Strategy Inc., das Bitcoin-Unternehmen von Michael Saylor, hat gestern Abend eine massive Ausweitung seiner Kapitalmarktstrategie angekündigt. Über neue Aktien- und Vorzugsaktien-Programme will das Unternehmen bis zu 44,1 Milliarden Dollar einsammeln – und direkt in Bitcoin investieren.
Drei neue Programme, drei neue Banken
Laut einer am 23. März eingereichten SEC-Mitteilung (Form 8-K) legt Strategy gleich drei neue sogenannte At-the-Market-Programme auf. Über die Ausgabe neuer Stammaktien (MSTR) sollen bis zu 21 Milliarden Dollar fließen, über die variabel verzinste Vorzugsaktie STRC weitere 21 Milliarden. Ein drittes, kleineres Programm für die 8-prozentige Vorzugsaktie STRK umfasst 2,1 Milliarden Dollar – das vorherige STRK-Programm lief dafür am Sonntag aus.
Gleichzeitig erweitert Strategy sein Netzwerk aus Vertriebsbanken: Moelis & Company, A.G.P./Alliance Global Partners und StoneX Financial stoßen neu dazu. Insgesamt vermarkten nun 19 Banken die Strategy-Wertpapiere am Markt, darunter Morgan Stanley, Barclays und Cantor Fitzgerald.
762.000 Bitcoin – und es sollen mehr werden
Der Hintergrund ist bekannt: Strategy kauft seit Jahren systematisch Bitcoin mit frischem Kapital aus dem Aktienmarkt. Erst am Montag meldete das Unternehmen den Zukauf von weiteren 1.031 BTC zum Durchschnittspreis von rund 74.300 Dollar. Der Gesamtbestand liegt inzwischen bei über 762.000 Bitcoin – zum aktuellen Kurs ein Wert von mehr als 54 Milliarden Dollar.
Einordnung von boersen-parkett.de
Das Volumen klingt beeindruckend – doch das Modell wirft Fragen auf, die bislang niemand abschließend beantworten kann. Strategy finanziert seine Bitcoin-Käufe nicht aus operativen Gewinnen, sondern fast ausschließlich durch die Ausgabe neuer Aktien und Vorzugsaktien. Jede neue Emission verwässert den Wert bestehender Anteile. Die MSTR-Stammaktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 55 Prozent verloren – obwohl Bitcoin im selben Zeitraum nur etwa 20 Prozent nachgab.
Ob das Konstrukt dauerhaft trägt, hängt letztlich am Bitcoin-Kurs. Solange BTC steigt und Anleger bereit sind, MSTR mit Aufschlag auf den reinen Bitcoin-Bestandswert zu kaufen, geht die Rechnung auf. Dreht der Markt nachhaltig, steht das Modell vor einem ernsthaften Stresstest – mit offenem Ausgang.
Mit inzwischen fünf parallel laufenden Wertpapieren (MSTR, STRC, STRK, STRD, STRF) wird das Gesamtkonstrukt zudem zunehmend schwerer durchschaubar. Wie es sich in einem längeren Bärenmarkt verhält, ist schlicht noch nicht erprobt.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von Boersen-Parkett.de. Er berichtet über Kryptowährungen und digitale Kapitalmärkte mit Fokus auf Bitcoin, Altcoins, Kapitalflüsse, Regulierung und Marktstruktur. Seine Analysen verbinden aktuelle Nachrichten mit datenbasierter Einordnung für Anleger. E-Mail: kontakt@raphael-lulay.de.