Krypto-Börsen, bei denen beim Handel relativ hohe Gebühren fällig werden, erfreuen sich bei deutschen Krypto-Anlegern besonders großer Beliebtheit. Welche das sind, welche digitalen Assets besonders häufig in den Portfolios landen und welche weiteren Trends sich in der Bundesrepublik rund um Bitcoin, Ethereum und Co. abzeichnen, zeigt ein neuer Marktreport von boersen-parkett.de. Dafür hat die Redaktion mehrere Studien und Umfragen zusammengetragen und ihre Ergebnisse gegenübergestellt.
375 Euro pro Monat: So hoch liegt der mittlere monatliche Investitionsbetrag in der Studie „Digital Assets in Deutschland 2026“ von KPMG und BTC-ECHO. Gemeint ist der Median, also der Wert in der Mitte der Angaben. Fast jeder vierte Befragte investiert deutlich mehr: 23 Prozent stecken monatlich über 1.000 Euro in digitale Assets.
Auch deren Gewicht im Vermögen ist gestiegen. In der aktuellen Erhebung entfallen durchschnittlich 34 Prozent des Gesamtvermögens auf digitale Assets, nach 29 Prozent in der Vorjahresstudie. Das sind fünf Prozentpunkte mehr. Gleichzeitig verfolgen 87 Prozent der Investierenden einen langfristigen Vermögensaufbau. Regelmäßige Käufe und ein langer Anlagehorizont prägen damit das Bild.

Die Befragung mit über 1.400 Teilnehmern richtet sich an eine kryptoaffine Zielgruppe und ist nicht repräsentativ für sämtliche Anleger in Deutschland. Die hohe Gewichtung beschreibt deshalb vor allem das Engagement dieser Gruppe. Innerhalb ihrer Portfolios sind Bitcoin und andere digitale Vermögenswerte allerdings längst mehr als eine kleine Beimischung.
Gebühren bei Wahl für Krypto-Börse kein Hauptkriterium?
Wer regelmäßig Geld investiert, entscheidet mit der Wahl seiner Handelsplattform auch darüber, wie viel davon tatsächlich in Kryptowährungen ankommt. Genau hier zeigt sich ein spannender Befund: Beliebtheit und günstige Handelskosten gehen keineswegs Hand in Hand.
In einer YouGov-Befragung im Auftrag von BearingPoint liegt Trade Republic mit 17 Prozent der Erstnennungen an der Spitze. Dahinter folgen Binance mit 16 Prozent, Bitpanda mit 11 Prozent und Coinbase mit 10 Prozent. Bison erreicht 7 Prozent.

Gefragt wurde offen danach, welche Anbieter die Teilnehmer für den Kryptohandel am liebsten nutzen. Das Ranking berücksichtigt den jeweils zuerst genannten Anbieter. Es misst damit die bevorzugte Nutzung, nicht den Anteil einer Plattform am gesamten Handelsvolumen. Die Angaben stammen aus der deutschen Befragungswelle vom Juni 2026.
Bei Binance kommt inzwischen ein regulatorischer Bruch hinzu: Der Zweitplatzierte verfügt weiterhin über keine MiCA-Zulassung. Nach einem Reuters-Bericht vom 1. Oktober prüfen europäische Aufseher, ob sich Binance bei der weiteren Bedienung von EU-Kunden zu Recht auf die enge Ausnahme der „Reverse Solicitation“ beruft – Dienstleistungen auf ausschließliche Eigeninitiative des Kunden. Binance erklärt, geltende Vorschriften einzuhalten und an einer MiCA-Zulassung zu arbeiten. Das Beliebtheitsranking aus dem Juni bildet diese jüngste Entwicklung noch nicht ab.
Gravierende Unterschiede
Wie teuer der Handel bei beliebten Anbietern ausfallen kann, zeigt eine Untersuchung des Frankfurt School Blockchain Center gemeinsam mit intas.tech. Dafür wurden im Januar und Februar 2026 insgesamt 432 sogenannte Roundtrips über die mobilen Apps von neun Anbietern durchgeführt: Kryptowährungen wurden gekauft und unmittelbar wieder verkauft. Erfasst wurden dadurch sowohl ausdrückliche Handelsgebühren als auch die Auswirkungen der Kauf- und Verkaufskurse.
Bei Coinbase lagen die durchschnittlichen Gesamtkosten bei 6,45 Prozent, bei Kraken bei 5,92 Prozent und bei Bitpanda bei 4,99 Prozent. Trade Republic kam auf 2,77 Prozent, Bison auf 2,50 Prozent. Deutlich niedriger fielen die Werte bei flatex mit 1,21 Prozent, justTRADE mit 0,64 Prozent und Bitvavo mit 0,53 Prozent aus.

Damit lag Coinbase im untersuchten Szenario bei mehr als dem Zwölffachen des günstigsten Anbieters. Trade Republic war zwar günstiger als mehrere andere bekannte Plattformen, lag aber ebenfalls deutlich über den preiswertesten Angeboten. Die Ergebnisse beziehen sich auf die getesteten App-Handelswege und den Erhebungszeitraum; sie sind keine pauschale Preisliste für alle Tarife und Handelsoberflächen der Anbieter.
Der Vergleich macht einen Unterschied sichtbar, der im Alltag leicht untergeht: Die ausgewiesene Ordergebühr ist noch nicht der gesamte Preis eines Kryptokaufs. Hinzu kommt insbesondere der Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Ein niedriger Betrag auf der Gebührenanzeige kann deshalb mit spürbar höheren tatsächlichen Handelskosten einhergehen.
Chancen für klassische Geldinstitute
Gerade bei regelmäßigen Käufen verdient diese Differenz Aufmerksamkeit. Wer jeden Monat investiert, bezahlt die jeweiligen Kaufkosten immer wieder. Häufiges Umschichten belastet das Ergebnis zusätzlich. Für Anleger lohnt sich deshalb der Blick darauf, wie viele Coins sie für denselben Eurobetrag tatsächlich erhalten und welcher Erlös bei einem Verkauf übrig bliebe.
Warum sind vergleichsweise teure Angebote dennoch so gefragt? Eine mögliche Erklärung ist Vertrauen. Eine Studie von Börse Stuttgart Digital und Marketagent zeigt: 38 Prozent der deutschen Befragten nennen die eigene Hausbank als vertrauenswürdigste Anlaufstelle für den Kryptohandel, 19 Prozent spezialisierte Anbieter. Zugleich empfinden 60 Prozent Kryptowährungen als zu komplex. Die Untersuchung umfasst 3.006 Befragte in Deutschland zwischen 18 und 70 Jahren.

Das sind Vertrauenseinschätzungen, keine tatsächlichen Nutzungsquoten. Sie liefern aber einen Hinweis darauf, welchen Stellenwert ein vertrauter Anbieter und ein verständlicher Zugang haben können. Ob Anleger höhere Kosten bewusst akzeptieren oder sie schlicht unterschätzen, lässt sich aus den gegenübergestellten Studien nicht ablesen.
„Ich vermute, dass hier zwei Dinge zusammenkommen: Anleger wählen Plattformen, denen sie vertrauen und mit deren Bedienung sie bereits vertraut sind. Gleichzeitig dürften sich viele gerade zu Beginn nicht darüber im Klaren sein, wie hoch die effektiven Gesamtkosten aus Gebühren und Spreads ausfallen. Die Beliebtheit teurer Angebote muss deshalb keine bewusste Entscheidung für höhere Kosten sein“, so Raphael Lulay, Herausgeber von boersen-parkett.de.
Bei der Auswahl der Kryptowährungen fällt das Bild eindeutiger aus. Bitcoin ist in 91 Prozent der Portfolios der von KPMG und BTC-ECHO befragten Investierenden vertreten. Ethereum folgt mit 74 Prozent, Solana mit 57 Prozent. XRP halten 49 Prozent, Cardano 37 Prozent und Polygon 30 Prozent. Die Werte beschreiben, wie viele Befragte den jeweiligen Coin besitzen – nicht dessen Gewicht im Portfolio.

Interessant ist die Bewegung gegenüber dem Vorjahr: Während Bitcoin einen Prozentpunkt zulegt, verliert Ethereum fünf Prozentpunkte. Solana hält seine Position. Sui gewinnt vier Prozentpunkte hinzu und erreicht mit 20 Prozent inzwischen denselben Verbreitungsgrad wie Dogecoin. Auch innerhalb einer langfristig orientierten Anlegerschaft verschieben sich die Favoriten.
Bitcoin bleibt damit der gemeinsame Nenner in den untersuchten Krypto-Portfolios. Dahinter verteilen sich die Investments auf zahlreiche weitere Projekte. Beim Handelsplatz wiederum zeigt der Vergleich, dass eine starke Marke und hohe Beliebtheit keineswegs automatisch günstige Konditionen bedeuten.
Für Anleger ergibt sich daraus ein konkreter Ansatzpunkt: Neben der Frage nach dem nächsten aussichtsreichen Coin verdient auch der Preis des Zugangs Aufmerksamkeit. Welche Rendite Bitcoin, Ethereum oder Solana künftig liefern, bleibt offen. Wie viel beim Kauf und Verkauf an Kosten anfällt, lässt sich dagegen bereits vor der nächsten Order vergleichen.
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Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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