In den USA sorgt ein ungewöhnlicher Fall für Aufsehen, der ein Schlaglicht auf die wachsende Bedeutung von Prognosemärkten wirft. Gabriel Perez, der seit 2016 als Teleprompter-Operator für Donald Trump arbeitet, soll mehr als 100.000 US-Dollar mit Wetten auf die Inhalte von Präsidentenreden verdient haben. Die US-Aufsichtsbehörde CFTC ermittelt, das Weiße Haus hat Perez in unbezahlten Urlaub versetzt. Zuerst berichtet hatte ABC News, inzwischen ist der Fall breit bestätigt.
Kalshi Skandal: Wie der Teleprompter-Operator vorgegangen sein soll
Perez arbeitet seit Trumps erster Amtszeit für den Präsidenten und wurde für die zweite Amtszeit übernommen. Durch seine Tätigkeit kannte er die vorbereiteten Redetexte, bevor Trump sie öffentlich hielt. Dieses Wissen soll er auf der Prognoseplattform Kalshi eingesetzt haben, konkret im sogenannten „Mentions“-Markt. Dort spekulieren Nutzer darauf, ob bestimmte Wörter, Begriffe oder Themen in einer öffentlichen Rede fallen.
Den Ermittlern zufolge platzierte Perez innerhalb von rund drei Monaten Wetten auf mehr als ein Dutzend Trump-Reden. Darunter waren die State of the Union im Februar, eine Ansprache beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar sowie eine Medal-of-Honor-Zeremonie im März. Besonders belastend ist ein Detail aus den Untersuchungen: Perez soll mitten in laufenden Reden aus Kontrakten ausgestiegen sein, wenn Trump vom Skript abwich und Abschnitte übersprang.
Warum ermittelt die CFTC gegen Gabriel Perez?
Bemerkenswert ist, wie der Fall aufgedeckt wurde. Nicht ein externer Hinweisgeber, sondern Kalshi selbst erkannte im März auffällige Handelsmuster, die nicht dem üblichen Kauf- und Verkaufsverhalten entsprachen. Teilweise meldeten auch Market Maker die Trades über interne Whistleblower-Kanäle. Anhand der bei der Kontoeröffnung erhobenen Daten stellte die Plattform fest, dass der Inhaber für die Bundesregierung arbeitete und als Teleprompter-Operator tätig war. Kalshi fror das Konto ein und leitete die Erkenntnisse an die zuständige Aufsichtsbehörde weiter, die Commodity Futures Trading Commission.
Durch das Einfrieren blieb Perez der Großteil der Gewinne verwehrt. Rund 90.000 US-Dollar wurden festgehalten, zudem sperrte Kalshi sein Konto. Die CFTC prüft nun, ob Perez vertrauliche Informationen aus seinem beruflichen Umfeld missbraucht hat, um sich einen unzulässigen Vorteil zu verschaffen. Nach bisherigem Stand befindet sich Perez in Gesprächen über eine zivilrechtliche Einigung, die eine Herausgabe der Gewinne und ein Verbot ähnlicher Trades vorsehen könnte. Bundesanwälte in Manhattan lehnten ein Strafverfahren ab. Das Weiße Haus versetzte Perez in unbezahlten Urlaub; die Pressesprecherin bezeichnete den Vorgang als bedauerlich.
Kalshi News: Was der Fall für Prediction Markets bedeutet
Der Vorfall lenkt die Aufmerksamkeit auf Prognosemärkte wie Kalshi und Polymarket, die in den vergangenen Jahren vor allem rund um Wahlen und politische Ereignisse stark gewachsen sind. Der eigentliche Kern des Falls ist weniger der prominente Name als vielmehr eine strukturelle Frage: Diese Märkte sind inzwischen groß genug, dass klassische Fragen des Insiderhandels auf sie angewendet werden. Wer aufgrund seiner Tätigkeit Zugang zu nicht öffentlichen Informationen hat, verschafft sich einen unfairen Vorteil, wenn er darauf wettet.
Kalshi hatte seine Compliance-Verfahren bereits im Vormonat verschärft und verlangt seitdem, dass Nutzer ihren Arbeitgeber angeben. Auch ist es nicht das erste Mal, dass ausgerechnet die State of the Union in einen Prognosemarkt-Skandal verwickelt ist: Zuvor wurde dem früheren Politiker George Santos vorgeworfen, auf sein eigenes Nicht-Erscheinen bei der Veranstaltung gewettet zu haben, was er bestritt. Sollten sich die Vorwürfe gegen Perez bestätigen, dürfte die Debatte über eine strengere Regulierung dieser Plattformen an Fahrt gewinnen. Bis zu einer endgültigen Klärung gilt auch hier die Unschuldsvermutung.
Eigene Meinung zum Fall
Der Fall wirkt auf den ersten Blick wie eine kuriose Randnotiz, hat aber einen ernsteren Kern. Für Anleger und Beobachter des Marktes ist weniger der Trump-Bezug relevant als die Erkenntnis, dass Prognosemärkte wie Kalshi und Polymarket eine Reife erreicht haben, in der sie denselben Integritätsfragen unterliegen wie regulierte Finanzmärkte. Dass Kalshi die auffälligen Trades selbst erkannte und meldete, lässt sich als funktionierende Marktüberwachung lesen. Gleichzeitig zeigt der Fall, wie schwer nicht öffentliches Wissen in einem so neuen Umfeld zu kontrollieren ist. Für regulierungsinteressierte Anleger ist der Vorgang vor allem ein Signal, dass die Aufsicht über diese Märkte in den kommenden Jahren zunehmen dürfte. Wie belastbar die Vorwürfe im Detail sind, müssen die laufenden Untersuchungen der US-Behörden zeigen.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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