Iran-Konflikt rückt Bitcoin-Mining in den Fokus – mögliche Folgen für die globale Hashrate

Alex Merten

02.03.2026, 12:31 Uhr

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Die jüngste militärische Eskalation im Nahen Osten hat eine Entwicklung ins Blickfeld gerückt, die bislang vor allem Fachkreise beschäftigte: die Rolle des Iran im globalen Bitcoin-Mining und die Frage, ob geopolitische Spannungen indirekt Auswirkungen auf das weltweit verteilte Bitcoin-Netzwerk haben können.

Während sich der Mainstream zunächst auf Energiepreise und Devisenmärkte konzentrierte, richtet sich der Blick jetzt auch auf digitale Rechenzentren, die mit subventioniertem Strom betrieben werden und einen nicht unerheblichen Anteil am Schürfen von Bitcoin haben.

Wie stark ist Irans Beitrag zur Hashrate wirklich?

Zahlreiche Branchenbeobachter betonen, dass die Datenlage im Bitcoin-Mining generell schwer zu quantifizieren ist – erst recht in Regionen mit hoher Intransparenz. Jüngste Schätzungen internationaler Analysefirmen gehen davon aus, dass der Iran derzeit etwa 2 % bis 5 % der globalen Bitcoin-Hashrate beisteuert – also etwa eine von zwanzig bis fünf von hundert Rechenleistungen weltweit.

Gemäß Berichten war der Anteil in den vergangenen Jahren sogar noch deutlich höher – zum Teil in der Größenordnung von bis zu 15 %, bevor regulatorische und infrastrukturelle Probleme zunahmen. Solche historischen Höchstwerte werden heutzutage von vielen Analysten als Obergrenze betrachtet, weil ein Großteil der Infrastruktur nicht dauerhaft stabil betrieben wird.

Diese Spannweite – von wenigen Prozentpunkten bis zweistelligen Anteilen – zeigt gleichzeitig, wie schwierig es ist, präzise Zahlen zu verifizieren, wenn große Teile des Minings außerhalb offizieller Regulierungs- und Meldestrukturen operieren.

Warum ist Mining im Iran so günstig?

Ein Kernfaktor für die Attraktivität des Standorts Iran ist der Preis für elektrische Energie. Dort können Schätzungen zufolge dank staatlicher Subventionen und historisch niedriger Netzgebühren Produktionskosten von nur rund 1.320 US-Dollar pro erzeugtem Bitcoin entstehen – im globalen Vergleich extrem niedrige Werte.

Bitcoin-Mining-Kosten im Iran: Schätzungen versus aktueller Bitcoin Preis. Eigene Darstellung. Quelle: MEXC; Coingecko.com

Zum Vergleich: In vielen westlichen Ländern machen allein die Stromkosten oft mehrere Zehntausend Dollar pro BTC aus, bevor Hardware- und andere Betriebskosten einkalkuliert werden. Diese enorme Diskrepanz erklärt, warum Mining in Iran lange Zeit besonders profitabel war – und warum selbst Marktteilnehmer mit kritischer Perspektive diese Zahl immer wieder in Debatten zitieren.

Subventionierter Strom als struktureller Treiber – und Risiko

Die iranische Energiepolitik sieht staatlich geregelte Strompreise vor, um Haushalte und zentrale Einrichtungen zu entlasten. Dieser Mechanismus schafft jedoch erhebliche Anreize für energieintensive Anwendungen wie Bitcoin-Mining – auch wenn große Teile davon illegal oder semilegale betrieben werden. Netzkapazitäten werden dadurch stark beansprucht und tragen zur Fragilität des Stromsystems bei.

Im Rahmen der aktuellen Debatte fällt der Begriff „Hashrate-Schock“ genau in diesen Kontext: Sollte die stabile Versorgung mit elektrischer Energie – etwa infolge von Infrastrukturverlusten durch militärische Aktionen – beeinträchtigt werden, würden auch Mining-Kapazitäten vorübergehend vom Netz gehen.

Technische Resilienz trotz regionaler Störungen

Trotz dieser lokalen Verwundbarkeit gilt das Bitcoin-Netzwerk als robust. Sinkt die globale Hashrate kurzfristig, reagiert das Protokoll automatisch: Die sogenannte Mining-Difficulty passt sich in regelmäßigen Abständen an, und die durchschnittliche Blockzeit stabilisiert sich wieder. Auch frühere Rückgänge der Hashrate – etwa nach Regulierungsverschärfungen in China oder wetterbedingten Ausfällen in großen Mining-Regionen – konnten ohne Netzwerkausfall kompensiert werden.

Ein vollständiger Ausfall iranischer Kapazitäten würde demnach zwar messbare Effekte auf die globale Rechenleistung haben, aber nach aktueller Einschätzung keine existenzielle Bedrohung für das Funktionieren des Netzwerks darstellen.

Marktpsychologie und geopolitischer Kontext

Technisch robust, dennoch politisch hoch symbolisch: Die Debatte um Irans Anteil an der Bitcoin-Hashrate und die extrem niedrigen Produktionskosten verdeutlicht ein übergeordnetes Thema. In Phasen geopolitischer Krisen reagieren Kapitalmärkte nicht nur auf makroökonomische Fundamentaldaten, sondern auch auf Narrative darüber, wie stabil und dezentral digitale Infrastrukturen tatsächlich sind.

Performance von Bitcoin und Gold nach den genannten Ereignissen. Quelle: https://www.blackrock.com/us/financial-professionals/literature/whitepaper/bitcoin-a-unique-diversifier.pdf

Ein temporärer Rückgang der Hashrate – egal, ob real oder nur spekulativ befürchtet – kann daher kurzfristig zu erhöhten Volatilitäten führen, selbst wenn die Netz-Fundamente intakt bleiben, wie unterschiedliche Medien wie etwa Blocktrainer.de aktuell konstatieren.