Strategy hat in einem am 1. Juni eingereichten 8-K-Filing bei der US-Börsenaufsicht SEC den Verkauf von 32 Bitcoin offengelegt. Das Unternehmen von Michael Saylor erzielte dabei einen Durchschnittspreis von 77.135 US-Dollar je BTC und nahm so 2,5 Millionen US-Dollar ein. Der Erlös soll laut Dokument in die Dividenden der Vorzugsaktien fließen. Es ist die erste Wochenmitteilung seit Beginn der Bitcoin-Strategie im August 2020, in der ein geschrumpfter Bestand ausgewiesen wird – und sie fällt mit einem Novum zusammen, das in der Berichterstattung bislang untergeht.
Denn entscheidender als die 32 verkauften Coins ist eine Zahl tiefer im Filing: Der durchschnittliche Kaufpreis der gesamten Bilanz liegt bei 75.699 US-Dollar. Bitcoin notierte am 1. Juni zeitweise unter 72.000 US-Dollar – dem tiefsten Stand seit dem 13. April. Damit liegt der Marktkurs erstmals seit langer Zeit unter dem durchschnittlichen Einstand des Unternehmens. Auf dem Papier sitzt der größte Firmenhalter der Welt mit 843.706 BTC und einem aggregierten Kaufpreis von 63,87 Milliarden US-Dollar damit auf einem unrealisierten Gesamtverlust.
Warum der Verkauf strukturell und nicht aus Kapitalnot erfolgte
Der Verkauf war keine Notmaßnahme. Das 8-K weist eine US-Dollar-Reserve von 900 Millionen US-Dollar zum 31. Mai aus, und über das laufende At-the-Market-Programm stehen Strategy weiterhin rund 26,1 Milliarden US-Dollar an MSTR-Kapazität sowie 17,5 Milliarden US-Dollar bei der Vorzugsaktie STRC zur Verfügung. Geld fehlt also nicht.
Treiber ist vielmehr das sogenannte mNAV – die Bewertung der Strategy Aktie im Verhältnis zu den gehaltenen Bitcoin. Liegt diese Kennzahl unter der vom Management zuletzt genannten Schwelle von rund 1,22x, ist es für die wichtige Ratio „BTC je Aktie“ vorteilhafter, Bitcoin statt Stammaktien zu verkaufen, um die Dividenden zu finanzieren. Genau dieses Szenario trat in der vergangenen Woche zeitweise ein. Parallel emittierte Strategy 801.994 MSTR-Stammaktien für 128,3 Millionen US-Dollar – vermutlich, als das mNAV gegen Wochenende wieder anstieg.
Die STRC-Dividende von 11,5 Prozent als eigentlicher Zwang
Im selben Filing fixiert Strategy den Dividendensatz der variabel verzinsten Vorzugsaktie STRC ab Juni auf 11,50 Prozent pro Jahr. Diese Zahl erklärt den Druck hinter dem Verkauf besser als jede Kursbewegung. STRC handelt konstant unter der 100-Dollar-Marke, ab der neue Anteile direkt am Markt für Bitcoin-Käufe ausgegeben werden könnten. Um die Aktie für Investoren attraktiv zu halten, muss Strategy die Verzinsung hoch ansetzen – und genau diese Zinslast erzeugt den monatlichen Mittelbedarf für die Ausschüttungen, der nun teilweise über Bitcoin-Verkäufe gedeckt wird.
Bemerkenswert ist zudem die erwartete steuerliche Behandlung: Strategy geht davon aus, dass die am 30. Juni fälligen Ausschüttungen für US-Anleger als nicht steuerpflichtige Kapitalrückzahlung („return of capital“) gelten. Der durch den Bitcoin-Verkauf realisierte Buchverlust passt in dieses Bild – schon beim einzigen früheren Verkauf von 704 BTC im Dezember 2022 war das Realisieren steuerlich relevanter Verluste ein Beweggrund.
Trotz der Schlagzeile bleibt die Größenordnung gering: Die Bitcoin-Reserve schrumpfte durch den Verkauf um weniger als 0,004 Prozent. Seit Jahresbeginn hat Strategy netto 171.206 BTC hinzugekauft – mehr als zum gleichen Zeitpunkt in den Vorjahren. Die MSTR-Aktie reagierte zum Wochenstart in Bitcoin gemessen rund sechs Prozent schwächer. Ob die Bilanz dauerhaft rückläufig wird, hängt vor allem von der MSTR-Bewertung und den STRC-Einnahmen ab.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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