Die Aktie der Bitcoin-Treasury-Gesellschaft Nakamoto Inc. ist seit Mai vergangenen Jahres um mehr als 99 Prozent eingebrochen. Das Unternehmen, das massiv auf Bitcoin setzte, kämpft nun mit hohen Buchverlusten – und steht exemplarisch für die Risiken eines zunehmend populären Geschäftsmodells. Krypto News wie diese verunsichern die Marktteilnehmer aktuell massiv, so scheint es.
Innerhalb von rund 280 Tagen verlor Nakamoto Inc. nach aktuellen Daten 99,32 Prozent an Wert. Vom zwischenzeitlichen Hoch bei 22,60 US-Dollar im Mai vergangenen Jahres fiel der Kurs auf zuletzt nur noch 0,24 US-Dollar. Dabei wurden rund 23,6 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung ausgelöscht. Auslöser ist vor allem die aggressive Bitcoin-Strategie des Unternehmens, die sich in der aktuellen Marktphase als schwer kalkulierbares Risiko erweist.
Krypto-Treasury-Unternehmen: Häufig Geschäftsmodell mit einseitiger Wette
Nakamoto Inc. hatte sich nahezu vollständig darauf konzentriert, Bitcoin in großem Umfang zu erwerben. Insgesamt wurden 5.398 Bitcoins zu einem durchschnittlichen Preis von etwa 118.000 US-Dollar eingesammelt. Angesichts der aktuellen Kursentwicklung am Kryptomarkt summieren sich die nicht realisierten Verluste auf rund 270 Millionen US-Dollar.
Damit zeigt sich die Kehrseite eines Trends, der in den vergangenen Quartalen stark an Dynamik gewonnen hatte: Immer mehr börsennotierte Gesellschaften versuchten, das Modell von Strategy zu kopieren. Diese hatte sich frühzeitig als institutioneller Großinvestor in Bitcoin positioniert und damit erhebliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
Doch während Strategy über ein etabliertes operatives Geschäft verfügt, das zumindest einen gewissen finanziellen Puffer schafft, fehlt vielen Nachahmern eine vergleichbare Basis. Das Risiko konzentriert sich damit nahezu vollständig auf die Kursentwicklung von Bitcoin.
Kapitalaufnahme über Umwege
Viele der neuen Bitcoin-Treasury-Unternehmen setzten auf aggressive Finanzierungsformen, um Kapital für den Erwerb digitaler Vermögenswerte zu beschaffen. Häufig kamen spezielle Privatplatzierungen – sogenannte PIPE-Deals – zum Einsatz. Dabei erhalten institutionelle Investoren Aktien zu vergünstigten Konditionen, oft verbunden mit bestimmten Sicherungsmechanismen.
Solange der Bitcoin-Preis steigt, funktioniert dieses Konstrukt. Der steigende Wert der Bestände erhöht den bilanziellen Eigenkapitalwert, neue Investoren lassen sich leichter gewinnen, die Aktie bleibt stabil oder steigt sogar überproportional. Fällt der Bitcoin-Preis jedoch deutlich, dreht sich der Mechanismus um.
Dann geraten nicht nur die Buchwerte unter Druck, sondern auch die Aktienkurse. Kommen zusätzlich institutionelle Frühinvestoren auf die Idee, ihre günstig erworbenen Anteile am Markt zu platzieren, kann dies eine Abwärtsspirale auslösen. Besonders betroffen sind dann häufig Privatanleger, die zu deutlich höheren Kursen eingestiegen sind.
Systemisches Risiko für den Krypto-Markt?
Einige Marktbeobachter warnen inzwischen, dass sich aus der Vielzahl solcher Konstrukte ein größeres Risiko entwickeln könnte. Sollte der Bitcoin-Preis stärker korrigieren, könnten mehrere Treasury-Gesellschaften gleichzeitig unter Druck geraten. Das würde nicht nur einzelne Aktien betreffen, sondern könnte auch das Vertrauen in das gesamte Modell schwächen.
Ob daraus tatsächlich ein systemisches Problem entsteht, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung am Kryptomarkt ab. Klar ist jedoch: Je stärker Unternehmen bilanziell von einem einzelnen volatilen Vermögenswert abhängig sind, desto anfälliger werden sie für Marktschwankungen.
Unterschiedliche Ausgangslagen
Im Vergleich dazu wird die Bitcoin Aktie Strategy von vielen Investoren trotz kritischer Stimmen als robuster eingeschätzt. Das Unternehmen hat sich über Jahre hinweg als größter börsennotierter Bitcoin-Halter etabliert. Erst am Sonntagnachmittag deutscher Zeit veröffentlichte Firmenchef Michael Saylor einen Beitrag mit dem Titel „The Orange Century“. Die begleitende Grafik wurde am Markt als möglicher Hinweis auf einen weiteren Bitcoin-Kauf interpretiert.
The Orange Century. pic.twitter.com/8zelTduTPC
— Michael Saylor (@saylor) February 22, 2026
Diese konsequente Kommunikationsstrategie signalisiert, dass Strategy an seinem langfristigen Kurs festhält. Dennoch bleibt auch hier das Geschäftsmodell eng an die Entwicklung von Bitcoin gekoppelt. Der Unterschied liegt vor allem in der Kapitalstruktur, der Größe der Bestände und der bisherigen Marktakzeptanz.
