Die Stimmung am Kryptomarkt hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Der Crypto Fear & Greed Index von Alternative.me notiert am Mittwoch bei nur noch 9 Punkten und signalisiert damit „extreme Angst“. Vor einem Monat lag der Wert noch bei 48 Punkten im neutralen Bereich. Parallel dazu ziehen Anleger seit Wochen Kapital aus den US-Spot-Bitcoin-ETFs ab: Seit dem 22. Mai summieren sich die Nettoabflüsse auf mehr als 3,4 Milliarden US-Dollar – mit nur einem einzigen positiven Handelstag in diesem Zeitraum.
Selbst die notorisch optimistische Coingecko-Community zeigt sich heute am 10.06.2026 vergleichsweise pessimistisch. Konkret: 37 Prozent der Befragten teilen heute eine skeptische Bitcoin Prognose. In den meisten Marktphasen ist das Ausmaß an Zuversicht deutlich ausgeprägter.
Bitcoin-ETFs: Elf Abflusstage in zwölf Handelssitzungen
Die Daten zu den US-Spot-Bitcoin-ETFs zeichnen ein klares Bild der Kapitalflucht. Den höchsten Tagesabfluss verzeichnete der Markt am 27. Mai mit 733,4 Millionen US-Dollar, gefolgt vom 2. Juni mit 519,1 Millionen und dem 1. Juni mit 483,8 Millionen US-Dollar. Besonders betroffen ist BlackRocks IBIT, der größte Bitcoin-ETF am Markt: Allein am 27. Mai flossen 527,8 Millionen US-Dollar ab, am 1. Juni weitere 440,3 Millionen. Auch Fidelitys FBTC verbuchte an nahezu jedem Handelstag Abflüsse.
Lediglich am 4. Juni stand mit 3,2 Millionen US-Dollar ein hauchdünnes Plus in den Büchern. Zuletzt schwächte sich die Dynamik leicht ab: Am 8. Juni lagen die Nettoabflüsse bei 91,4 Millionen, am 9. Juni bei 77,4 Millionen US-Dollar – wobei Fidelity, Bitwise und Ark am 8. Juni erstmals seit Wochen wieder Zuflüsse meldeten.
Google-Suchinteresse nahe Zwölfmonatstief
Auch das öffentliche Interesse an Kryptowährungen schwindet. Der weltweite Google-Trends-Score für den Suchbegriff „Krypto“ liegt aktuell bei 23 Punkten und damit nahe seinem Zwölfmonatstief – mit erneut rückläufiger Tendenz. Beim Suchbegriff „Bitcoin“ fiel der Score von 39 in der Vorwoche auf aktuell 33 Punkte. Das Zwölfmonatstief von 28 Punkten aus Ende Mai rückt damit wieder in Reichweite. Historisch gilt schwaches Suchinteresse als Zeichen dafür, dass Privatanleger dem Markt den Rücken kehren.
Bitcoin-Treasurys tief in der Verlustzone
Schwer unter Druck stehen auch börsennotierte Unternehmen mit großen Krypto-Beständen. Strategy, der größte Bitcoin-Halter unter den Treasury-Firmen, liegt mit seinen Beständen 17,3 Prozent im Minus. Deutlich härter trifft es die jüngeren Akteure: Bitmine notiert 50,5 Prozent unter dem durchschnittlichen Einkaufspreis, SharpLink 52,0 Prozent, Metaplanet 35,4 Prozent und Forward Industries sogar 71,2 Prozent. Viele dieser Unternehmen hatten ihre Bestände nahe der Kurshochs aufgebaut und sitzen nun auf massiven Buchverlusten.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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