Ripple baut sein institutionelles Geschäft in dieser Woche entschlossen aus. Eine neue 200-Millionen-Dollar-Kreditlinie der US-Vermögensverwaltung Neuberger Berman fließt in die Prime-Brokerage-Sparte des Unternehmens – nur wenige Tage, nachdem JPMorgan und Mastercard erstmals tokenisierte US-Staatsanleihen über den XRP Ledger abgewickelt haben.
Die Finanzierung ist ausschließlich für Ripple Prime vorgesehen, das institutionelle Geschäftsfeld, das aus der 1,25-Milliarden-Dollar-Übernahme des Prime Brokers Hidden Road im vergangenen Jahr hervorgegangen ist. Mit dem zusätzlichen Kapital kann Ripple professionellen Anlegern Margin-Kredite ausreichen – also Fremdkapital für größere Positionen in Krypto, Aktien und Anleihen bereitstellen. Die von Kunden aufgenommenen Kredite dienen wiederum als Sicherheit für die Neuberger-Berman-Linie, eine in der traditionellen Wall Street etablierte Konstruktion.
Noel Kimmel, Vorsitzender von Ripple Prime, ordnet die Transaktion strategisch ein: Anleger wollten keine getrennten Systeme mehr für Aktien, Anleihen und Krypto. Die Finanzierungsstruktur müsse jene Flexibilität bieten, die institutionelle Portfolios heute ohnehin auszeichne.
JPMorgan settlet bereits auf dem XRP Ledger
Wie groß Ripples Wette auf institutionelle Adaption tatsächlich ist, zeigt eine Meldung, die nur wenige Tage älter ist. Am 6. Mai 2026 wickelten JPMorgan, Mastercard, Ripple und Ondo Finance erstmals einen grenzüberschreitenden Tokenized-Treasury-Settlement auf dem XRP Ledger ab. Konkret wurde ein Teil von Ondos tokenisiertem US-Staatsanleihenfonds OUSG auf XRPL eingelöst, die Abwicklungsanweisung über Mastercards Multi-Token Network geroutet und der US-Dollar-Gegenwert über JPMorgans Kinexys-Plattform an Ripples Singapur-Konto übermittelt.
Die XRPL-Seite der Transaktion war in unter fünf Sekunden abgeschlossen – und das außerhalb regulärer Bankzeiten. Vergleichbare Cross-Border-Settlements dauern im Bankensystem üblicherweise ein bis drei Werktage.
Strukturell bedeutsam ist dabei weniger die Geschwindigkeit als der Verbindungspunkt selbst: Es handelt sich um die erste dokumentierte Verbindung von JPMorgans Privat-Blockchain Kinexys mit einer öffentlichen Layer-1. Für eine Bank, deren Settlement-Plattform ein tägliches Volumen im Billionen-Dollar-Bereich abwickelt, ist das ein bemerkenswertes Signal.
Die Abwicklung selbst lief technisch nicht direkt in XRP, sondern in Ripples Stablecoin RLUSD. XRP diente lediglich als Netzwerkgebühr. Das erklärt auch, warum der XRP-Kurs auf die Meldung nur mit einem moderaten Plus von rund einem Prozent reagierte und sich seitdem im Bereich um 1,45 US-Dollar bewegt.
Eingebettet in eine breite Adaptionswelle
Der Mai-Settlement war keine isolierte Pilotaktion, sondern Teil einer Serie institutioneller XRPL-Integrationen der vergangenen zwölf Monate. Im November 2025 testeten Mastercard, Ripple, WebBank und Gemini eine RLUSD-Kreditkartenabwicklung auf XRPL. Im März 2026 wickelten Ripple und Archax 100 Millionen Pfund in tokenisierten britischen Staatsanleihen auf dem XRP Ledger ab. Ondo Finance launchte OUSG bereits im Juni 2025 auf XRPL, ausdrücklich mit RLUSD als nativem Settlement-Asset. Hinzu kommen Integrationen von Société Générale, SBI und der Deutschen Bank.
Parallel expandiert Ripple weiter über Akquisitionen: Neben Hidden Road steht die rund eine Milliarde Dollar schwere Übernahme von GTreasury an, einem Anbieter von Treasury-Management-Software. Im vergangenen Jahr sammelte Ripple zudem 500 Millionen Dollar Wachstumskapital bei einer Bewertung von rund 40 Milliarden Dollar ein – unter anderem von Fortress Investment Group und Citadel Securities.
Wachsende Konkurrenz im institutionellen Kryptohandel
Ripple ist mit seiner Wall-Street-Strategie nicht allein. State Street kündigte zu Jahresbeginn eine eigene Plattform für digitale Vermögenswerte an, Standard Chartered arbeitet laut Bloomberg ebenfalls an einer Prime-Brokerage-Infrastruktur für Krypto. Treiber sind die zunehmend krypto-freundliche US-Politik unter Donald Trump und eine wachsende institutionelle Nachfrage nach digitalen Vermögenswerten.
Ripple positioniert sich in diesem Wettbewerb bewusst als nicht-bankäre Plattform, die traditionelle Märkte und Krypto unter einer Infrastruktur bündelt. Die 200 Millionen Dollar von Neuberger Berman sind dabei weniger eine Einzelmeldung als ein weiterer Baustein in einer Strategie, die seit Monaten konsequent verfolgt wird.
CLARITY Act im Senate Banking Committee
Ein zusätzlicher regulatorischer Katalysator steht unmittelbar bevor: Der Digital Asset Market CLARITY Act ist für den 14. Mai 2026 zur Markup-Sitzung im Senate Banking Committee terminiert – ein entscheidender Zwischenschritt vor einer möglichen Abstimmung im Senat. Das Gesetz soll erstmals einen klaren regulatorischen Rahmen für digitale Vermögenswerte in den USA schaffen und gilt als zentrale Voraussetzung für eine breitere institutionelle Adaption. Für Ripples Prime-Brokerage-Ambitionen hätte ein erfolgreiches Markup unmittelbare Signalwirkung.
Hier geht es zu unserer Ripple Prognose.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
Boersen-Parkett bei Google als bevorzugte Nachrichtenquelle markieren und keine Finanz- und Krypto-News mehr verpassen.