Der Zahlungsdienstleister Stripe hat gemeinsam mit dem Finanzinvestor Advent International ein Übernahmeangebot für PayPal vorgelegt. Geboten werden 60,50 US-Dollar je Aktie in bar – eine Bewertung von mehr als 53 Milliarden US-Dollar und ein Aufschlag von rund 28 Prozent auf den letzten Schlusskurs vor Bekanntwerden. Zuerst berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, offiziell äußern sich die beteiligten Unternehmen bislang nicht. Die PayPal-Aktie beendete den Handelstag mit einem Plus von rund 17 Prozent.
Für Laien zur Einordnung: Stripe und PayPal bedienen zwei verschiedene Seiten desselben Marktes. PayPal kennt fast jeder Verbraucher vom Online-Shopping. Stripe dagegen arbeitet im Hintergrund – das Unternehmen stellt die technische Infrastruktur bereit, mit der Millionen Onlineshops und Plattformen Kartenzahlungen abwickeln. Als Endkunde sieht man Stripe praktisch nie. Genau darin liegt die Logik des Angebots: Stripe fehlt der direkte Zugang zum Konsumenten, PayPal bringt ihn mit.
Stripe und PayPal: Das Übernahmeangebot im Detail
Nach übereinstimmenden Medienberichten ist das Angebot mit rund 50 Milliarden US-Dollar an zugesagter Bankfinanzierung unterlegt. Stripe, Advent und dem Vernehmen nach auch der Zahlungskonzern Block steuern zusammen etwa 17 Milliarden US-Dollar Eigenkapital bei. Stripe und Advent wollen PayPal zu gleichen Teilen übernehmen und das Unternehmen nicht zerschlagen. Ein erster Kontakt datiert bereits auf April 2026, blieb damals aber ohne Ergebnis. Der Verwaltungsrat von PayPal soll sich Berichten zufolge bereits am 20. Juli mit dem Angebot befassen.
Die Größenordnung verdeutlicht zugleich den Absturz von PayPal: Auf dem Höhepunkt 2021 war der Konzern an der Börse knapp 360 Milliarden US-Dollar wert. Vor dem Übernahmeangebot waren es noch rund 42 Milliarden – ein Rückgang von fast 90 Prozent. Konkurrenz durch Apple Pay und Google Pay, schwaches Wachstum im Kerngeschäft und mehrere Strategiewechsel haben Spuren hinterlassen. Stripe selbst ist nicht börsennotiert und wurde zuletzt bei einem Anteilsverkauf an Mitarbeiter mit 159 Milliarden US-Dollar bewertet – also rund dreimal so hoch wie das Übernahmeziel.
Warum steigt die PayPal-Aktie – und reicht das Gebot?
Der Kurssprung von 17 Prozent spiegelt die Erwartung, dass ein Deal zustande kommen könnte – oder dass nachgebessert wird. Auf der Prognoseplattform Polymarket wurde die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme zuletzt mit über 80 Prozent bepreist. Zugleich gibt es prominente Zweifel an der Höhe des Angebots: Investor Michael Burry, bekannt aus der Finanzkrise 2008, bezeichnete die 60,50 US-Dollar öffentlich als zu niedrig und lediglich als Eröffnungsgebot. Er beziffert den fairen Wert von PayPal auf 75 bis 115 US-Dollar je Aktie.
Auch aus dem Umfeld von PayPal kommen Signale der Zurückhaltung. Medienberichten zufolge hat sich das Unternehmen bislang nicht auf Gespräche eingelassen, eine Einigung zur gebotenen Bewertung gilt als offen. Festzuhalten bleibt: Es handelt sich um ein Angebot, nicht um eine Vereinbarung. Der Ausgang ist ungewiss, und kartellrechtliche Prüfungen wären bei einem Zusammenschluss zweier Zahlungsriesen in mehreren Märkten wahrscheinlich.
Was bedeutet der Deal für den Stablecoin-Markt?
Hinter dem Angebot steckt mehr als klassischer Zahlungsverkehr. Stripe baut seit gut einem Jahr systematisch ein Krypto-Geschäft auf: 2025 übernahm der Konzern den Stablecoin-Infrastrukturanbieter Bridge für 1,1 Milliarden US-Dollar und den Wallet-Spezialisten Privy. Parallel entwickelt Stripe eine eigene Blockchain namens Tempo und trat im Juni 2026 dem Open-USD-Konsortium bei – einem von über 140 Unternehmen getragenen Stablecoin-Projekt, das direkt gegen die Marktführer Tether und Circle positioniert ist.
Zur Erklärung: Stablecoins sind digitale Token, deren Wert fest an eine Währung wie den US-Dollar gekoppelt ist. Sie ermöglichen schnelle, günstige Überweisungen rund um die Uhr und gelten als Wachstumsfeld im Zahlungsverkehr. PayPal betreibt mit PYUSD einen eigenen Dollar-Stablecoin, der in rund 70 Märkten verfügbar ist, und bringt mit Venmo über 60 Millionen aktive Nutzer in den USA mit. Kombiniert würde aus Stripes Firmen-Infrastruktur und PayPals Verbraucherbasis eine geschlossene Kette vom Unternehmenskonto bis zur Endkunden-Wallet – ein Szenario, das vor allem Circle unter Druck setzt. Dessen Aktie hat seit dem Open-USD-Start bereits deutlich verloren.
PayPal Aktie Prognose: Wie geht es jetzt weiter?
Die nächsten Wochen dürften Klarheit bringen. Entscheidend ist zunächst die Reaktion des PayPal-Verwaltungsrats, der das Angebot ablehnen, Nachverhandlungen anstoßen oder Gespräche aufnehmen kann. Die Bieter drängen Berichten zufolge auf eine Einigung noch im Juli. Lehnt PayPal ab, bleibt offen, ob Stripe und Advent nachlegen – der Abstand zwischen Gebot und den Kurszielen mancher Investoren ist erheblich.
Für Anleger gilt: Der aktuelle Kurs preist bereits eine hohe Deal-Wahrscheinlichkeit ein. Scheitert die Übernahme, droht ein Rücksetzer in Richtung des Kursniveaus vor der Meldung. Kommt sie zustande, hängt der weitere Verlauf vom finalen Preis ab. Unabhängig vom Ausgang zeigt der Vorstoß, wie stark klassischer Zahlungsverkehr und Krypto-Infrastruktur inzwischen zusammenwachsen – und dass die Konsolidierung in diesem Markt gerade erst beginnt.
Dieser Beitrag könnte Dich auch interessieren: IPO Aktien kaufen.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
Boersen-Parkett bei Google als bevorzugte Nachrichtenquelle markieren und keine Finanz- und Krypto-News mehr verpassen. Wie funktioniert das?