Der für Freitag geplante Nasdaq-Börsengang von SpaceX gilt mit einem Volumen von rund 75 Milliarden Dollar als größter IPO aller Zeiten – und er kommt für den Kryptomarkt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Analysten und Krypto-Manager rechnen damit, dass der Mega-Deal frisches Kapital aus Risikoanlagen wie Bitcoin abzieht, weil Privatanleger Liquidität freisetzen, um SpaceX-Aktien zu zeichnen.
Das Raketen- und Satellitenunternehmen von Elon Musk, das Anfang des Jahres mit dem KI-Startup xAI fusionierte, peilt eine Bewertung von rund 1,75 Billionen Dollar an. Ungewöhnlich für einen IPO dieser Größenordnung: Bis zu 30 Prozent beziehungsweise 22,5 Milliarden Dollar der Aktien sind für Privatanleger reserviert. Blockbuster-Börsengänge waren historisch von institutionellen Investoren dominiert.
Genau diese Anlegergruppe prägt auch die Stimmung an den Kryptomärkten. SpaceX bedient mit seinen KI-Ambitionen – von Rechenzentren im Weltraum bis zu Mars-Missionen – die spekulative Risikobereitschaft, die zuletzt Krypto getragen hat. Laut Prospekt arbeitet das Unternehmen insgesamt unprofitabel; die hohe Bewertung setzt jahrelanges, schnelles Wachstum voraus.
Bitcoin nahe 60.000 Dollar – Kapital wandert in den Aktienmarkt
Bitcoin notierte zuletzt nahe der Marke von 60.000 Dollar und liegt damit rund 52 Prozent unter dem Allzeithoch von 126.223 Dollar im Oktober. Allein in der Vorwoche brach der Kurs um etwa 15 Prozent ein – der stärkste Rückgang seit dem FTX-Kollaps im November 2022.
Branchenvertreter beschreiben Krypto zunehmend als Finanzierungswährung für andere Wetten: Wer beim SpaceX-IPO mitbieten will, muss das Kapital irgendwo herholen. Auch die Abflüsse aus Krypto-ETFs sind sprunghaft gestiegen und überschritten im Mai die Marke von 2 Milliarden Dollar. Ein Teil dieses Geldes findet erkennbar den Weg in den Aktienmarkt, auch wenn sich der direkte Fluss in SpaceX nicht eindeutig belegen lässt.
Zusätzlich belastet wurde die Stimmung dadurch, dass Michael Saylors Strategy – der größte unternehmerische Bitcoin-Halter – vergangene Woche offenlegte, erstmals seit 2022 Teile der Bestände verkauft zu haben. Krypto habe für viele Anleger an Glanz und Neuheit verloren, so die Einschätzung mehrerer Marktbeobachter.
Weitere IPOs und Zinsfantasie erschweren die Erholung
Der Gegenwind dürfte anhalten. Mit OpenAI und Anthropic stehen im Jahresverlauf weitere stark beachtete Börsengänge in der Pipeline, die um denselben Pool an Risikokapital konkurrieren. KI gilt aktuell als der attraktivere Trade gegenüber Krypto.
Hinzu kommen wachsende Markterwartungen, dass die US-Notenbank die Zinsen in diesem Jahr anheben könnte – was Anleger zusätzlich in sicherere, renditestärkere Anlagen treiben würde. Die Kryptopreise hatten nach dem Amtsantritt der krypto-freundlichen Trump-Regierung kräftig zugelegt, stürzten im Oktober jedoch nach neuen Zolldrohungen gegen China ab und finden seither schwer zurück. US-Halbleiteraktien legten im selben Zeitraum um rund 170 Prozent zu.
Eigene Meinung
Die Gemengelage spricht kurzfristig gegen eine schnelle Krypto-Erholung: Ein außergewöhnlich großer IPO, eine volle Pipeline weiterer Tech-Börsengänge und ein möglicher Zinsanstieg ziehen gleichzeitig an derselben Liquidität. Dass mit Strategy ausgerechnet ein langjähriger Bitcoin-Verfechter verkauft, verstärkt die vorsichtige Stimmung – ist für sich genommen aber kein Trendbruch, sondern ein Signal unter mehreren. Gleichzeitig handelt es sich um eine Momentaufnahme: Umschichtungen rund um einen prominenten IPO sind häufig vorübergehend, und der direkte Kapitalfluss von Krypto in SpaceX lässt sich nicht zweifelsfrei nachweisen. Für Privatanleger, die zwischen KI-Aktien und Kryptowährungen abwägen, ist das vor allem eine Erinnerung daran, dass beide Segmente derselben Risikobereitschaft folgen und sich kurzfristig gegenseitig Kapital entziehen können.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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