US-Senat blockiert Clarity Act: Bitcoin fällt unter 76.000 US-Dollar, Long-Trader verlieren über eine halbe Milliarde

Raphael Lulay

16.09.2026, 08:35 Uhr

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Der Kryptomarkt hat auf die gescheiterte Abstimmung über den Clarity Act im US-Senat mit deutlichen Abschlägen reagiert. Am Mittwochmorgen notiert Bitcoin bei 75.893 US-Dollar und liegt damit 4,1 Prozent unter dem Stand der Vorwoche. Noch am Montag war die größte Kryptowährung zeitweise bis knapp an die Marke von 80.000 US-Dollar gestiegen. Seitdem hat der Kurs rund fünf Prozent abgegeben. Einige Altcoins trifft die Enttäuschung noch härter: XRP kostet aktuell 1,30 US-Dollar, ein Minus von knapp 10 Prozent auf Wochensicht.

Am schwersten wiegt der Rückschlag für gehebelte Trader. Innerhalb von 24 Stunden wurden an den Terminmärkten Long-Positionen im Volumen von rund 571 Millionen US-Dollar zwangsweise geschlossen. Das ist der höchste Wert seit dem 22. August. Auf Short-Positionen entfielen im selben Zeitraum nur etwa 100 Millionen US-Dollar.

Warum fällt Bitcoin? Der Senat stoppt den Clarity Act

Auslöser der Bewegung ist die Verfahrensabstimmung im US-Senat am Dienstag. Der Digital Asset Market Clarity Act, das zentrale Gesetzesvorhaben für einen US-Regulierungsrahmen für digitale Vermögenswerte, erhielt 50 Ja- und 49 Nein-Stimmen. Für die sogenannte Cloture, also das Ende der Debattenblockade und den Übergang zur regulären Beratung, wären 60 Stimmen nötig gewesen. Rechnerisch hätte das neben allen 53 Republikanern mindestens sieben Stimmen aus dem Lager der Demokraten erfordert.

Genau diese Stimmen blieben aus. Auch jene demokratischen Senatorinnen und Senatoren, die monatelang am Gesetzestext mitverhandelt hatten, stimmten mit Nein. Streitpunkt waren am Ende nicht die Kompetenzverteilung zwischen SEC und CFTC oder die Regeln für Stablecoins und DeFi, sondern die Ethikvorschriften zu Krypto-Beteiligungen von Amtsträgern. Die Demokraten hatten schärfere Regeln gefordert, die auch Gewinne des Präsidenten und seiner Familie aus Krypto-Projekten erfassen sollten. Die überarbeitete republikanische Fassung ging ihnen nicht weit genug. Zusätzlich votierten auch einige Republikaner gegen den Antrag.

Das Repräsentantenhaus hatte den Clarity Act bereits im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen verabschiedet. Im Senat dürfte das Vorhaben für dieses Jahr in seiner jetzigen Form weitgehend erledigt sein. Die republikanische Senatorin Cynthia Lummis, eine der profiliertesten Unterstützerinnen der Branche im Kongress, hatte bereits vor der Abstimmung erklärt, bei einem Scheitern sei das Gesetz vom Tisch. Ihr Parteikollege John Kennedy hält dagegen eine Rückkehr in der sogenannten Lame-Duck-Session nach den Zwischenwahlen im November für möglich.

Bitcoin News: Warum der Absturz so heftig ausfiel

Die Liquidationsdaten zeigen, wie einseitig der Markt vor der Abstimmung positioniert war. Anfang der Woche hatten Berichte die Hoffnung genährt, das Weiße Haus könne bei den umstrittenen Ethikregeln einlenken. Bitcoin stieg daraufhin am Montag von etwa 77.000 auf fast 80.000 US-Dollar. Viele Marktteilnehmer setzten mit Hebel auf eine Fortsetzung der Rally.

Als sich abzeichnete, dass die Demokraten bei ihrer Linie bleiben, drehte die Stimmung. Auf Bitcoin- und Ether-Long-Positionen entfielen jeweils rund 190 Millionen US-Dollar der Liquidationen. Bei XRP wurden etwa 30 Millionen US-Dollar glattgestellt, bei Solana rund 22 Millionen US-Dollar. Bemerkenswert ist der hohe Ether-Anteil: Gerade Ether und DeFi-Token galten im Vorfeld als mögliche Hauptprofiteure eines verabschiedeten Gesetzes. Entsprechend groß war der Korrekturbedarf, als dieses Szenario wegfiel.

Der Mechanismus dahinter ist bekannt. Bewegt sich der Kurs gegen eine gehebelte Position und reicht die hinterlegte Sicherheit nicht mehr aus, schließt die Börse die Position zwangsweise. Die dabei ausgelösten Marktverkäufe können den Kursrückgang zusätzlich beschleunigen. Gemessen am Liquidationsvolumen hält sich der Schaden am Spotmarkt bislang allerdings in Grenzen: Bitcoin bewegt sich weiterhin innerhalb seiner Handelsspanne der vergangenen Wochen.

Auch an der Börse hinterließ das Votum Spuren. Die Aktien von Coinbase und Circle gaben am Dienstag um rund 8 beziehungsweise 10 Prozent nach.

XRP und Altcoins: Regulierungshoffnung besonders stark eingepreist

Dass XRP auf Wochensicht fast zweieinhalbmal so viel verliert wie Bitcoin, passt ins Bild. Bei Altcoins, deren regulatorischer Status in den USA bislang am wenigsten geklärt ist, war die Hoffnung auf klare Regeln besonders stark im Kurs enthalten. Fällt diese Perspektive weg, trifft das solche Werte überproportional. Bitcoin profitiert dagegen von seiner vergleichsweise gefestigten Einordnung als Rohstoff.

Bitcoin Prognose: Anleger so skeptisch wie selten

Die Ernüchterung schlägt sich auch in der Stimmung der Anleger nieder. In der täglichen Community-Umfrage von Coingecko erwarten am Mittwoch nur 56 Prozent der Teilnehmer einen steigenden Bitcoin-Kurs. Üblicherweise liegt dieser Wert häufig jenseits der 70 Prozent. Die Privatanleger zeigen sich damit derzeit deutlich zurückhaltender als gewohnt.

Regulatorisch ist der Stillstand im Kongress allerdings nicht gleichbedeutend mit einem Stillstand insgesamt. Die Dynamik verlagert sich nun auf die Regierung sowie auf die Aufsichtsbehörden SEC und CFTC, die eigene Regelwerke weiter vorantreiben können. Ein umfassender gesetzlicher Rahmen, wie ihn die Branche seit Jahren fordert, rückt dagegen vorerst in die Ferne. Für die kommenden Wochen dürfte der Markt deshalb weniger von Washington als von makroökonomischen Faktoren und den Kapitalflüssen in die Spot-ETFs getrieben werden. Kurzfristig bleibt entscheidend, ob Bitcoin seine jüngste Handelsspanne verteidigen kann oder ob der Abbau gehebelter Positionen weitergeht.

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