Reuters-Investigation: Trump-Familie kassiert 2,3 Milliarden Dollar – Anleger verlieren dieselbe Summe

Alex Merten

10.06.2026, 07:59 Uhr

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Eine umfangreiche Investigativ-Recherche der Nachrichtenagentur Reuters wirft ein Schlaglicht auf die Krypto-Geschäfte der Familie von US-Präsident Donald Trump. Das Ergebnis: Der Präsident und seine Söhne haben mit ihren wichtigsten Krypto-Projekten seit der Rückkehr ins Weiße Haus mindestens 2,3 Milliarden US-Dollar Gewinn eingefahren – während sie selbst kaum eigenes Kapital riskierten. Die Anleger, die in diese Projekte investierten, stehen laut Reuters-Berechnung spiegelbildlich mit rund 2,3 Milliarden Dollar im Minus.

Vier Projekte, ein Muster

Die Reuters-Journalisten untersuchten vier zentrale Krypto-Vorhaben der Familie. Im Mittelpunkt stehen der Memecoin $TRUMP sowie drei weitere Projekte, die alle demselben Schema folgten: Die Trumps gingen kaum ins eigene Risiko, Familienmitglieder – allen voran Eric Trump und Donald Trump Jr. – trommelten öffentlich für die Projekte, die Familie kassierte beim Einstieg der Anleger, und die Käufer verloren, als die Kurse später einbrachen.

Größtes Einzelprojekt ist World Liberty Financial, das mit dem Verkauf von Governance-Token mehr als 1,4 Milliarden Dollar einnahm. Daneben bewarben die Trump-Söhne zwei börsennotierte Unternehmen – American Bitcoin und ALT5 Sigma (inzwischen umbenannt in AI Financial Corp) – deren Aktienkurse ebenfalls deutlich nachgaben. Bis Ende April hatten laut Reuters mehr als eine Million Investoren Nettoverluste angehäuft – darunter private Krypto-Käufer, Aktionäre der verbundenen Unternehmen und Anleger in Krypto-Fonds.

Der Fall einer Kleinanlegerin

Exemplarisch schildert Reuters den Fall einer 29-jährigen Software-Ingenieurin aus Kalifornien. Sie investierte im Januar 2025 – kurz vor Trumps Amtsantritt – 2.000 Dollar ihrer Ersparnisse in den $TRUMP-Coin, weil sie den Namen des Präsidenten als Gütesiegel verstand. Ende Mai war ihre Position noch keine 120 Dollar wert.

Die Recherche zieht eine Parallele zu Trumps jahrzehntelangem Geschäftsmodell im Immobiliensektor: Der Markenname zieht Kapital an, während die Familie selbst weder nennenswertes Eigenkapital einsetzt noch langfristige finanzielle Risiken trägt. Bereits im vergangenen Jahr hatte ein Bericht demokratischer Mitglieder des Justizausschusses im Repräsentantenhaus dem Präsidenten vorgeworfen, sein Amt zur Bereicherung der Familie zu nutzen; der Bericht bezifferte die Digital-Asset-Bestände der Trumps zeitweise auf bis zu 11,6 Milliarden Dollar.

Einordnung: Politisch brisant, rechtlich offen

Trump selbst hat eine direkte Beteiligung an den Geschäften wiederholt zurückgewiesen und auf seine Söhne verwiesen, die das operative Geschäft führen. Strafrechtlich relevante Vorwürfe enthält die Reuters-Recherche nicht – sie dokumentiert vielmehr eine Asymmetrie zwischen Insider-Gewinnen und Anlegerverlusten, wie sie bei Memecoins und Token-Launches strukturell häufig auftritt. Für Anleger bleibt die Kernlektion unabhängig von der politischen Bewertung dieselbe: Prominente Namen sind kein Ersatz für ein tragfähiges Geschäftsmodell. Wer in Personen-Token oder thematische Aktien investiert, trägt das volle Kursrisiko – die Initiatoren in aller Regel nicht.