CryptoQuant-Warnung an Saylor: Strategy soll Bitcoin-Käufe stoppen

Raphael Lulay

26.06.2026, 21:35 Uhr

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Michael Saylor steht so stark unter Druck wie selten zuvor. Ein neuer CryptoQuant-Report vom 23. Juni 2026 fordert seine Treasury-Firma Strategy unmissverständlich auf, weitere Bitcoin-Käufe vorübergehend einzustellen und stattdessen die Dollarreserve wieder aufzubauen. Auslöser ist die zunehmend angespannte Bilanzlage, die sich im freien Fall der Vorzugsaktie Stretch (STRC) widerspiegelt – und die sich seit Veröffentlichung des Reports noch verschärft hat.

STRC sollte einkommensorientierten Anlegern eigentlich einen stabilen Kurs nahe der 100-Dollar-Marke und eine Dividende von 11,5 Prozent bieten. Doch das Konstrukt funktioniert derzeit nicht: Am 24. Juni rutschte das Papier auf ein Allzeittief von knapp unter 74 Dollar und notierte auch im Handel am 26. Juni nur noch bei rund 74 bis 75 Dollar – ein Abschlag von etwa einem Viertel zum Zielwert. Bei diesem Kursniveau klettert die effektive Rendite für Neukäufer auf rund 15 Prozent, was den Marktdruck deutlich macht. Die MSTR-Stammaktie hat auf Monatssicht rund 46 Prozent verloren, fiel am 26. Juni auf ein neues 52-Wochen-Tief bei gut 82 Dollar und liegt damit über 80 Prozent unter ihrem Allzeithoch vom Juli 2025. Parallel dazu fiel der Bitcoin-Kurs unter die Marke von 60.000 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Oktober 2024.

Warum CryptoQuant die Notbremse fordert

Die Analysten begründen ihren Appell mit harten Zahlen. Strategys Dollar-Liquiditätsreserve ist seit Jahresbeginn 2026 um 38 Prozent geschrumpft, während sich die annualisierten Dividendenverpflichtungen auf 1,2 Milliarden US-Dollar vervierfacht haben. Die rechnerische Deckung dieser Verpflichtungen durch verfügbares Cash ist damit von über sieben Jahren auf nur noch rund 14 Monate eingebrochen. Gleichzeitig sitzt das Unternehmen auf hohen nicht realisierten Bitcoin-Verlusten: Während CryptoQuant zum Stichtag 23. Juni noch von 10,6 Milliarden US-Dollar ausging, taxieren Marktbeobachter den Verlust nach dem weiteren BTC-Absturz inzwischen auf rund 14 Milliarden US-Dollar. Jeder erzwungene Verkauf zu aktuellen Kursen würde damit Aktionärswert vernichten.

Der Lösungsvorschlag von CryptoQuant ist klar: Strategy soll die Bitcoin-Käufe pausieren und die Cashreserve mittelfristig auf rund 2,8 Milliarden US-Dollar aufstocken, was etwa 24 Monaten Dividendendeckung entspräche. Erst das schaffe die Voraussetzung für eine Kurserholung von STRC.

Saylors Reaktion und die Aussichten für Anleger

Saylor scheint die Problematik erkannt zu haben, ohne ganz von Zukäufen abzulassen. Per X erklärte er, die USD-Reserve um 300 Millionen auf 1,4 Milliarden US-Dollar aufgestockt zu haben und diese weiter auffüllen zu wollen. Erst zu Wochenbeginn kündigte er jedoch zugleich eine weitere Bitcoin-Akquisition über 35 Millionen US-Dollar an – ein Spagat, der die Kritik der Analysten erst auslöste. Zusätzlich belasten neue Negativschlagzeilen: Die Kanzlei Rosen Law Firm hat eine Untersuchung im Hinblick auf eine mögliche Sammelklage gegen Strategy eingeleitet, und die Bitcoin-Spot-ETFs verzeichneten zuletzt Rekordabflüsse.

Für Bitcoin-Anleger gibt der Report immerhin teilweise Entwarnung: Strategy ist nicht verpflichtet, BTC zu verkaufen, um den STRC-Kurs zu stützen. Statt Notverkäufen könnte das Unternehmen die Dividende erhöhen oder neue MSTR-Aktien ausgeben, um Zahlungsfähigkeit zu signalisieren. Größere Bitcoin-Abgaben in näherer Zukunft sind damit unwahrscheinlich – die eigentliche Bewährungsprobe für Saylors Modell bleibt aber, ob sich STRC ohne weiteren Bitcoin-Rückenwind überhaupt erholen kann.