Coinbase baut zur „Everything Exchange“ um – KI-Berater, Aktienoptionen und Pre-IPO-Futures auf SpaceX

Alex Merten

18.06.2026, 09:00 Uhr

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Coinbase hat beim jüngsten „System Update“ am Dienstag eine Produktwelle vorgestellt, die das Unternehmen von einer Krypto-Börse zu einer umfassenden Finanzplattform umbauen soll. Die größte US-Krypto-Börse adressiert mit den neuen Angeboten erstmals offen dasselbe Terrain wie klassische Broker, Banken und Fintechs – unter dem selbst geprägten Begriff „Everything Exchange“. Die COIN-Aktie kletterte am Event-Tag auf rund 170 US-Dollar, gab einen Teil der Gewinne aber wieder ab. Über das laufende Jahr steht die Aktie etwa 26 Prozent im Minus und bewegt sich damit weitgehend im Gleichlauf mit Bitcoin.

Den Kern des Updates bilden vier Bereiche: Aktien- und ETF-Handel, Derivate, künstliche Intelligenz sowie Verbraucherfinanzdienste. Kunden können künftig US-Aktien, ETFs und Indizes neben Kryptowährungen handeln und bestehende Aktiendepots von anderen Brokern übertragen. Hinzu kommen Optionen auf Aktien und Kryptowährungen sowie tokenisierte Aktien, die nach Angaben von Coinbase im Verhältnis 1:1 mit den zugrunde liegenden US-Aktien hinterlegt sind.

Pre-IPO-Perpetuals auf SpaceX, OpenAI und Anthropic

Besonders im Fokus stehen die Derivate. Coinbase erweitert das Angebot um unbefristete Futures, die an thematische Körbe wie Künstliche Intelligenz, Verteidigung und chinesische Aktien gekoppelt sind. Dazu kommen Pre-IPO-Perpetual-Futures, über die Anleger an noch nicht börsennotierten Unternehmen partizipieren können – darunter SpaceX, das Anfang Juni unter dem Kürzel SPCX an die Börse ging. Kontrakte auf OpenAI und Anthropic, deren Börsengänge für später im Jahr erwartet werden, sollen folgen.

Der strategische Hintergrund liegt in der Struktur des Krypto-Handels. Rund 80 Prozent des weltweiten Handelsvolumens entfallen auf Derivatemärkte, nicht auf den Spot-Handel. Für Coinbase eröffnet der Ausbau von Optionen und Futures damit eine potenziell beständigere Einnahmequelle aus Transaktionsgebühren als das traditionelle Kassageschäft – ein Punkt, der angesichts schwächerer Marktbedingungen an Gewicht gewinnt. Die kombinierten Börsenvolumina fielen im Mai um 3,45 Prozent auf 4,41 Billionen US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit September 2024.

SEC-registrierter KI-Berater und automatisierte Handelsagenten

Den zweiten Schwerpunkt setzt Coinbase bei der künstlichen Intelligenz. Mit Coinbase Advisor stellt das Unternehmen ein KI-gestütztes Anlageberatungs-Tool vor, das es als eines der ersten SEC-registrierten seiner Art bezeichnet. Der Dienst steht zunächst Coinbase-One-Abonnenten in den USA zur Verfügung und soll Portfolio-Empfehlungen, Hinweise zur steuerlichen Verlustverrechnung sowie Marktanalysen liefern. Parallel entwickelt Coinbase Werkzeuge, die KI-Agenten den automatisierten Handel innerhalb vordefinierter Grenzen ermöglichen.

Abgerundet wird das Update durch neue Finanzdienste: ein Reiseportal mit fünf Prozent Bitcoin-Rückvergütung auf Buchungen, eine USDC-unterlegte Variante der Coinbase-One-Kreditkarte sowie die Möglichkeit, Kredite gegen gestaktes Solana aufzunehmen. Die Stoßrichtung ist erkennbar: Coinbase will nach den Worten des Managements zum „finanziellen Hauptkonto“ seiner Nutzer werden – für Handel, Zahlungen, Kreditaufnahme und Vermögensverwaltung aus einer App. Wenige Analysten erwarten kurzfristig spürbare Effekte auf die Geschäftszahlen. Sie werten das Update aber als Beleg dafür, dass Coinbase seine Ertragsbasis verbreitert und die Abhängigkeit von schwankenden Handelsumsätzen reduziert.