Sam Bankman-Fried hat formell um eine präsidiale Begnadigung gebeten. Das Gnadengesuch des inhaftierten FTX-Gründers erschien am Montag, dem 8. Juni 2026, in den Aufzeichnungen des Office of the Pardon Attorney im US-Justizministerium und ist dort als „pending“ – also in Prüfung – verzeichnet. Zuerst berichtet hatte Bloomberg. Bankman-Fried, von vielen unter den Initialen SBF bekannt, verbüßt eine 25-jährige Haftstrafe wegen Betrugs und Verschwörung; parallel läuft eine Berufung gegen seine Verurteilung vor dem Second Circuit.
Der konkrete Antrag betrifft laut DOJ-Eintrag eine „pardon after completion of sentence“, also eine Begnadigung nach Verbüßung der Strafe – ein Antragstyp ohne unmittelbaren Freilassungsmechanismus. SBF wäre regulär erst im Oktober 2044 für eine Entlassung in Frage gekommen. Die Reaktion an den Märkten war prompt: Der FTX-Token FTT sprang nach Bekanntwerden zeitweise um rund 50 Prozent, Wettmärkte wie Polymarket bepreisten die Begnadigungswahrscheinlichkeit kurzzeitig im Bereich von 20 bis 35 Prozent.
Warum der Antrag in ein erkennbares Muster passt
Der Vorstoß erregt vor allem deshalb Aufmerksamkeit, weil Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit bereits mehrere prominente Figuren aus der Kryptobranche begnadigt hat. Den Anfang machte im Januar 2025 Ross Ulbricht, Gründer des Darknet-Marktplatzes Silk Road. Im März 2025 folgten die BitMEX-Mitgründer Arthur Hayes, Benjamin Delo und Samuel Reed. Den bislang umstrittensten Fall bildete im Oktober 2025 die vollständige Begnadigung von Binance-Gründer Changpeng „CZ“ Zhao, die scharfe Kritik aus Teilen der Branche und von Regulierern auslöste.
Insgesamt hat Trump in seiner zweiten Amtszeit hunderte Begnadigungen und Strafmilderungen ausgesprochen. Eine NBC-Analyse vom Januar ergab, dass mehr als die Hälfte der individuell gewährten Pardons Personen mit Wirtschaftsdelikten wie Geldwäsche, Bank- oder Überweisungsbetrug betraf. In dieses Bild versucht SBF sich aktiv einzufügen: Über genehmigte Gefängnis-Kommunikationswege und Vermittler lobte er öffentlich Trumps Iran-Politik, bezeichnete die Ablösung von SEC-Chef Gary Gensler durch Paul Atkins als „Rettung“ der Behörde und begrüßte gefallene Benzinpreise. Der frühere Großspender der Demokraten betreibt damit eine sichtbare politische Neupositionierung – ein Kurs, den er nach eigenen Angaben einem selbst verfassten Handlungsleitfaden folgend verfolgt, inklusive eines Auftritts bei Tucker Carlson.
Warum eine Begnadigung dennoch alles andere als sicher ist
Trotz der Vorgeschichte hat Trump für SBF bislang deutlich weniger Bereitschaft signalisiert. In einem Interview mit der New York Times im Januar 2026 erklärte der Präsident, er habe „keine Absicht“, Bankman-Fried zu begnadigen. Das Weiße Haus bestätigte diese Linie später und verwies auf Anfrage erneut auf das Interview. Der FTX-Fall hat eine andere politische Schwere als die übrigen Krypto-Pardons: Staatsanwälte stuften den Kollaps als einen der größten Finanzbetrügereien der US-Geschichte ein, mit einer Schadenssumme im zweistelligen Milliardenbereich und einer Einziehungsanordnung von rund elf Milliarden US-Dollar.
Hinzu kommt, dass ein eingereichtes Gesuch über keinen Automatismus verfügt – das DOJ betont, dass Details laufender Prüfungen nicht öffentlich gemacht werden, und ein Großteil der von Trump bisher Begnadigten hatte gar keinen formellen Antrag beim Justizministerium gestellt. Auch SBFs Eltern, die Stanford-Juraprofessoren Joseph Bankman und Barbara Fried, sondieren Berichten zufolge seit Anfang 2025 im Umfeld Trumps die Möglichkeit einer Begnadigung. Ob es direkte Gespräche mit dem Weißen Haus gab, ist unklar. Berufung und Gnadengesuch laufen vorerst getrennt voneinander weiter; SBF bleibt in Haft.
Einordnung für Anleger
Für den europäischen Markt ist der Fall weniger eine Personalie als ein Stimmungsindikator. Die Häufung von Krypto-Begnadigungen zeigt, wie stark sich das regulatorische Klima in den USA unter Trump gegenüber der Branche gewandelt hat – ein deutlicher Kontrast zur stärker regelgebundenen EU-Linie rund um MiCA. Gleichzeitig markiert Trumps öffentliches Nein zu SBF die Grenze: Selbst eine branchenfreundliche Administration zieht offenbar eine Linie bei einem Fall dieser Größenordnung. Anleger sollten die FTT-Kursbewegung entsprechend einordnen – sie spiegelt Spekulation auf ein politisches Ereignis mit unklarem Ausgang wider, nicht eine fundamentale Neubewertung.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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