Fast die Hälfte der US-Krypto-Anleger ist ausgestiegen – während Deutsche nachkaufen

Raphael Lulay

30.07.2026, 20:48 Uhr

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Wie ein neuer Infografik-Marktreport von boersen-parkett.de zeigt, befindet sich der Kryptomarkt in einer Phase des Umbruchs. Mehrere aktuelle Studien aus den USA und Deutschland zeichnen ein zweigeteiltes Bild: Immer mehr Menschen haben bereits Erfahrungen mit Kryptowährungen gesammelt, doch ein erheblicher Teil von ihnen hat den Markt inzwischen wieder verlassen. Parallel dazu schrumpft die Kryptoindustrie, während neue Anlageformen wie Prediction Markets zunehmend um spekulatives Kapital konkurrieren.

Krypto News von boersen-parkett.de: Das Wichtigste in Kürze

  • In den USA hat fast jeder zweite ehemalige Krypto-Anleger den Markt wieder verlassen: 17 Prozent waren mal investiert, nur noch 9 Prozent sind es heute.
  • Die Krypto-Nutzung liegt in den USA unter dem Boom-Niveau von 2021 – trotz weiter wachsender Bekanntheit
  • Deutschland ist kleiner, aber beständiger: nur 7 Prozent Nutzer, dafür deutlich weniger Aussteiger.
  • Aktive deutsche Anleger kaufen Rücksetzer: 44 Prozent stiegen beim Kursrückgang Anfang 2026 günstiger wieder ein, nur 14 Prozent reduzierten.
  • Das öffentliche Interesse kühlt ab – das Google-Suchvolumen für Bitcoin und viele Krypto-Assets liegt auf einem 12-Monats-Tief.
  • Die Branche schrumpft: über 7.000 abgebaute Stellen im laufenden Jahr, u. a. bei Kraken, Consensys, Polygon und Chainalysis.
  • Neue Konkurrenz um spekulatives Kapital: Robinhood verdient mit Prediction Markets inzwischen mehr als mit dem Kryptohandel.

Fast jeder zweite US-Krypto-Anleger ist wieder ausgestiegen

Die auffälligste Entwicklung zeigt sich in den USA.

17 Prozent der US-Erwachsenen geben an, irgendwann einmal Kryptowährungen besessen zu haben. Aktuell halten jedoch nur noch 9 Prozent tatsächlich Krypto. Damit hat fast jeder Zweite, der jemals investiert war, dem Markt wieder den Rücken gekehrt.

Ehemalige und aktive Krypto-Investoren in den USA im Vergleich.
Von 17 Prozent der US-Erwachsenen, die jemals Kryptowährungen besaßen, halten heute nur noch 9 Prozent Krypto. Fast jeder zweite ehemalige Investor ist damit wieder ausgestiegen. Quelle: Pew Research Center.

Krypto-Nutzung bleibt unter dem Niveau des Booms

Auch die Federal Reserve kommt zu einem ähnlichen Ergebnis.

2025 nutzten 10 Prozent der US-Erwachsenen Kryptowährungen, 9 Prozent hielten sie als Investment. 2021 lagen die Werte noch bei 12 beziehungsweise 11 Prozent.

Der Markt hat sich damit zwar stabilisiert, das Niveau des letzten Bullenmarktes aber bislang nicht wieder erreicht.

Vergleich der Krypto-Nutzung in den USA zwischen 2021 und 2025.
Die Krypto-Nutzung in den USA sank von 12 Prozent im Jahr 2021 auf 10 Prozent im Jahr 2025. Auch der Anteil der Nutzer, die Krypto als Investment halten, ging von 11 auf 9 Prozent zurück. Quelle: Federal Reserve, Survey of Household Economics and Decisionmaking.

Immer mehr Menschen kennen Krypto – aber nicht alle bleiben dabei

Die Daten des Pew Research Center ergänzen dieses Bild.

Der Anteil der US-Erwachsenen, die jemals Kryptowährungen genutzt oder gekauft haben, stieg von 16 Prozent im Jahr 2021 auf 19 Prozent Anfang 2026. Dass die Werte zwischen den einzelnen Erhebungen leicht variieren, liegt an unterschiedlichen Fragestellungen und Erhebungszeitpunkten – der Trend ist jedoch überall derselbe.

Besonders deutlich legte die Nutzung unter Republikanern zu: von 16 auf 22 Prozent. Bei Demokraten blieb sie mit 17 Prozent nahezu unverändert.

Entwicklung der Krypto-Erfahrung in den USA nach politischer Orientierung.
Der Anteil der US-Erwachsenen mit Krypto-Erfahrung stieg von 16 Prozent im Jahr 2021 auf 19 Prozent im Jahr 2026. Unter Republikanern nahm der Anteil besonders deutlich zu. Quelle: Pew Research Center.

Die Zahl der Menschen mit Krypto-Erfahrung wächst also weiter. Gleichzeitig zeigt der hohe Anteil an Aussteigern, dass viele dem Markt nur vorübergehend treu bleiben.

Deutschland bleibt deutlich stabiler

Während die USA einen hohen Anteil an Aussteigern verzeichnen, zeigt sich Deutschland zurückhaltender – aber beständiger.

Nach der aktuellen Bundesbank-Studie haben 7 Prozent der Deutschen bereits Krypto-Token genutzt oder gekauft. Weitere 4 Prozent planen dies künftig. 74 Prozent schließen eine Nutzung für sich aus, und 10 Prozent kennen Krypto-Token bislang überhaupt nicht.

Krypto-Nutzung und Bekanntheit in Deutschland.
7 Prozent der Befragten in Deutschland haben bereits Krypto-Token genutzt oder gekauft, weitere 4 Prozent planen eine künftige Nutzung. Quelle: Deutsche Bundesbank.

Der deutsche Markt wächst damit langsamer, wirkt innerhalb seiner kleineren Nutzerbasis aber deutlich stabiler.

Deutsche Anleger kaufen Rücksetzer

Interessant ist der Blick auf aktive Krypto-Investoren hierzulande.

Laut der Crypto Survey 2026 von Strategy& und PwC reduzierten während des Kursrückgangs Anfang 2026 lediglich knapp 14 Prozent der aktiven Anleger in Deutschland ihre Bestände.

44 Prozent nutzten die niedrigeren Kurse, um nach einem früheren Ausstieg wieder einzusteigen, weitere 12 Prozent stockten bestehende Positionen auf. Nur 21 Prozent betrieben kurzfristiges Daytrading.

Reaktionen von Krypto-Anlegern auf den Kursrückgang Anfang 2026.
44 Prozent der befragten Anleger kauften nach einem früheren Verkauf günstiger zurück, 12 Prozent erhöhten ihre Bestände und knapp 14 Prozent reduzierten ihre Positionen. Quelle: Crypto Survey 2026 von Strategy& und PwC.

Das Interesse lässt nach – Bitcoin verliert an Aufmerksamkeit

Zwischen Juli 2025 und Juli 2026 kam es zwar mehrfach zu deutlichen Ausschlägen, zuletzt notiert das Suchinteresse an Bitcoin und vielen weiteren Krypto-Assets jedoch auf einem 12-Monats-Tief. Suchanfragen spiegeln zwar keine tatsächlichen Käufe wider, gelten aber als wichtiger Indikator für das öffentliche Interesse – und dieses hat zuletzt spürbar nachgelassen.

Gleichzeitig schrumpft die Branche

Die Marktbereinigung zeigt sich auch innerhalb der Kryptoindustrie selbst.

Allein im laufenden Jahr wurden weltweit mehr als 7.000 Stellen in Krypto-Unternehmen abgebaut. Betroffen waren unter anderem Kraken, Consensys, Polygon und Chainalysis.

Nach Jahren schnellen Wachstums befindet sich die Branche damit zunehmend in einer Konsolidierungsphase.

Konkurrenz für Kryptowährungen?

Neben Regulierung und Marktschwankungen gewinnt ein weiterer Faktor an Bedeutung: neue spekulative Anlageformen.

Robinhood erzielte im zweiten Quartal mit Prediction Markets höhere transaktionsbasierte Erlöse als mit dem Handel von Kryptowährungen oder Aktien. Event-Kontrakte brachten 156 Millionen US-Dollar ein, der Kryptohandel dagegen 100 Millionen US-Dollar – 38 Prozent weniger als im Vorjahr. Insgesamt stiegen die transaktionsbasierten Erlöse auf 776 Millionen US-Dollar, der Quartalsgewinn kletterte um 48 Prozent auf 573 Millionen US-Dollar.

Die Zahlen beweisen keinen direkten Zusammenhang. Sie zeigen aber, dass spekulatives Kapital heute auf deutlich mehr Anlageklassen verteilt wird als noch vor wenigen Jahren – und Prediction Markets dabei zunehmend mit Krypto um dieselben Anleger konkurrieren.

So unterschiedlich die einzelnen Erhebungen im Detail ausfallen – unterschiedliche Fragestellungen, Zeiträume und Methoden führen zwangsläufig zu abweichenden Werten –, die Tendenz ist über alle Studien hinweg eindeutig: Der Kryptomarkt hat eine große Bereinigungsphase hinter sich. In den USA hat fast die Hälfte der ehemaligen Anleger den Markt verlassen, die Branche baut Stellen ab, und spekulatives Kapital verteilt sich auf neue Anlageklassen. Wer heute noch investiert ist, tut das meist bewusster und langfristiger als in den Boomjahren – in Deutschland offenbar besonders konsequent. Eine direkte Aussteigerquote wie in den USA liegt für Deutschland zwar nicht vor, doch das beständigere Anlegerverhalten lässt sich sowohl aus dem Kaufverhalten während der Rücksetzer als auch aus strukturellen Gründen ableiten. Einer davon: Hierzulande fehlt eine Ausweichmöglichkeit. Plattformen wie Polymarket, die in den USA bereits Kapital aus dem Kryptomarkt abgezogen haben, sind in Deutschland bislang nicht regulär verfügbar. Deutsche Krypto-Anleger bleiben ihren Positionen damit auch deshalb treuer, weil weniger Alternativen um ihr Kapital konkurrieren.