MARA Holdings übernimmt Mehrheit an Exaion und setzt auf KI-Infrastruktur

Alex Merten

21.02.2026, 17:37 Uhr

MARA Holdings hat die strategische Neuausrichtung weiter konkretisiert. Der US-Konzern übernimmt 64 Prozent am französischen Infrastrukturbetreiber Exaion und steigt damit gezielt in die Bereiche Künstliche Intelligenz, High-Performance-Computing und Cloud-Services ein. Die Transaktion markiert einen weiteren Schritt weg vom rein bitcoinzentrierten Geschäftsmodell hin zu breiter aufgestellten digitalen Infrastrukturdienstleistungen.

Die Bedeutung des Deals liegt in einem strukturellen Wandel der Branche. Klassische Mining-Erlöse stehen seit dem jüngsten Halving und einer weiter steigenden globalen Rechenleistung unter Druck. Die Margen vieler Betreiber sind geschrumpft, während die Abhängigkeit vom Bitcoin-Preis hoch bleibt. In diesem Umfeld suchen große Akteure nach stabileren, planbaren Erlösquellen. Der Einstieg in KI- und Cloud-Infrastruktur verspricht wiederkehrende Umsätze, die weniger stark an die Volatilität des Kryptomarktes gekoppelt sind.

Krypto Treasuries: Diversifikation als strategische Antwort

MARA Holdings gehört mit einem Bestand von 53.250 Bitcoin zu den größten börsennotierten Haltern der Kryptowährung weltweit und rangiert branchenweit auf Platz zwei unter den Public Companies. Diese Position verschafft dem Unternehmen zwar eine erhebliche Hebelwirkung auf steigende Kurse, erhöht jedoch zugleich die Bilanzsensitivität bei Rücksetzern.

Anzahl der von MARA Holdings gehaltenen Bitcoins im Zeitverlauf. Bildquelle: bitcointreasuries.net

Die Übernahme von Exaion ist vor diesem Hintergrund als Diversifikationsschritt zu verstehen. Exaion betreibt Hochleistungsrechenzentren und bietet sichere Cloud- sowie KI-Infrastruktur an. Gerade in Europa wächst die Nachfrage nach lokal verankerter, regulierungskonformer Rechenleistung für KI-Anwendungen deutlich. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen benötigen leistungsfähige Systeme, die große Datenmengen verarbeiten können und zugleich hohen Datenschutzanforderungen genügen.

Technologische Schnittmengen zwischen Krypto und KI

Die strategische Logik hinter dem Schritt ist technisch nachvollziehbar. Bitcoin-Miner verfügen über Erfahrung im Management energieintensiver Rechenprozesse, in der Optimierung von Kühltechnik sowie im Betrieb stabiler Strom- und Netzanschlüsse. Diese Kompetenzen sind auch für KI-Workloads relevant. Das Training großer Sprachmodelle und anderer KI-Systeme erfordert massive Rechenkapazitäten, effiziente Kühlung und eine verlässliche Energieversorgung.

Während beim Mining spezialisierte Chips zum Einsatz kommen, basieren KI-Rechenzentren auf Hochleistungs-Grafikprozessoren und anderen Beschleunigern. Dennoch ähneln sich viele infrastrukturelle Anforderungen. Wer Standorte mit günstiger Energie, skalierbarer Infrastruktur und Erfahrung im Dauerbetrieb betreibt, kann diese Grundlagen auf neue Anwendungsfelder übertragen. Genau hier setzt MARA an.

Für den Konzern bedeutet dies eine Erweiterung des Wertschöpfungsmodells: Statt ausschließlich von Blockbelohnungen und Transaktionsgebühren abhängig zu sein, können künftig Dienstleistungen im Bereich KI-Hosting und Cloud-Rechenleistung angeboten werden. Das eröffnet Potenzial für vertraglich gesicherte, längerfristige Einnahmen.

Krypto versus KI

Aus Anlegersicht spiegelt der Schritt einen breiteren Trend wider. In den vergangenen Quartalen ist zu beobachten, dass Kapital zunehmend vom reinen Kryptonarrativ in Richtung KI-Infrastruktur und Rechenzentren umgeschichtet wird. Während Bitcoin weiterhin als digitales Wertaufbewahrungsmittel betrachtet wird, gilt KI als Wachstumstreiber mit industrieller Breitenwirkung.

Viele Investoren differenzieren inzwischen stärker: Reine Mining-Geschäftsmodelle werden kritischer bewertet, insbesondere in Phasen hoher Energiekosten oder sinkender Mining-Erträge. Unternehmen, die ihre Infrastruktur zusätzlich für KI- oder Cloud-Dienste nutzen, können hingegen ein robusteres Profil aufweisen. Die Bewertung orientiert sich dann nicht mehr ausschließlich am Bitcoin-Bestand, sondern auch an der operativen Cashflow-Perspektive.

Für MARA eröffnet sich damit die Chance, die eigene Aktie teilweise aus der engen Korrelation zum Bitcoin-Kurs zu lösen. Ob dies gelingt, hängt allerdings davon ab, wie schnell und profitabel das KI- und Cloud-Geschäft skaliert werden kann. Der Markt dürfte genau beobachten, ob aus der strategischen Beteiligung an Exaion substanzielle Ergebnisbeiträge entstehen.

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Gleichzeitig bleibt das Kerngeschäft bestehen. MARA ist weiterhin stark im Bitcoin-Mining engagiert und damit den bekannten Schwankungen des Kryptomarktes ausgesetzt. Die Integration eines europäischen Infrastrukturbetreibers bringt zudem regulatorische und operative Herausforderungen mit sich. Unterschiedliche Marktstrukturen und Energiepreise können die Kalkulation beeinflussen.

Dennoch unterstreicht der Deal eine strategische Verschiebung innerhalb der Branche. Bitcoin-Miner entwickeln sich zunehmend zu breit aufgestellten Betreibern digitaler Infrastruktur. Die Grenzen zwischen Krypto-Ökonomie und KI-Industrie beginnen zu verschwimmen.

Was Anleger jetzt beobachten sollten: Entscheidend ist, wie schnell Exaion in die Konzernstruktur integriert wird und ob konkrete Aufträge im KI- oder Cloud-Bereich folgen. Zudem bleibt die Entwicklung der Mining-Margen nach dem Halving ein zentraler Faktor. Schließlich wird sich zeigen, ob der Markt die Diversifikation mit einer stabileren Bewertung honoriert.