krypto-Geldautomaten in die Plenardebatte ihrer Parlamente überführt. Beide Vorlagen reagieren auf stark gestiegene Betrugszahlen, bei denen Kriminelle ihre Opfer über die Kioske um dreistellige Millionenbeträge gebracht haben.
In Delaware passierte der House Bill 441 am 9. Juni das House Economic Development Committee. Der Entwurf, eingebracht von der Abgeordneten Cyndie Romer und Senator Spiros Mantzavinos, untersagt Installation, Besitz und Betrieb der Automaten. Bestehende Geräte müssten sofort abgeschaltet und binnen 90 Tagen physisch entfernt werden. Bemerkenswert: Die Vorlage schließt auch Umgehungskonstruktionen wie kassengestützte Krypto-Käufe an Ladentheken aus. In New Jersey votierte das Senate Commerce Committee einen Tag zuvor einstimmig für den Senatsentwurf S2141, dessen Hauptinitiator Senator Paul Moriarty den Maschinen „keinen legitimen Zweck“ attestierte.
FBI-Daten: 388 Millionen Dollar Schaden, Senioren im Fokus
Das FBI verzeichnete über sein Internet Crime Complaint Center (IC3) für 2025 rund 13.500 Beschwerden im Zusammenhang mit Krypto-Geldautomaten. Der gemeldete Gesamtschaden überstieg 388 Millionen Dollar – ein Plus von 58 Prozent gegenüber 2024, bei einem Anstieg der Beschwerdezahl um 23 Prozent. Über die Hälfte der Fälle entfiel auf Personen über 50 Jahre, die zusammen mehr als 302 Millionen Dollar verloren.
Die bundesstaatlichen Zahlen verschärfen das Bild zusätzlich. Delaware meldete rund 27 Millionen Dollar an krypto-bezogenen Betrugsschäden, in New Jersey verloren laut Moriarty 369 Opfer etwa 18 Millionen Dollar. Das typische Muster: Täter geben sich als Behörden-, Bank- oder Polizeivertreter aus, erzeugen Zeitdruck und dirigieren die Opfer zum nächstgelegenen Kiosk, um Bargeld an eine kriminell kontrollierte Wallet zu überweisen. AARP Delaware unterstützte die Vorlage ausdrücklich.
Hohe Gebühren als Kernargument
Romer begründet das Verbot auch ökonomisch: Reguläre Krypto-Anleger nutzten die Automaten kaum, da die Gebühren bis zu 20 Prozent des Transaktionsbetrags erreichen können – gegenüber 0,4 bis 1 Prozent bei Online-Börsen. Aus ihrer Sicht reduzierten die Kioske digitale Währungen auf einen „räuberischen Bargeld-Abgriff“ und böten Betrügern eine ideale Infrastruktur.
Wachsender Flickenteppich an Verboten
Delaware und New Jersey reihen sich in eine wachsende Gruppe ein. Indiana verhängte im März als erster US-Bundesstaat ein Totalverbot, Tennessee folgte im April, Minnesota im Mai. Arizona und Kalifornien wählen mit Transaktionslimits einen weniger drastischen Weg. Auch international wächst der Druck: Kanada prüft eine landesweite Beschränkung.
Die Verschärfung trifft die Branche bereits hart. Bitcoin Depot, einst mit über 9.000 Automaten der weltweit größte Betreiber, meldete im Vormonat Insolvenz an und nannte den Regulierungsdruck als wesentlichen Faktor. Die Betreiber weisen die Verantwortung für Drittbetrug zurück und verweisen auf Warnhinweise, Identitätsprüfungen und freiwillige Transaktionslimits.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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