Bitcoin steht am Mittwochmorgen bei 66.943 US-Dollar und gibt damit 5,1 Prozent gegenüber dem Vortag ab. Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf 11,3 Prozent. Die Schwäche fällt in eine Phase, in der die Aktienmärkte praktisch im Tagesrhythmus neue Höchststände markieren – ein Auseinanderlaufen, das die Analysten der norwegischen Researchfirma K33 zum Anlass nehmen, ihren Ausblick spürbar defensiver zu fassen.
Der Kern ihrer Argumentation: Anleger ziehen Kapital aus dem Kryptomarkt ab und schichten in KI-nahe Aktien um. Wer Bitcoin halte, verzichte derzeit auf die Kursgewinne in einem Sektor, der nahezu ungebremst steigt – und genau diese Opportunitätskosten würden zunehmend als zu hoch empfunden. K33-Researchchef Vetle Lunde führt die jüngste BTC-Schwäche auf ein Zusammenspiel aus nachlassender institutioneller Nachfrage, deutlichen ETF-Abflüssen und wachsenden Risiken an den Derivatemärkten zurück.
ETF-Abflüsse machen die Rotation sichtbar
Am klarsten lässt sich der Kapitalabzug an den Spot-Bitcoin-ETFs ablesen. Über die vergangenen drei Wochen flossen aus diesen Produkten knapp 62.800 BTC ab – die zweitgrößte zusammenhängende Abflussserie, die K33 in seinen Daten verzeichnet. Beschleunigt habe sich der Verkaufsdruck, nachdem Bitcoin im Vormonat am 200-Tage-Durchschnitt scheiterte und dieses Niveau bis heute nicht zurückerobern konnte.
Während die Kryptoleitwährung an dieser charttechnischen Hürde hängenbleibt, laufen Nasdaq und S&P 500 in die andere Richtung. Zusätzliches Anziehungspotenzial sieht Lunde in der Pipeline anstehender Tech-Börsengänge: Namen wie SpaceX und Anthropic könnten weiteres Kapital binden, das andernfalls womöglich im Kryptomarkt gelandet wäre.
Wackelt der 60.000-Dollar-Boden?
Bemerkenswert ist vor allem der Tonwechsel bei K33 selbst. Noch zuletzt hatte das Haus den Februar-Rücksetzer auf rund 60.000 US-Dollar als wahrscheinliches Zyklustief eingeordnet – gestützt unter anderem auf ausgeprägt negative Finanzierungssätze in den Perpetual-Futures, die als Nährboden für kräftige Short Squeezes galten.
Die aktuelle Gemengelage liest sich anders. Das offene Interesse an den CME-Bitcoin-Futures ist auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2023 gesunken, was auf einen Rückzug institutioneller Adressen hindeutet. Parallel ziehen Finanzierungsraten und offenes Interesse bei den Perpetual-Kontrakten an – und das, obwohl der Kurs fällt. Für K33 ein Warnsignal: Hier werde in einen schwächer werdenden Markt hinein gehebelt long gegangen, was bei nachgebenden Kursen latenten Verkaufsdruck aufbaut und tiefere Tiefs nicht ausschließt.
Die langfristige These bleibt dennoch bestehen. Gegenüber Aktien hält K33 Bitcoin weiterhin für unterbewertet. Kurz- bis mittelfristig aber, mit zögerlichem externem Kapital und Bestandshaltern, die Positionen reduzieren, rechnet das Haus mit einem unbequemeren Marktumfeld als noch vor wenigen Wochen – einem, wie es formuliert, turbulenten Sommer.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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