Ripple-Chef: Stablecoins werden zum „ChatGPT-Moment“ der Krypto-Branche

Raphael Lulay

28.03.2026, 11:33 Uhr

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Ripple-CEO Brad Garlinghouse sieht Stablecoins kurz vor dem Durchbruch in der Unternehmenswelt – und zieht dabei einen provokanten Vergleich.

In einem Interview mit FOX Business sagte Garlinghouse, Stablecoins würden für Unternehmen das werden, was ChatGPT für die breite Öffentlichkeit war: der Moment, an dem eine Technologie aufhört, abstrakt zu sein, und plötzlich konkret nutzbar wird. „Boards of Directors und CEOs fragen ihre CFOs und Treasurer: Was machen wir mit Stablecoins?“ – so Garlinghouse wörtlich.

Das ist keine leere Rhetorik. Stablecoins verarbeiteten 2025 laut Garlinghouse ein Handelsvolumen von über 33 Billionen US-Dollar. Bloomberg Intelligence prognostiziert bis 2030 einen Anstieg auf 56,6 Billionen Dollar – bei einer jährlichen Wachstumsrate von 80 Prozent. Zum Vergleich: Das Zahlungsvolumen von Visa lag 2024 bei rund 13 Billionen Dollar.

Marktmacht liegt bei zwei Playern

Was dabei auffällt: Fast 90 Prozent des Stablecoin-Volumens entfallen auf Tethers USDT und Circles USDC. Der Markt ist trotz der beeindruckenden Zahlen hochkonzentriert. Genau hier kommt Ripples Eigeninteresse ins Spiel: Das Unternehmen hat im Dezember 2024 seinen eigenen Stablecoin RLUSD gelauncht, der aktuell mit einer Marktkapitalisierung von rund 1,4 Milliarden Dollar auf Platz zehn liegt – weit hinter den Platzhirschen. Garlinghouses Optimismus ist also auch Produktmarketing.

Für den institutionellen Ausbau hat Ripple zuletzt tief in die Tasche gegriffen: 1,25 Milliarden Dollar für den Prime Broker Hidden Road, eine Milliarde Dollar für die Corporate-Treasury-Plattform GTreasury. Das Unternehmen baut gezielt eine Infrastruktur auf, die Unternehmenskunden den Einstieg in Stablecoin-Zahlungen erleichtern soll.

Regulierung als entscheidender Faktor

Garlinghouse setzt auf den CLARITY Act, der in den USA klare Regeln für digitale Assets schaffen soll. Ohne verlässlichen Rechtsrahmen, so seine Botschaft, bleibe das Potenzial von Stablecoins im Unternehmensbereich weitgehend ungenutzt.

Für Europa ist die Lage bereits klarer: MiCA gilt seit Ende 2024 vollständig und definiert Stablecoins als E-Geld-Token mit Lizenzpflicht. Das hat zur Folge, dass beispielsweise Tethers USDT auf mehreren europäischen Börsen nicht mehr handelbar ist – während regulierte Alternativen wie USDCs MiCA-konforme Variante oder eToros eigene Stablecoin-Integration an Bedeutung gewinnen. Für DACH-Nutzer sind Stablecoins damit kein graues Feld mehr, sondern ein reguliertes Instrument mit klaren Spielregeln.

Einordnung

Der Vergleich mit ChatGPT ist griffig, aber er hinkt an einer entscheidenden Stelle: ChatGPT war sofort für jeden nutzbar, kostenlos, ohne Infrastruktur. Stablecoins im Unternehmenseinsatz erfordern Compliance-Strukturen, Bankanbindungen und regulatorische Absicherung – der Einstieg ist alles andere als friktionslos. Der „Moment“ dürfte eher ein schrittweiser Prozess werden als ein einmaliges Erwachen.

Dass sich Fortune-500-Vorstände mit Stablecoins beschäftigen, ist trotzdem ein echtes Signal. Wenn Treasurer-Abteilungen anfangen, Stablecoin-Strategien zu entwickeln, ist das kein Hype mehr – das ist Infrastrukturplanung.