Schweizer Digitalbank startet Service für Krypto-Treasuries

Raphael Lulay

26.02.2026, 09:53 Uhr

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Die auf digitale Vermögenswerte spezialisierte Bank Sygnum hat am heutigen Donnerstag den Start ihres neuen Angebots „Sygnum Select“ bekannt gegeben. Nach Angaben des Instituts werden erste Kundenmandate bereits aktiv verwaltet. Das Modell überträgt die aus dem klassischen Private Banking bekannte diskretionäre Vermögensverwaltung auf Krypto-Assets.

Damit adressiert die Bank ein Marktsegment, das lange abseits strukturierter Asset-Management-Prozesse gewachsen ist: Unternehmens- und Protokoll-Treasuries, die digitale Vermögenswerte halten. Laut Sygnum übersteigen die Bestände sogenannter Digital Asset Treasury Companies inzwischen die Marke von 100 Milliarden US-Dollar.

Vom Verwahren zum aktiven Steuern

Die Relevanz des Schritts liegt weniger im Produktnamen als im strukturellen Wandel des Marktes. In den vergangenen Jahren stand bei institutionellen Investoren vor allem der Zugang zu Kryptowerten im Fokus – Verwahrung, Handel, regulatorische Einordnung. Mit zunehmender Marktreife verschiebt sich die Debatte jedoch in Richtung Governance, Risikosteuerung und Kapitalallokation.

Große Krypto-Treasuries sind häufig aus Token-Emissionen, strategischen Reserven oder bilanziellen Allokationen entstanden. Solange Märkte stark stiegen, blieb die Steuerung oft opportunistisch. Mit höherer Volatilität, regulatorischer Präzisierung und wachsendem Bilanzgewicht wird aus einem „Bestand“ jedoch ein strategischer Vermögensblock – und damit ein Thema für professionelles Mandatsmanagement.

Genau hier setzt Sygnum an: Innerhalb eines definierten Anlagerahmens übernimmt die Bank die Umsetzung, entwickelt strategische Allokationen, rebalanciert aktiv und überwacht Risiken anhand festgelegter Parameter wie Volatilitätszielen oder Verlustschwellen. Das Anlageuniversum reicht von Kryptowerten und Staking über tokenisierte Instrumente bis hin zu klassischen Wertpapieren.

Professionalisierung als nächste Marktphase

Der Start von „Sygnum Select“ ist auch Ausdruck einer breiteren Entwicklung. Digitale Vermögenswerte werden zunehmend nicht mehr isoliert betrachtet, sondern als Baustein in Multi-Asset-Portfolios integriert. Damit steigen die Anforderungen an Transparenz, Risikomodelle und institutionelle Standards.

Für Krypto-Stiftungen, die Protokoll-Treasuries verwalten, bedeutet das: Sie können operative Verantwortung auslagern und sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren. Für institutionelle Investoren entsteht ein Modell, das bekannte Strukturen aus dem Private Banking auf eine neue Anlageklasse überträgt.

Entscheidend ist dabei die Frage, ob sich diskretionäre Mandate im Krypto-Bereich als Standard etablieren. Sollte das Volumen großer Treasury-Bestände weiter steigen, dürfte der Druck zunehmen, diese Mittel nicht nur zu halten, sondern aktiv entlang definierter Risiko-Rendite-Ziele zu steuern.

Zum Start ist das Angebot auf Kunden mit Sitz in der Schweiz begrenzt. Eine Ausweitung auf weitere Märkte ist laut Bank geplant.