Zehn Tage nach den US-israelischen Angriffen auf Iran zeigt sich ein ungewöhnliches Bild an den Finanzmärkten. Während viele klassische Anlageklassen unter geopolitischer Unsicherheit leiden, hat sich ausgerechnet Bitcoin als stärkster Performer erwiesen.
Die Entwicklung fällt deshalb auf, weil geopolitische Schocks traditionell Kapital in Gold oder Staatsanleihen lenken. Aktuell zeigt sich jedoch ein anderes Bild, wie eine neue Infografik von boersen-parkett.de zeigt.

Bitcoin liegt im betrachteten Zeitraum deutlich im Plus, während Aktienmärkte und Edelmetalle überwiegend Verluste verzeichnen. Besonders stark traf es europäische Aktien: Der DAX verlor seit dem Angriff Ende Februar rund 6,8 Prozent.
Ein möglicher Erklärungsansatz liegt in der Ausgangslage des Marktes. Bereits vor Beginn der militärischen Eskalation hatte Bitcoin eine längere Korrekturphase hinter sich. Zwischenzeitlich lag der Kurs rund 50 Prozent unter seinem vorherigen Hoch.
Der geopolitische Schock traf damit auf einen Markt, der zuvor bereits deutlich nachgegeben hatte. Während viele klassische Anlageklassen erst infolge der Angriffe unter Druck gerieten, befand sich Bitcoin bereits zuvor in einer ausgeprägten Abwärtsbewegung.
Ein weiterer klar messbarer Faktor sind die Kapitalströme in Bitcoin-ETFs. Seit dem ersten Handelstag nach Beginn der Eskalation verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs netto Zuflüsse von insgesamt 735,6 Millionen Dollar.

Im Hintergrund steht zudem eine makroökonomische Argumentation, die in Teilen der Bitcoin-Community seit Jahren diskutiert wird. Die These lautet vereinfacht: Kriege werden über Staatsverschuldung finanziert.
Steigende Militärausgaben führen zu höheren Haushaltsdefiziten, mehr Anleiheemissionen und langfristig zu einem stärkeren Druck auf Fiatwährungen. Ein knappes Asset mit fest definierter Angebotsgrenze könnte in einem solchen Umfeld profitieren.
Prominente Vertreter dieser Sichtweise, darunter der Makrostratege Mark Connors oder der ehemalige BitMEX-CEO Arthur Hayes, haben diese These in den vergangenen Wochen verstärkt aufgegriffen. Die Marktentwicklung seit Beginn der Iran-Eskalation liefert zumindest kurzfristig Argumente für diese Perspektive.
Ein Blick auf klassische Krisenassets zeichnet dagegen ein anderes Bild. Gold und Silber reagierten unmittelbar nach den ersten Angriffen zunächst mit Kursanstiegen. Diese Bewegung erwies sich jedoch als kurzlebig. Beide Metalle liegen im betrachteten Zeitraum inzwischen wieder im Minus.
Auffällig ist auch die jüngste Marktreaktion auf politische Signale. Nachdem Donald Trump am Abend des 9. März erklärte, der Konflikt könne sich möglicherweise „sehr bald“ lösen, zog der Bitcoin-Kurs erneut an. Im 24-Stunden-Vergleich legte BTC um rund 4,4 Prozent zu.
Damit reagierte Bitcoin nicht nur während der militärischen Eskalation vergleichsweise robust, sondern auch auf erste Hinweise auf eine mögliche Deeskalation.
Dass solche Erwartungen tatsächlich im Markt existieren, zeigt auch der Prognosemarkt Polymarket. Dort bewerten Nutzer die Wahrscheinlichkeit eines Waffenstillstands zwischen den USA und Iran noch im März aktuell mit rund 34 Prozent. Das Wettvolumen liegt bei etwa 4,8 Millionen Dollar.

Trotz der auffälligen Entwicklung bleibt Vorsicht angebracht. Zehn Tage Marktbewegung reichen nicht aus, um eine strukturelle Neubewertung einer gesamten Anlageklasse zu belegen.
Bitcoin weist weiterhin eine deutliche Korrelation zu Risikoanlagen wie dem S&P 500 auf und wird von vielen institutionellen Investoren nach wie vor als spekulatives Asset eingeordnet. Gleichzeitig zeigen die vergangenen Tage, dass makroökonomische Entwicklungen zunehmend eine Rolle für die Bewertung des Assets spielen.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von Boersen-Parkett.de. Er berichtet über Kryptowährungen und digitale Kapitalmärkte mit Fokus auf Bitcoin, Altcoins, Kapitalflüsse, Regulierung und Marktstruktur. Seine Analysen verbinden aktuelle Nachrichten mit datenbasierter Einordnung für Anleger. E-Mail: kontakt@raphael-lulay.de.