Die deutsche Krypto-Steuerdebatte hat eine überraschende Wendung genommen. Während die Bundesregierung eine Abschaffung der einjährigen Haltefrist plant, warnt ausgerechnet die Branche selbst – allerdings mit einem Argument, das der Politik zu denken geben dürfte: Der geplante Systemwechsel könnte am Ende weniger Steuergeld in die Kassen spülen, nicht mehr.
Der Blockchain Bundesverband, kurz Bundesblock, hat dazu ein Positionspapier vorgelegt. Der Verband plädiert dafür, die bestehende Systematik beizubehalten und stattdessen an den eigentlichen Schwachstellen anzusetzen: dem Steuervollzug und der Rechtssicherheit bei komplexen Vorgängen wie DeFi, Staking und Airdrops.
Warum eine Pauschalsteuer weniger einbringen könnte
Der Kern der Argumentation ist steuerlogisch. Nach geltendem Recht sind Krypto-Gewinne nach einem Jahr Haltedauer komplett steuerfrei. Wer dagegen innerhalb der Jahresfrist verkauft, zahlt den persönlichen Einkommensteuersatz – und der reicht bis zu 45 Prozent. Kurzfristige Spekulation wird also spürbar härter besteuert als langfristiges Halten.
Eine pauschale Abgeltungsteuer nach Aktien-Vorbild würde diese hohe Belastung kurzfristiger Gewinne kappen. Statt bis zu 45 Prozent fiele nur noch ein niedrigerer Pauschalsatz an. Hinzu kämen neue Verlustverrechnungsmöglichkeiten, die das Steueraufkommen zusätzlich schmälern könnten. Der scheinbare Vereinfachungsgewinn hätte damit einen fiskalischen Preis.
Österreich als Warnung, nicht als Vorbild
Besonders kritisch bewertet der Bundesblock das oft zitierte österreichische Modell, bei dem Krypto-Gewinne unabhängig von der Haltedauer pauschal mit 27,5 Prozent besteuert werden und inländische Anbieter die Steuer direkt einbehalten. Was nach Vereinfachung aussieht, löse die Kernprobleme nicht: Selbstverwahrung, DeFi und ausländische Handelsplätze blieben schwer erfassbar. Die Gefahr sei, dass Nutzer schlicht auf Börsen im Ausland ausweichen.
Statt eines hastigen Tarifwechsels fordert der Verband erst einmal eine bessere Datenbasis – etwa die Auswertung der Krypto-Angaben in Steuererklärungen ab 2023 und der ab 2026 verfügbaren DAC8-Daten. Ergänzend schlägt der Bundesblock ein laufend gepflegtes BMF-Schreiben zu DeFi, Staking und NFTs, amtliche Kursreferenzen nach Schweizer Vorbild, De-minimis-Regeln für Kleinstbeträge sowie eine ELSTER-Schnittstelle für standardisierte Krypto-Steuerdaten vor. Die Botschaft: Rechtssicherheit und funktionierender Vollzug wirken stärker als ein neuer Tarif – und Deutschland solle seinen Standortvorteil nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.
Der Vorstoß fällt in eine hitzige Debatte. Zuletzt hatte Finanzminister Lars Klingbeil bestätigt, dass Kryptowährungen ab 2027 steuerlich wie Kapitaleinkünfte behandelt werden sollen – genau der Systemwechsel, vor dessen Nebenwirkungen der Bundesblock nun warnt.
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Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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