Das Wichtigste in Kürze:
- Über JPMorgans Blockchain-Plattform Kinexys laufen nach Angaben der Bank durchschnittlich mehr als 7 Milliarden US-Dollar pro Tag.
- Beim Einlagen-Token JPM Coin zählte Tiger Research auf der Blockchain Base bis zum 3. November 2026 lediglich 48 Transfers.
- Der Finanzdienstleister Broadridge verarbeitete im September über seine eigene Blockchain-basierte Repo-Plattform durchschnittlich 359 Milliarden US-Dollar pro Tag.
JPMorgan gehört zu den größten Banken der Welt – und investiert seit Jahren in Blockchain-Technologie. Über die bankeigene Plattform Kinexys werden bereits täglich Milliardenbeträge abgewickelt. Beim JPM Coin, einem Token für institutionelle Kunden auf öffentlichen Blockchains, fällt die bisher sichtbare Aktivität dagegen überschaubar aus.
Eine am 3. November veröffentlichte Analyse von Tiger Research zeigt, wie unterschiedlich weit JPMorgans Blockchain-Produkte sind. Der Blick auf einen weiteren Finanzdienstleister macht zugleich deutlich: In einzelnen Bereichen hat sich die Technologie bereits in erheblichem Umfang etabliert.
Kinexys umfasst mehrere institutionelle Anwendungen. JPM Coin ist ein Einlagen-Token, dessen Transfers unter anderem auf Base öffentlich einsehbar sind.
Quellen: JPMorgan und Tiger Research. Dollarvolumen und Transferzahl messen unterschiedliche Aktivitäten und beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume.
JPM Coin: Auf Base bislang nur wenige Transfers
Mit JPM Coin, dessen Kürzel JPMD lautet, können berechtigte institutionelle Kunden Bankeinlagen in Form eines Tokens auf einer öffentlichen Blockchain nutzen. JPMorgan hatte das Produkt zunächst auf Base getestet und später für institutionelle Kunden verfügbar gemacht. Die Bank sieht darin unter anderem eine Möglichkeit, Zahlungen und die Abwicklung digitaler Vermögenswerte schneller auszuführen.
Die bislang sichtbare Nutzung auf Base ist laut Tiger Research allerdings gering: Seit der ersten Ausgabe im Juni 2025 registrierte das Analysehaus bis zum 3. November 2026 insgesamt 48 Transfers. Seit dem 20. Februar 2026 habe es auf dem Netzwerk keinen weiteren Transfer gegeben.
Der Befund ist auf Base und den dort untersuchten Token beschränkt. Er erlaubt keine Aussage über die gesamte Aktivität auf JPMorgans Plattform Kinexys oder über alle anderen Netzwerke, auf denen die Bank Blockchain-Produkte anbietet.
Für den Kryptomarkt ist der Unterschied dennoch interessant: Während Stablecoins wie USDC auf öffentlichen Blockchains breit genutzt werden, richtet sich JPM Coin an zugelassene institutionelle Kunden und bildet eine Bankeinlage ab. Wie schnell sich ein solches Produkt durchsetzt, hängt damit auch davon ab, ob Unternehmen und Finanzinstitute es in ihre bestehenden Abläufe integrieren.
Kinexys verarbeitet bereits Milliardenbeträge
Anders sieht es bei Kinexys insgesamt aus. Auf ihrer Produktseite beziffert JPMorgan das durchschnittliche tägliche Transaktionsvolumen der Plattform auf mehr als 7 Milliarden US-Dollar. Dazu gehören verschiedene Blockchain-Anwendungen; die Summe ist daher nicht mit den Transfers des einzelnen JPM Coin auf Base gleichzusetzen.
Ein Bestandteil sind Blockchain-Einlagenkonten für Unternehmen. Sie sollen Überweisungen zwischen entsprechenden Konten auch außerhalb üblicher Bankzeiten ermöglichen. Unternehmen können die Infrastruktur beispielsweise nutzen, um Geld zwischen eigenen Gesellschaften zu bewegen oder Zahlungen an bestimmte Bedingungen zu knüpfen.
Gemessen am gesamten Zahlungsverkehr der Bank bleibt das Blockchain-Geschäft laut Tiger Research dennoch klein. Das Analysehaus setzt die für Kinexys genannten rund 7 Milliarden US-Dollar ins Verhältnis zu etwa 12 Billionen US-Dollar, die JPMorgan insgesamt täglich im Zahlungsverkehr verarbeitet. Daraus ergibt sich ein Anteil von ungefähr 0,06 Prozent.
Für die Blockchain-Einlagenkonten allein schätzt Tiger Research das tägliche Volumen auf etwa 3,5 Milliarden US-Dollar. Diese Zahl ist mit Vorsicht zu behandeln: Sie setzt voraus, dass die Konten weiterhin ungefähr die Hälfte des Kinexys-Volumens ausmachen. Eine aktuelle separate Angabe der Bank liegt der Analyse zufolge nicht vor.
Ein Konkurrent zeigt, wo Blockchain bereits stärker genutzt wird
Dass Blockchain-Anwendungen im institutionellen Finanzgeschäft auch deutlich größere Volumen erreichen können, zeigen Angaben von Broadridge. Der Finanzdienstleister teilte im Oktober mit, dass über seine Plattform Distributed Ledger Repo im September durchschnittlich 359 Milliarden US-Dollar pro Tag abgewickelt wurden. Für den gesamten Monat belief sich das Volumen auf 7,5 Billionen US-Dollar.
Die Plattform ist auf sogenannte Repo-Geschäfte ausgerichtet. Dabei beschaffen sich Finanzinstitute kurzfristig Liquidität gegen Wertpapiere als Sicherheit. Die Kennzahl von Broadridge beschreibt somit einen anderen Geschäftsausschnitt als JPMorgans gesamte Kinexys-Plattform; aus den beiden Zahlen lässt sich kein unmittelbarer Marktanteils- oder Leistungsvergleich ableiten.
Für Anleger, die sich mit Blockchain-Unternehmen beschäftigen, liegt genau darin die wichtige Unterscheidung: Hinter dem Begriff stehen sehr verschiedene Produkte – von internen Bankzahlungen über tokenisierte Einlagen bis zur Abwicklung besicherter Finanzierungsgeschäfte. JPMorgans Beispiel zeigt, dass eine Bank in einem Bereich bereits hohe Volumen erreichen kann, während die Nutzung eines anderen Produkts noch am Anfang steht.
Quellen und Methodik: Die Angaben zu den JPM-Coin-Transfers auf Base und die Einordnung des JPMorgan-Zahlungsverkehrs stammen aus der Analyse von Tiger Research vom 3. November 2026. Das Kinexys-Volumen und die Produktbeschreibung beruhen auf Angaben von JPMorgan und der Mitteilung zum JPMD-Pilotprojekt. Die Repo-Zahlen stammen aus der Mitteilung von Broadridge vom 8. Oktober 2026. Die Angaben der Unternehmen sind Eigenangaben; die Zeiträume und erfassten Geschäftsbereiche unterscheiden sich.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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