Strategy hat vergangene Woche frisches Kapital aufgenommen – doch nur ein Bruchteil davon floss in Bitcoin. Von rund 335,5 Millionen Dollar, die das Unternehmen über die Ausgabe von MSTR-Aktien einnahm, gingen lediglich 34,9 Millionen Dollar in den Kauf von 520 BTC zu einem Durchschnittspreis von 67.068 Dollar. Die übrigen 300 Millionen Dollar wanderten direkt in die USD-Reserve, die damit auf 1,4 Milliarden Dollar anwächst. Der Gesamtbestand steigt auf 847.363 Bitcoin.
Michael Saylor stellte die Meldung auf X selbst in dieser Reihenfolge dar: Zuerst nannte er die aufgestockte Dollar-Reserve, die „die Kreditqualität der Digital-Credit-Wertpapiere stützen“ solle, erst danach den Bitcoin-Kauf. Damit verkauft selbst Saylor die Transaktion nicht mehr primär als Zukauf, sondern als Liquiditätsmaßnahme. Rund 90 Prozent des frischen Kapitals dienten in dieser Woche nicht dem Bitcoin-Bestand, sondern dem Barpuffer.
Reserve sichert die Vorzugsdividenden
Die USD-Reserve ist explizit für die Bedienung der Vorzugsaktien reserviert. Strategy hat mit STRC, STRK, STRF und STRD vier Vorzugswertpapiere im Markt, deren Kupons bis zu 11,5 Prozent reichen. Die Zahlung auf das STRC-Papier wurde zuletzt von monatlich auf halbmonatlich umgestellt – ein Hinweis auf den steigenden Auszahlungsrhythmus. Hinzu kommt eine Verschiebung in der Finanzierung: Statt über höher verzinste Vorzugsaktien refinanziert sich Strategy zunehmend über die Ausgabe von Stammaktien im Rahmen seines At-the-Market-Programms. Für MSTR-Aktionäre bedeutet das zusätzliche Verwässerung.
Erster Verkauf seit 2022 als Kontext
Die aufgestockte Reserve folgt auf einen bemerkenswerten Vorgang Ende Mai: Damals trennte sich Strategy erstmals seit 2022 von Bitcoin und veräußerte 32 BTC, um eine Dividendenzahlung zu bedienen. Im Zusammenspiel mit der nun gewachsenen Cash-Reserve ergibt sich ein Muster, das sich vom bisherigen Akkumulationskurs unterscheidet – der Fokus liegt erkennbar auf der Absicherung laufender Verpflichtungen.
Verschärft wird die Lage durch den Bitcoin-Kurs. Mit zuletzt rund 64.670 Dollar notiert die Kryptowährung etwa 17 Prozent unter dem durchschnittlichen Einstandspreis von 75.656 Dollar, zu dem Strategy seine Position aufgebaut hat. Auch die Bewertungsprämie auf den Nettoinventarwert ist deutlich geschrumpft: Der mNAV-Faktor liegt aktuell bei rund 1,12 – auf dem Höhepunkt des Zyklus im Januar 2025 waren es noch etwa 2,8. Die 520 neu erworbenen Bitcoin sind damit weniger die eigentliche Nachricht als die 1,4-Milliarden-Dollar-Reserve und das, was sie über den Finanzierungsdruck des Unternehmens aussagt.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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