Trumps Aktienhandel: 85 Trades am Tag, 28.700 in 17 Monaten – mehr als der gesamte Kongress

Alex Merten

16.09.2026, 14:02 Uhr

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US-Präsident Donald Trump hat seit seiner zweiten Amtseinführung mehr Wertpapiere gehandelt als alle 535 Mitglieder des US-Kongresses zusammen. Zwischen dem 20. Januar 2025 und dem 30. Juni 2026 weisen seine Offenlegungsberichte fast 28.700 Transaktionen aus. Die Abgeordneten und Senatoren meldeten im selben Zeitraum zusammen rund 22.200 vergleichbare Geschäfte. Gleichzeitig unterstützt Trump ein Gesetz, das Kongressmitgliedern den Kauf von Einzelaktien verbieten soll. Für den Präsidenten selbst gilt es nicht.

Trump vs. Kongress: WertpapiertransaktionenBalkendiagramm: Donald Trump meldete vom 20.01.2025 bis 30.06.2026 rund 28.700 Wertpapiertransaktionen, alle 535 Kongressmitglieder zusammen rund 22.200.Ein Präsident, mehr Trades als der ganze KongressWertpapiertransaktionen vom 20.01.2025 bis 30.06.2026Donald Trump (1 Person)≈ 28.700US-Kongress (535 Mitglieder)≈ 22.200Pro Kopf gerechnet28.700 Trades bei Trump, rund 41 je KongressmitgliedDatenbasis: OGE-Offenlegungen des Präsidenten, Meldungen der Kongressmitglieder · Stand: 16.09.2026boersen-parkett.de
Grafik 1: Gemeldete Wertpapiertransaktionen vom 20.01.2025 bis 30.06.2026 im Vergleich.

Trump Aktien: Die Zahlen aus den Offenlegungsberichten

Grundlage sind die Pflichtmeldungen, die der Präsident bei der US-Ethikbehörde Office of Government Ethics (OGE) einreicht. Der Jahresbericht für 2025 umfasst 927 Seiten. Er listet mehr als 21.000 Wertpapiertransaktionen über acht Anlagekonten auf. Das gemeldete Gesamtvolumen liegt zwischen 600 Millionen und 1,86 Milliarden US-Dollar. Genauer lässt es sich nicht beziffern, denn die Formulare enthalten keine exakten Beträge, sondern nur Wertspannen.

Eine engere Zählung, die nur Aktiengeschäfte berücksichtigt, kommt für 2025 auf mehr als 14.000 Trades mit einem Volumen von bis zu 1,06 Milliarden US-Dollar. Die Differenz zur höheren Zahl dürfte vor allem auf Anleihen und Fonds zurückgehen. Im ersten Jahr der zweiten Amtszeit lag der Schwerpunkt des Portfolios noch stärker auf Anleihen und Indexprodukten. Die Umschichtung in Einzelaktien folgte 2026.

Die Konten enthielten Ende 2025 Vermögenswerte von mindestens 858 Millionen US-Dollar. Dazu gehörten Beteiligungen an rund 1.600 Unternehmen. Darunter sind zahlreiche Firmen mit Regierungsaufträgen, etwa Palantir, Lockheed Martin, Boeing, Raytheon, Intel und Nvidia, sowie die privaten Gefängnisbetreiber GEO Group und CoreCivic.

Der Vergleich mit früheren Jahren zeigt das Ausmaß:

  • 2017: Das erste Amtsjahr der ersten Amtszeit weist 86 Aktientransaktionen aus.
  • 2017 bis 2020: In der gesamten ersten Amtszeit kamen rund 500 Trades zusammen.
  • 2025: Allein in diesem Jahr waren es mehr als 21.000, also etwa das 42-Fache.
  • Joe Biden: Trumps Amtsvorgänger meldete während seiner gesamten Präsidentschaft 13 Aktientrades.
Anstieg der Handelsaktivität im PräsidentendepotSäulendiagramm: Joe Biden meldete in seiner Amtszeit 13 Aktientrades, Trump 2017 86, in der ersten Amtszeit rund 500 und 2025 mehr als 21.000 Transaktionen, das 42-Fache der ersten Amtszeit.Vom Einzelfall zum DauerhandelGemeldete Transaktionen im Präsidentendepot13Bidengesamte Amtszeit86Trump2017≈ 500Trump2017–2020> 21.000Trump2025×42gegenüber der gesamtenersten AmtszeitDatenbasis: OGE-Offenlegungsberichte; 2025 inkl. Anleihen und Fonds · Stand: 16.09.2026boersen-parkett.de
Grafik 2: Gemeldete Transaktionen im Präsidentendepot; der Wert für 2025 umfasst Aktien, Anleihen und Fonds.

Muster im Handel: Aktivität rund um politische Ankündigungen

Rechnerisch kam das Depot 2025 auf durchschnittlich rund 85 Trades pro Börsentag. Die Aktivität verteilte sich jedoch nicht gleichmäßig. Auf nur zehn Handelstage entfiel etwa ein Viertel aller Transaktionen des Jahres. Viele dieser Tage folgten auf wirtschaftspolitische Ankündigungen des Präsidenten, die zuvor Bewegung in die Märkte gebracht hatten. In mehr als 200 Fällen wurde eine Aktie am selben Tag in einem Konto gekauft und in einem anderen verkauft.

Trumps Depot 2025 in KennzahlenKennzahlen 2025: 8 Anlagekonten, mindestens 858 Millionen Dollar Vermögen, rund 1.600 Beteiligungen, etwa 85 Trades pro Börsentag, rund 25 Prozent aller Trades an zehn Tagen, mehr als 200 gegenläufige Trades am selben Tag, Volumen zwischen 0,6 und 1,86 Milliarden Dollar.Trumps Depot 2025 in ZahlenAus dem Jahresbericht an die US-Ethikbehörde OGE (927 Seiten)8Anlagekonten858 Mio. $Mindestvermögen in den Konten≈ 1.600Unternehmensbeteiligungen≈ 85Trades pro Börsentag≈ 25 %aller Trades an nurzehn Börsentagen> 200Mal am selben Tag gekauftund in anderem Konto verkauftGemeldetes Transaktionsvolumen 2025 (OGE meldet nur Wertspannen)00,6 Mrd. $1,86 Mrd. $Datenbasis: OGE-Jahresbericht 2025, eigene Zusammenstellung · Stand: 16.09.2026boersen-parkett.de
Grafik 3: Kennzahlen aus dem OGE-Jahresbericht 2025; das Volumen ist nur als Spanne gemeldet.

Auch 2026 blieb das Tempo hoch. Für das erste Quartal meldete Trump in zwei Berichten mehr als 3.600 Transaktionen mit einem Volumen zwischen 220 und 750 Millionen US-Dollar, im Schnitt etwa 60 pro Handelstag. Dabei wurden Positionen in Amazon, Meta und Microsoft reduziert. Neue oder größere Engagements entstanden bei Halbleiter- und Softwarewerten wie Nvidia und Broadcom.

Einzelne Trades stehen seither im Fokus der Kritik. Am 6. Januar 2026 kaufte eines der Konten AMD-Aktien im Wert von 50.001 bis 100.000 US-Dollar. Eine Woche später, am 13. Januar, erlaubte das US-Handelsministerium AMD den Verkauf bestimmter Chips an chinesische Kunden.

Im Juni 2026 meldete Trump 1.051 Transaktionen mit einem Volumen zwischen 78,1 und 263,1 Millionen US-Dollar:

  • Größte Einzeltransaktion: Am 22. Juni wurden Anteile an einem Vanguard-ETF für 5 bis 25 Millionen US-Dollar verkauft.
  • Palantir: Auf einen Kauf am 3. Juni folgten Verkäufe am 16. und 18. Juni, der zweite im Umfang von 500.001 bis 1 Million US-Dollar. Nach der Einigung zwischen den USA und dem Iran vom 14. Juni wurden am 23. und 24. Juni erneut Palantir-Aktien gekauft.
  • Berkshire Hathaway und Meta: Am 18. Juni wurden Berkshire-Aktien für 1 bis 5 Millionen US-Dollar gekauft und Meta-Aktien in gleicher Größenordnung verkauft.
  • SpaceX: Das Depot kaufte außerdem Aktien des frisch börsennotierten Unternehmens im Wert von bis zu 50.000 US-Dollar.
Timeline 2026: Ausgewählte Meldungen aus dem PräsidentendepotZeitleiste 2026: 6. Januar Kauf AMD, 13. Januar Freigabe von AMD-Chipverkäufen nach China, im ersten Quartal über 3.600 Trades, 14. Juni Einigung USA-Iran, 18. Juni Verkauf Palantir, 22. Juni Verkauf Vanguard-ETF, 23./24. Juni erneute Palantir-Käufe, im Juni 1.051 Trades.2026: Das Tempo bleibt hochAusgewählte Meldungen aus dem PräsidentendepotDepot-Transaktionpolitisches Ereignis06.01.Kauf AMD50.001–100.000 $13.01.Regierung erlaubt AMDChip-Verkäufe nach ChinaQ1 gesamt> 3.600 Trades220–750 Mio. $≈ 60 pro Börsentag14.06.Einigung USA–Iran18.06.Verkauf Palantir500.001–1 Mio. $22.06.Verkauf Vanguard-ETF5–25 Mio. $größter Juni-Trade23./24.06.ErneutePalantir-KäufeJuni gesamt1.051 Trades78,1–263,1 Mio. $Zeitliche Nähe ist kein Nachweis von Insiderhandel.Wer die einzelnen Trades anweist, geht aus den Berichten nicht hervor.Datenbasis: OGE-Formulare 278-T; Beträge als gemeldete Wertspannen · Stand: 16.09.2026boersen-parkett.de
Grafik 4: Ausgewählte Depot-Transaktionen und politische Ereignisse 2026; Beträge als gemeldete Wertspannen.

Wichtig für die Einordnung: Die Berichte geben nicht an, wer die einzelnen Transaktionen angewiesen hat. Anklagen wegen Insiderhandels gibt es nicht, ein Nachweis unzulässiger Geschäfte liegt nicht vor.

Stop Insider Trading Act: Was das Aktienverbot für den Kongress regelt

Am 22. Juli 2026 verabschiedete das US-Repräsentantenhaus mit 232 zu 198 Stimmen den Stop Insider Trading Act (H.R. 7008). Eingebracht hatte ihn der republikanische Abgeordnete Bryan Steil aus Wisconsin. Alle abstimmenden Republikaner und 13 Demokraten stimmten dafür. Es war die erste Abstimmung im gesamten Repräsentantenhaus über eine Einschränkung des Aktienhandels von Abgeordneten. Ein früherer Anlauf war 2022 gescheitert.

Der Inhalt im Überblick:

  • Betroffene: Kongressmitglieder, ihre Ehepartner und unterhaltsberechtigten Kinder.
  • Verbot: Sie dürfen während der Amtszeit keine neuen Einzelaktien börsennotierter Unternehmen kaufen.
  • Bestand: Bereits gehaltene Aktien dürfen behalten werden.
  • Verkäufe: Sie müssen mindestens sieben Tage vorher öffentlich angekündigt werden.
  • Sanktionen: Bei Verstößen droht unter anderem die Abschöpfung von Nettogewinnen.

Präsident und Vizepräsident fallen nicht unter die Regelung.

Stop Insider Trading Act: Wer betroffen istÜbersicht H.R. 7008: Betroffen sind Kongressmitglieder, Ehepartner und unterhaltsberechtigte Kinder. Ausgenommen sind Präsident und Vizepräsident. Abstimmung 232 zu 198, bestehende Aktien dürfen behalten werden, Verkäufe sind 7 Tage vorher anzukündigen, der Senat hat noch nicht entschieden.Stop Insider Trading Act: Wer keine Aktien mehr kaufen darfH.R. 7008, am 22.07.2026 vom Repräsentantenhaus verabschiedetBetroffenAusgenommenKongressmitgliederEhepartnerUnterhaltsberechtigte KinderPräsidentVizepräsidentAbstimmung im Repräsentantenhaus232 : 198Bestand bleibt erlaubtVerkäufe 7 Tage vorheröffentlich ankündigenNächster SchrittSenat: Entscheidung offenDatenbasis: Gesetzentwurf H.R. 7008, Abstimmung im Repräsentantenhaus · Stand: 16.09.2026boersen-parkett.de
Grafik 5: Geltungsbereich des vom Repräsentantenhaus beschlossenen Stop Insider Trading Act.

Dass die meisten Demokraten dagegen stimmten, lag nicht nur an dieser Ausnahme. Die republikanische Mehrheitsführung hatte das Handelsverbot mit einer Pflicht zum Lichtbildausweis bei Bundeswahlen verknüpft, die auch für die Briefwahl gelten soll. Kritiker bezeichneten diese Kopplung als „Giftpille“. Ob der Senat zustimmt, ist offen. Ein Gesetz ist der Stop Insider Trading Act damit noch nicht.

Trump unterstützt die Vorlage ausdrücklich. In seiner diesjährigen Rede zur Lage der Nation forderte er, das Verbot ohne Verzögerung zu beschließen, damit Abgeordnete nicht von Insiderinformationen profitieren können. Auf ihrem ersten Midterm-Parteitag in Dallas stellten die Republikaner das Handelsverbot als Teil ihrer Agenda für Integrität in der Regierung heraus.

Warum darf Trump Aktien handeln?

Für Präsidenten gelten eigene Ethik- und Offenlegungsregeln. Ein Handelsverbot existiert nicht. Vorgeschrieben ist lediglich, Transaktionen über 1.000 US-Dollar per Formular 278-T zu melden, und zwar in Wertspannen. Ausführungskurse, genaue Uhrzeiten sowie Gewinne und Verluste müssen nicht angegeben werden. Frühere Präsidenten haben ihre Beteiligungen in der Regel verkauft oder ausschließlich breit gestreute Fonds gehalten. Trump hat beides nicht getan.

Das Weiße Haus verweist darauf, dass das Vermögen von externen Finanzinstituten verwaltet werde und der Präsident keinen Einfluss auf die einzelnen Geschäfte nehme. Die Regelung entspreche vollständig dem geltenden Recht. Mindestens vier der acht Konten ließen sich JPMorgan Chase, Charles Schwab, UBS und Stephens Inc. zuordnen. Eine vollständige Liste der Verwalter wurde nicht veröffentlicht. Unklar bleibt auch, nach welchen Vorgaben die Institute Kauf- und Verkaufsentscheidungen treffen.

Senatorin Elizabeth Warren und der Abgeordnete Robert Garcia, beide Demokraten, forderten Trump im August schriftlich auf, die Vermögensverwalter zu benennen. Außerdem sollte er mehr als 30 Transaktionen erklären, die aus ihrer Sicht zeitlich auffällig nahe an Entscheidungen oder Äußerungen der Regierung lagen.

Einordnung: Gleiches Argument, unterschiedliche Regeln

Der Kern der Debatte ist ein Argument, das beide Seiten kennen. Auch Kongressmitglieder verweisen bei auffälligen Trades häufig darauf, dass externe Berater ihre Depots führen. Das Handelsverbot soll genau diese Erklärung überflüssig machen, indem es den Kauf von Einzelaktien grundsätzlich untersagt. Für den Präsidenten, der mit Dekreten, Zöllen oder einzelnen Beiträgen in sozialen Netzwerken ganze Branchen bewegen kann, bleibt dagegen allein die Zusicherung einer unabhängigen Verwaltung.

Befürworter der Ausnahme argumentieren, dass für die Exekutive ein eigenes Ethikregime gelte und der Präsident umfassenden Offenlegungspflichten unterliege. Kritiker halten dagegen, dass gerade das Amt mit dem größten Einfluss auf die Märkte von der Regel ausgenommen wird. Die Offenlegungsformulare liefern zudem nur Wertspannen und keine Angaben dazu, wer die Geschäfte anweist.

Für Anleger bleibt vorerst eine nüchterne Feststellung: Die Daten zeigen ein außergewöhnlich aktives Präsidentendepot, das auch 2026 in hohem Tempo weiterhandelt. Ob der Senat das Handelsverbot für den Kongress beschließt und ob die Debatte um die Präsidentenausnahme dabei eine Rolle spielt, dürfte sich in den kommenden Monaten entscheiden.