Grayscale rät Strategy zum Verkauf von Bitcoin – das steckt hinter dem Vorstoß

Raphael Lulay

29.06.2026, 12:14 Uhr

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Die Debatte um das Treasury-Modell von Strategy bekommt prominente Verstärkung. Zach Pandl, Research-Chef beim Vermögensverwalter Grayscale, hat sich öffentlich dafür ausgesprochen, dass das Unternehmen von Michael Saylor einen Teil seiner Bitcoin-Reserven abstößt. Auf der Plattform X schrieb Pandl, Strategy solle Bitcoin im Wert von mindestens drei Milliarden US-Dollar verkaufen. Mit dem Erlös ließen sich nach seiner Einschätzung nahezu sämtliche Barverpflichtungen der kommenden zwei Jahre decken. Ein solcher Schritt würde, so seine Argumentation, das Vertrauen des Marktes wahrscheinlich wiederherstellen.

Der Vorstoß trifft das Unternehmen in einer angespannten Phase. Strategy hält rund 847.363 Bitcoin, was etwa vier Prozent aller jemals existierenden Einheiten entspricht. Der durchschnittliche Einstandspreis liegt bei rund 75.650 Dollar pro Coin – deutlich über dem aktuellen Marktniveau. Damit steht die gesamte Position klar im Minus, der rechnerische Buchverlust bewegt sich im zweistelligen Milliardenbereich. Gleichzeitig ist die Stammaktie MSTR erstmals seit Anfang 2024 unter die Marke von 100 Dollar gerutscht, die Vorzugsaktie STRC notiert seit Wochen unter ihrem Nennwert von 100 Dollar.

Warum der Finanzierungsmechanismus ins Stocken gerät

Das Geschäftsmodell von Strategy beruht seit Jahren auf einem einfachen Kreislauf: Das Unternehmen gibt Aktien und Vorzugspapiere aus, kauft mit dem Kapital Bitcoin und profitiert von einem Aufschlag der Aktie auf den eigentlichen Bitcoin-Wert. Dieser Aufschlag ist zuletzt verschwunden – die Aktie wird inzwischen niedriger bewertet als die gehaltenen Bitcoin. Damit verliert der Mechanismus seine treibende Kraft, weil sich frisches Kapital nicht mehr zu günstigen Bedingungen beschaffen lässt.

Besonders im Fokus steht die Vorzugsaktie STRC. Sie sollte eigentlich nahe ihrem Nennwert von 100 Dollar gehandelt werden, fiel zuletzt aber deutlich darunter. Dadurch stieg die effektive Rendite auf rund 14 Prozent, was die Finanzierungskosten für Strategy spürbar erhöht. Hinzu kommt, dass das Unternehmen Ende Mai erstmals seit 2022 selbst Bitcoin verkauft hat – ein vergleichsweise kleiner Posten, der jedoch unmittelbar der Deckung der STRC-Dividenden diente und vom Markt als Warnsignal gewertet wurde.

Pandl rechnet mit Dividendenerhöhung statt Verkauf

Trotz seines Vorschlags rechnet Pandl nicht damit, dass Strategy tatsächlich in größerem Umfang Bitcoin verkauft. Realistischer hält er eine Anhebung der STRC-Dividende um 50 Basispunkte. Das würde die jährlichen Zahlungsverpflichtungen nach seiner Schätzung um rund 100 Millionen Dollar erhöhen – ein Schritt, der dem Marktvertrauen seiner Einschätzung nach eher schaden als helfen dürfte.

Mit seiner Skepsis steht der Grayscale-Stratege nicht allein. Bereits in der Vorwoche hatte die Analyseplattform CryptoQuant empfohlen, weitere Bitcoin-Käufe vorerst auszusetzen und stattdessen die Barreserven aufzustocken. Auch aus anderen Ecken der Branche wächst die Kritik am gehebelten Treasury-Ansatz. Für Anleger verschiebt sich der Blick damit zunehmend weg vom reinen Bitcoin-Kurs hin zur Frage, wie belastbar die Finanzierungsarchitektur von Strategy unter anhaltendem Druck tatsächlich ist.

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