Krypto-Diebstahl über 133 Millionen Dollar? ZachXBT nennt französische Bank als mögliches Opfer

Raphael Lulay

04.11.2026, 11:30 Uhr

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Mehr als 133 Millionen US-Dollar könnten bei einem Krypto-Diebstahl in Europa abhandengekommen sein. Blockchain-Ermittler ZachXBT nennt inzwischen die französische Bank Crédit Mutuel Arkéa als mutmaßlich Betroffene – bestätigt ist die Zuordnung bislang nicht. Eine separate Analyse zeigt, dass ein Großteil der untersuchten Gelder zunächst an bereits bekannte Wallet-Adressen floss.

Das Wichtigste in Kürze:

  • ZachXBT beziffert den möglichen Schaden auf mehr als 133 Millionen US-Dollar und nennt Crédit Mutuel Arkéa als mutmaßliches Opfer.
  • Bitquery verfolgte separat rund 108,8 Millionen US-Dollar in USDC, die am 1. und 2. November von drei Kryptobörsen an 15 Wallets gingen.
  • Elf dieser 15 Adressen hatten den untersuchten Daten zufolge schon zuvor Zahlungen von denselben Börsen erhalten. Sie empfingen 84 Prozent der von Bitquery erfassten Summe.
  • Die Identität des Opfers, der genaue Zugriffsweg und ZachXBTs Vorwurf einer Vertuschung sind bislang nicht unabhängig bestätigt.

Der mögliche Vorfall wirft eine ungewöhnliche Frage auf: Wie können Kryptowerte in dreistelliger Millionenhöhe von mehreren Börsenkonten verschwinden – und die betroffene Einrichtung zunächst unbekannt bleiben?

Eine Antwort darauf ist noch nicht vollständig möglich. Die Blockchain-Analyse von Bitquery liefert aber Hinweise auf den Weg der Gelder. Dabei stießen die Ermittler auf ein Detail: Die meisten der untersuchten Auszahlungen gingen zunächst an Adressen, die bereits zuvor mit den Börsenkonten in Verbindung standen.

Wohin die untersuchten USDC zuerst flossen

Anteil der rund 108,8 Millionen US-Dollar, die Bitquery am 1. und 2. November 2026 von drei Börsen an 15 Wallets zurückverfolgte

11 zuvor von denselben Börsen genutzte Adressen 84 %
4 an diesen Tagen erstmals genutzte Adressen 16 %

Quelle: Bitquery. Die 16 Prozent ergeben sich rechnerisch als Rest. Die Auswertung erfasst die von Bitquery untersuchten Ethereum-Transfers und nicht zwingend sämtliche mit dem vermuteten Vorfall verbundenen Gelder.

ZachXBT nennt erstmals eine französische Bank

Am 2. November machte ZachXBT zunächst auf verdächtige Abflüsse von mehr als 106 Millionen US-Dollar aufmerksam. Die Gelder seien von mehreren Konten bei zentralisierten Kryptobörsen abgezogen und anschließend weiterbewegt worden.

In einem späteren Update berichtete der Ermittler von zusätzlichen Auszahlungen im Umfang von mehr als 27 Millionen US-Dollar. Seine Schätzung für den gesamten möglichen Vorfall stieg damit auf über 133 Millionen US-Dollar. Ein Teil der Abhebungen habe nach seiner ersten öffentlichen Warnung stattgefunden.

In einem weiteren Beitrag nannte ZachXBT schließlich Crédit Mutuel Arkéa als mutmaßlich betroffene Einrichtung. Nach seiner Einschätzung könnte der Schaden noch höher ausfallen, wenn weitere außerbörsliche Aktivitäten berücksichtigt würden.

Diese Zuordnung ist ein Verdacht des Ermittlers. Eine Bestätigung der Bank oder einer Behörde liegt in den ausgewerteten Quellen nicht vor. Auch ist offen, ob und in welchem Umfang Kundengelder betroffen sein könnten. ZachXBTs Vermutung, der Vorfall werde vertuscht, ist ebenfalls nicht belegt.

Bekannte Wallets, neue Adressen: Wie die Gelder weiterflossen

Bitquery untersuchte unabhängig davon Ethereum-Transfers, die das Analyseunternehmen mit dem mutmaßlichen Vorfall verbindet. Demnach wurden am 1. und 2. November rund 108,8 Millionen US-Dollar in USDC von Konten bei Kraken, Crypto.com und OKX an 15 Wallet-Adressen ausgezahlt.

Die Mehrheit dieser Adressen war nicht neu: Elf hatten laut Bitquery bereits zuvor Zahlungen von denselben Börsen erhalten. Sie bekamen zusammen 84 Prozent der untersuchten Summe. Anschließend seien Gelder teilweise rasch an neue Wallets weitergeleitet worden.

Für die Ermittler ist das relevant, weil manche Börsen Auszahlungen auf zuvor freigegebene Adressen beschränken. Bitquery hält es für möglich, dass neben dem Zugang zu Börsenkonten auch Schlüssel zu bereits verwendeten Wallets kompromittiert wurden. Wie der Zugriff tatsächlich gelang, ist bisher ungeklärt. Aus den beobachteten Transfers allein folgt auch nicht, dass die Kryptobörsen selbst gehackt wurden.

Ein Teil der USDC wurde nach Angaben der Ermittler in Ether getauscht. ZachXBT beschreibt zudem Transfers über Tauschdienste und Verbindungen zu Monero. Solche Schritte können die Nachverfolgung erschweren: Während Transaktionen auf Ethereum öffentlich einsehbar sind, schützt Monero Transaktionsdetails durch zusätzliche Privatsphäre-Funktionen.

Millionen eingefroren – doch ein großer Teil blieb in Bewegung

Bitquery prüfte auch, welche Gelder auf Ethereum noch erreichbar waren. Zum Zeitpunkt der Auswertung am 3. November um 13:27 Uhr UTC lagen demnach rund 61 Millionen US-Dollar in Adressen, die das Unternehmen mit dem mutmaßlichen Täter verbindet – überwiegend in Ether.

Der Stablecoin-Emittent Tether hatte laut Bitquery zu diesem Zeitpunkt rund 1,14 Millionen USDT eingefroren. Bei zentral ausgegebenen Stablecoins können Emittenten bestimmte Guthaben technisch sperren. Bei Ether gibt es keinen einzelnen Herausgeber, der auf dieselbe Weise einzelne Guthaben einfrieren könnte.

Die Momentaufnahme zeigt allerdings nicht, wie viel am Ende zurückgeholt wird. Gelder können weitertransferiert werden, während Börsen und Behörden zusätzliche Möglichkeiten haben, Konten zu prüfen oder Vermögenswerte zu sichern. Die öffentlich sichtbaren Blockchain-Daten beantworten auch nicht, wem die ursprünglichen Konten tatsächlich gehören.

Der Fall verdeutlicht damit eine Grenze der Blockchain-Ermittlung: Geldbewegungen lassen sich oft detailliert nachvollziehen. Die Zuordnung zu einem Opfer und die Frage, wie ein Zugriff zustande kam, benötigen zusätzliche Belege. Wie groß die Schäden durch Angriffe auf digitale Vermögenswerte ausfallen können, zeigt auch unsere Übersicht zu Krypto-Hacks. Für Nutzer bleiben zudem grundlegende Sicherheitsmaßnahmen für Kryptowerte relevant – unabhängig davon, wie sich dieser konkrete Fall entwickelt.

Quellen und Methodik: Grundlage sind die öffentlichen Meldungen von ZachXBT und die separate On-Chain-Untersuchung von Bitquery. ZachXBTs Schätzung von mehr als 133 Millionen US-Dollar und die von Bitquery untersuchten 108,8 Millionen US-Dollar beruhen auf unterschiedlichen Abgrenzungen und werden nicht addiert. Bitquerys Angaben zu verbliebenen und eingefrorenen Geldern sind eine Momentaufnahme vom 3. November 2026. Stand des Beitrags: 4. November 2026.