KI-Coins führen Kryptomarkt mit zweistelligen Tagesrenditen an

Alex Merten

25.02.2026, 10:15 Uhr

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Während weite Teile des Kryptomarkts kaum Dynamik zeigen, legen Token mit KI-Bezug deutlich zu. Ein aktueller Sektorenvergleich auf Basis von Daten von CoinGecko weist insbesondere AI-Framework- und Agenten-Projekte als relative Gewinner aus.

Am heutigen Handelstag stechen Kryptowährungen mit klarem Künstliche-Intelligenz-Fokus im Branchenvergleich hervor. Laut Datenauswertung von CoinGecko verzeichnete der Sektor „AI Framework“ binnen 24 Stunden ein Plus von 10,1 Prozent und führt damit das Ranking an. Dahinter folgt das Segment „AI Agent Launchpad“ mit einem Zuwachs von 9 Prozent. Ebenfalls im oberen Feld positionieren sich klassische „AI Agents“, die um 7,2 Prozent zulegten.

Warum ist das bemerkenswert? Der breite Kryptomarkt präsentiert sich derzeit eher uneinheitlich. Viele Large Caps bewegen sich in engen Handelsspannen, die Gesamtmarktkapitalisierung schwankt ohne klaren Trend. In diesem Umfeld rücken relative Gewinner besonders in den Fokus. Kapital scheint gezielt in Themen mit strukturellem Wachstumspotenzial umzuschichten – und dazu zählen derzeit klar KI-getriebene Protokolle. Viele fragen sich: sollte man gerade jetzt KI Kryptowährungen kaufen?

AI-Frameworks profitieren von Infrastruktur-Fantasie

Das stärkste Segment, AI Framework, steht im Kern für technologische Basisinfrastruktur. Gemeint sind Protokolle, die Entwicklern Werkzeuge, Rechenressourcen oder standardisierte Umgebungen bereitstellen, um KI-Anwendungen dezentral zu betreiben. Die Investment-Logik ähnelt klassischen Plattform-Ansätzen: Wer die Infrastruktur stellt, partizipiert potenziell an einer Vielzahl von Anwendungen, die darauf aufbauen.

Das aktuelle zweistellige Plus deutet darauf hin, dass Anleger diesen Basis-Charakter höher gewichten als einzelne Endanwendungen. In Phasen erhöhter Unsicherheit werden häufig jene Projekte bevorzugt, die als infrastrukturelle Enabler gelten – also als Grundlage für ein mögliches Ökosystem.

Launchpads und Agenten: Spekulation auf das nächste Narrativ

Auf Rang zwei folgt der Bereich AI Agent Launchpad. Dahinter stehen Plattformen, die die Entwicklung und Einführung autonomer KI-Agenten erleichtern sollen. Solche Agenten agieren eigenständig, führen Transaktionen aus oder interagieren mit anderen Protokollen. Launchpads bieten dafür technische Strukturen und teilweise Token-Mechanismen zur Kapitalisierung neuer Projekte.

Das Kursplus von 9 Prozent signalisiert, dass Investoren hier auf eine neue Welle von KI-basierten Anwendungen setzen. Die Erwartung: Sollten autonome Agenten künftig verstärkt im Handel, im Datenmanagement oder in digitalen Dienstleistungen eingesetzt werden, könnten die Startplattformen überproportional profitieren.

Auch der Sektor AI Agents selbst – also Token rund um konkrete autonome KI-Anwendungen – gehört mit 7,2 Prozent Tagesgewinn zu den Outperformern. Diese Projekte versprechen operative Intelligenz direkt auf der Blockchain, etwa durch automatisierte Entscheidungsprozesse oder algorithmische Steuerung von Vermögenswerten. Das Potenzial ist hoch, die operative Umsetzung bleibt jedoch der entscheidende Faktor.

Makro-Narrativ: Debatte um eine globale KI-Knappheit

Die Stärke der KI-Coins fällt in eine Phase intensiver Diskussionen über die langfristige Verfügbarkeit von KI-Ressourcen. In einer viel beachteten Analyse mit dem Titel „The 2028 Global Intelligence Crisis“ beschreibt Citrini Research ein mögliches Szenario struktureller Engpässe bei Rechenleistung, Energieversorgung und spezialisierter Hardware.

Demnach könnte der Bedarf an leistungsfähigen KI-Systemen schneller wachsen als die globale Infrastruktur. Das würde nicht nur Technologiekonzerne, sondern ganze Volkswirtschaften vor Herausforderungen stellen. Für den Kryptosektor ergibt sich daraus ein indirektes Narrativ: Dezentrale Netzwerke könnten theoretisch als alternative Marktplätze für Rechenleistung oder Datenverarbeitung dienen.

Ob diese Modelle tatsächlich in der Lage sind, einen signifikanten Teil des erwarteten Bedarfs abzudecken, ist offen. Zwischen technologischer Vision und realer Skalierung liegen häufig regulatorische, technische und ökonomische Hürden. Gleichwohl verstärken solche Studien die Wahrnehmung, dass KI ein strukturelles Megathema bleibt – auch im digitalen Asset-Bereich.

Kapital rotiert in thematische Nischen

Die aktuellen Tagesgewinne sind Momentaufnahmen, sie zeigen jedoch eine klare Tendenz: Kapital sucht innerhalb des Kryptomarkts gezielt nach wachstumsstarken Narrativen. Während klassische Layer-1- oder Zahlungs-Token derzeit keine ausgeprägte Dynamik entwickeln, gewinnen KI-bezogene Segmente an relativer Stärke.

Ob daraus ein nachhaltiger Trend entsteht, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung der globalen KI-Industrie und der konkreten Nutzung der jeweiligen Protokolle ab. Kurzfristige Performance ist kein Beleg für langfristigen Erfolg – sie signalisiert jedoch, wo der Markt aktuell Chancen sieht.

Was Anleger jetzt beobachten sollten: Hält die Outperformance der KI-Sektoren auch bei insgesamt schwacher Marktstimmung an, könnte das auf strukturelle Kapitalverschiebungen hindeuten. Wichtig bleibt zudem, ob Handelsvolumen und Netzwerknutzung die Kursanstiege stützen. Und schließlich dürfte die weitere Diskussion um mögliche Engpässe in der KI-Infrastruktur das Thema zusätzlich befeuern.