Stablecoin-Streit: EZB setzt auf digitalen Euro, Fed lobt den Dollar-Token

Alex Merten

02.06.2026, 11:00 Uhr

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Die führenden Notenbanken des Westens bewerten Stablecoins zunehmend gegensätzlich. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel warnte am 1. Juni auf der Bank-of-Korea-Konferenz in Seoul, dass Stablecoins die Finanzstabilität, die Geldpolitik und die monetäre Souveränität Europas gefährden könnten. Ihre Antwort: der digitale Euro. Auf der anderen Seite des Atlantiks vertritt die US-Notenbank Fed die umgekehrte Position – und genau diese Divergenz wird für Europa zum Problem.

Schnabel verglich Stablecoins in ihrer Rede mit Geldmarktfonds der 1970er-Jahre: nützliche Innovation, aber mit altbekannten Risiken wie Bank Runs, Fire Sales und der Verdrängung klassischer Bankeinlagen. Besonders kritisch sieht sie die Dollar-Dominanz im Markt. Nahezu alle umlaufenden Stablecoins sind in US-Dollar denominiert – laut Schnabel könnte ihr Wachstum den jahrzehntelangen Bedeutungsverlust des Dollars stoppen oder sogar umkehren. Für den Euro bliebe in diesem Szenario kaum Spielraum.

Euro-Stablecoins liegen aussichtslos zurück

Die nackten Zahlen unterstreichen Schnabels Sorge. Der globale Stablecoin-Markt umfasst rund 320 Milliarden US-Dollar, dominiert von USDT und USDC. Euro-basierte Alternativen kommen zusammen auf unter eine Milliarde Dollar – ein Verhältnis von mehr als 300 zu 1. Der digitale Euro als staatliche Gegenoffensive ist derweil nicht vor Ende 2027 in der Pilotphase, eine mögliche erste Ausgabe peilt die EZB erst für 2029 an, sofern 2026 die nötige Gesetzgebung kommt. Die zeitliche Lücke zwischen Problem und Lösung ist also beträchtlich.

Fed hält dagegen – und auch Europa ist sich uneins

Während die EZB Stablecoins als Risiko einstuft, sieht Fed-Gouverneur Christopher Waller in ihnen eine Stütze für den US-Dollar. Staatliche Digitalwährungen (CBDCs) bezeichnete er als „Lösung auf der Suche nach einem Problem“. US-Finanzminister Scott Bessent bekräftigte zuletzt, die aktuelle Regierung werde keine CBDC zulassen, und drängte den Kongress, stattdessen den CLARITY Act zu verabschieden. Die USA setzen damit klar auf den privaten, dollarbasierten Stablecoin – nicht auf Zentralbankgeld.

Selbst innerhalb Europas verläuft keine einheitliche Linie. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel warb im Februar für euro-denominierte Stablecoins, während EZB-Präsidentin Christine Lagarde zuletzt eine kritische Haltung einnahm – auf die sich Schnabel in Seoul ausdrücklich bezog. Die Notenbanker sind sich also weder über den Atlantik hinweg noch innerhalb der Eurozone einig, wie mit der neuen Geld-Konkurrenz umzugehen ist. Für Europas Position im globalen Währungswettbewerb ist diese Zerrissenheit das eigentliche Risiko.

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