Dieselben Wallets, die den Iran-Angriff voraussahen, wetten jetzt auf einen Waffenstillstand

Alex Merten

26.03.2026, 16:51 Uhr

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Auf der Krypto-Prognoseplattform Polymarket häufen sich Hinweise auf Insider-Handel. Dieselben Wallets, die am 28. Februar Millionen mit dem Iran-Angriff verdienten, setzen jetzt auf einen baldigen Waffenstillstand.

Das Blockchain-Analyseunternehmen Bubblemaps warnte am 25. März auf X: Drei Wallets aus einer bereits bekannten Gruppe haben rund 100.000 US-Dollar auf einen Waffenstillstand bis zum 31. März gesetzt.

Dieselben Wallets hatten Stunden vor den ersten US-Angriffen auf den Iran am 28. Februar auf genau dieses Ereignis gewettet. Gewinn: 1,2 Millionen US-Dollar. Die Trefferquote des zugehörigen Traders bei Wetten über 10.000 US-Dollar liegt laut der Analyse bei 93 Prozent.

Das Muster ist immer gleich. Neue Wallets entstehen kurz vor einem geopolitischen Ereignis. Sie setzen gezielt auf ein einziges Ergebnis. Dann verschwinden sie.

Am 21. März stand die Waffenstillstands-Wahrscheinlichkeit auf Polymarket bei 6 Prozent. Acht neu erstellte Konten kauften zu diesem Preis für 70.000 US-Dollar „Ja“-Anteile. Möglicher Gewinn: 820.000 US-Dollar.

Bildquelle: Polymarket.com

Am Montag postete Trump auf Truth Social, die USA und der Iran führten „sehr gute und produktive“ Gespräche. Die Wahrscheinlichkeit auf Polymarket sprang auf 24 Prozent. Die verdächtigen Konten lagen sofort 300.000 US-Dollar im Plus.

Blockchain-Analyst Ben Yorke kommentierte gegenüber dem Guardian: Das sehe definitiv aus wie jemand mit Insiderwissen. Die Methode heißt Wallet-Splitting – ein großes Kapital wird auf viele kleine Wallets verteilt, um Herkunft und Größe der Position zu verschleiern.

Kein Einzelfall: Vor dem Venezuela-Einsatz im Januar 2026 lief dasselbe Schema ab. Ein Konto kassierte 400.000 US-Dollar, weil es Stunden vor der Festnahme von Nicolás Maduro auf genau dieses Ergebnis gewettet hatte. In Israel wurden zwei Personen angeklagt, darunter ein Militärreservist, der mutmaßlich Verschlusssachen für Polymarket-Wetten genutzt hatte.

Prediction Markets sorgen für Diskussionen

Für normale Nutzer läuft Polymarket strukturell schlechter als klassische Sportwetten. Die Median-Rendite von Prediction-Market-Nutzern liegt bei minus 8 Prozent – schlechter als US-Sportwetten mit rund minus 5 Prozent. Das zeigen Daten aus einer Analyse von Citizens JMP, über die auch Boersen-Parkett.de berichtet hat. Auf einem Analysten-Call erklärten zwei professionelle Wettkunden, Prediction Markets seien besonders attraktiv, weil Privatanleger häufig die Gegenseite ihrer Trades stellten.

Polymarket hat seine Regeln inzwischen verschärft. Wetten auf Basis vertraulicher Informationen sind nun explizit verboten. Wettbewerber Kalshi führte zusätzliche Kontrollen für Politiker und Sportler ein.

Im US-Kongress hat Senator Chris Murphy den „BETS OFF Act“ eingebracht. Das Gesetz würde Wetten auf Regierungshandlungen, Kriege und Terroranschläge grundsätzlich untersagen.

Der Gesamtmarkt für Iran-bezogene Kontrakte auf Polymarket hat ein Volumen von über 130 Millionen US-Dollar erreicht. Ob es sich bei besagten Spekulanten tatsächlich um Insider (womöglich sogar aus dem Trump-Umfeld) handelt, ist bis dato nicht klar.