Donnerstagabend, 19. Februar 2026 – der Kryptomarkt wirkt nervös wie lange nicht. Während Öl und Gold deutlich zulegen, rutschen Bitcoin und viele große Altcoins erneut ab. Auslöser ist nicht ein Krypto-interner Schock, sondern ein klassischer Risikofaktor von außen: Die geopolitischen Spannungen rund um Iran spitzen sich zu – und US-Medien zeichnen ein Szenario, in dem ein amerikanischer Angriff immer wahrscheinlicher wird.
Besonders brisant: Das US-Portal Axios berichtet unter Berufung auf Insider, US-Präsident Donald Trump bereite sich darauf vor, „den Abzug zu drücken“. Gleichzeitig häufen sich Hinweise auf eine ungewöhnlich starke militärische Verlagerung in die Region. Laut US-Medien und Flugbeobachtungsdaten sollen Transportflugzeuge der US-Armee in kurzer Zeit mehr als 150 Flüge absolviert haben, um Material in den Nahen Osten zu bringen. Zusätzlich sollen in den vergangenen 24 Stunden mehr als 50 Kampfjets – darunter F-35, F-22 und F-16 – in die Region verlegt worden sein. Die Botschaft dahinter ist klar: Der Markt muss plötzlich wieder mit einem Konflikt rechnen, der größer werden könnte als viele bislang erwartet haben.
Ölpreis steigt, Krypto im Sinkflug
Die Reaktion an den Rohstoffmärkten kommt prompt – und sie passt zu einem Umfeld, in dem Anleger Schutz suchen. Der Ölpreis zieht an: WTI liegt auf Wochensicht rund 3,7 Prozent im Plus, Brent sogar etwa 4,2 Prozent. Auch Gold notiert wieder deutlich fester. Der Grund ist offensichtlich: In Stressphasen wird Risiko verkauft, Sicherheit gekauft – und Energie bekommt zusätzlich eine Risikoprämie, weil jede Eskalation im Nahen Osten sofort die Lieferkettenfantasie triggert. Das Narrativ von Bitcoin als digitalem Gold wird abermals in Zweifel gezogen.
Krypto dagegen bleibt das Sorgenkind. Der Bitcoin Kurs notiert am Donnerstagabend bei 66.029 US-Dollar, die Stimmung im Gesamtmarkt ist rot. Die gesamte Marktkapitalisierung des Kryptosektors liegt in den vergangenen 24 Stunden rund 1,7 Prozent im Minus. Auffällig ist dabei nicht nur der Kurs, sondern die Psychologie: Der Krypto-Angst-und-Gier-Index fällt auf 9 – ein Extremwert, der eher nach Kapitulation klingt als nach normaler Korrektur. Während der S&P 500 im Tagesverlauf teils sogar leicht zulegen kann, bleibt Krypto unter Druck. Risiko wird selektiv abgebaut – und Krypto steht ganz oben auf der Liste.

Wie panisch der Markt inzwischen denkt, zeigt sogar das Suchverhalten. Das Suchvolumen für „bitcoin going to zero“ erreicht ein Allzeithoch. Nie haben mehr Menschen danach gesucht, ob Bitcoin tatsächlich auf null fallen kann. Solche Suchtrends sind kein Kursorakel – aber sie sind ein ehrlicher Indikator dafür, wie stark die Angst gerade in die Breite geht.
Privatanleger mit ängstlicher Bitcoin Prognose
Dieses Stimmungsbild passt in ein Muster, das sich bereits 2025 deutlich gezeigt hat: Privatanleger haben netto verkauft – während große Akteure eher auf der Käuferseite standen. Genau diese Kluft ist es, die in Stressphasen häufig sichtbar wird: Während Retail aus Unsicherheit Risiken reduziert, akkumulieren kapitalkräftige Käufer Rücksetzer.

Hinzu kommt ein weiterer Baustein, der die Nervosität verstärkt: Polymarket eskaliert. Rund um Iran-Szenarien läuft dort inzwischen viel Geld. In einer Wette mit etwa fünf Millionen US-Dollar Volumen sehen rund 40 Prozent eine Chance, dass das iranische Regime noch in diesem Jahr stürzt. Spekulation wird kapitalisiert, Social Media feuert die Erzählung an, und die Wetten wirken wie ein Brennglas für den kollektiven Risiko-Modus.

Gleichzeitig gibt es auch einen historischen Gegenpunkt, den Anleger kennen sollten – ohne ihn zu romantisieren. Rückblickend hat Bitcoin auf geopolitische Schocks in der jeweiligen Woche häufig negativ reagiert, im Schnitt mit Rückgängen um etwa 6 Prozent. In den Wochen danach folgten nicht selten kräftige Erholungen – im Mittel rund 22,75 Prozent nach einem Monat. Die Krux: 2026 ist kein Standardjahr. Die Marktstruktur ist anders, die Nervosität ist höher, und die politische Schlagzeilenlage ist aggressiver. Genau deshalb kann eine Statistik beruhigen – aber sie kann keine Sicherheit liefern.

Unterm Strich bleibt der Kryptomarkt damit in einer heiklen Lage: Öl und Gold signalisieren Risiko, der Suchtrend zeigt Panik, der Angst-und-Gier-Index klebt am Tiefpunkt – und gleichzeitig deutet die Erfahrung aus 2025 darauf hin, dass größere Käufer Rücksetzer eher als Gelegenheit sehen.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Seit 2018 berichtet er über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
